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13.01.2018, 14:27 Uhr KOLUMNE

Florian Kohfeldt trifft den richtigen Ton im Team

Von Tino Polster

Sehr selbstbewusst, aber nicht eitel: Werder-Trainer Florian Kohfeldt (Mitte). Foto: imago/NordphotoSehr selbstbewusst, aber nicht eitel: Werder-Trainer Florian Kohfeldt (Mitte). Foto: imago/Nordphoto

Delmenhorst. Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Liebe Leser,

die sind verrückt, die Engländer! Die spielen, bis sie umfallen. Der FC Arsenal zum Beispiel hat zwischen dem 19. Dezember und dem 10. Januar sieben Pflichtspiele bestritten. Ein Königreich für Fans, die es über die Feiertage nicht nur an Silvester gerne mal krachen lassen.

Die Qualität auf dem Platz aber leidet – manch ein Spieler schleppte sich nur noch über die Jahreswende. Aus Sicht der Aktiven macht eine Pause zur Regeneration allemal Sinn, auch wenn sie in der Bundesliga diesmal kürzer ausfiel als sonst. Und: Vorfreude ist die schönste Freude: Rückrunde – kannst kommen! Start gegen Hoffenheim im Weser-Stadion.

Gut so, denn in den letzten drei Heimspielen sackten Kruse & Co. sieben Punkte ein – in Bremen wird das Fundament zum Klassenerhalt gelegt. Und im Kopf. Es schadet nicht, sich an positive Erlebnisse zu erinnern. Max Kruse sollte das tun, vor einem Jahr wurde er zum Mann der Rückrunde. Niemand in der Liga war an mehr Toren beteiligt, und Werder sammelte 29 Punkte – fast so wie zu guten alten Zeiten.

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So wie Florian Kohfeldt bislang auftritt, macht es mir Mut für ein Saisonende im grünen Bereich. Sehr selbstbewusst, aber nicht eitel, er trifft den Ton im Team. Der erste Delmenhorster als Bundesliga-Cheftrainer kann auf einer bislang unbekannten Stärke aufbauen: Noch weniger Gegentore als Werder kassierten nur Bayern und Frankfurt. Diese wundersame Stabilität gilt es zu bewahren und eine ungeahnte Werder-Schwäche wiederzubeheben: In mehr als der Hälfte aller Spiele gingen die Männer von der Weser leer aus, nur Köln traf noch seltener ins Tor.

Problematisch: Fin Bartels wird Werder heftig abgehen – der einzige Profi der Grün-Weißen, der im Sprintbereich die magische Grenze von 34 km/h sprengt. Mit fünf Kontertoren stellt Bremen nach Leverkusen das bislang stärkste Team im schnellen Umkehrspiel. Ob das so bleibt? Wer springt ein? Den Typ haben sie so nicht noch mal im Programm. Also braucht es andere Stärken: Schießt mehr „Standardtore“! 15 Teams waren besser nach ruhenden Bällen als Werder. Diese traditionelle Tugend bitte wiederbeleben, und in der Schlussviertelstunde darf es dann gerne mehr sein als nur das eine Tor beim 4:0 über Hannover. Oder einfach nur 1:0 gewinnen, bevor’s nach München geht.