VfL Osnabrück trauert um Lutz Gerdes Aus der legendären VfL-Elf von 1952 leben nur noch zwei Spieler

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Osnabrück. Aus der großen Mannschaft des VfL Osnabrück, die 1952 mit den besten Vereinen aus ganz Deutschland in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft spielte, leben nur noch zwei Spieler. Bereits am 12. Dezember ist Stürmer Ludwig Gerdes im Alter von 89 Jahren verstorben.

Gerdes war eines der vielen Talente, das Heinz Schulze für den VfL entdeckte. Der Ligaobmann hatte den schnellen Angreifer, der sowohl auf den Flügeln als auch im Sturmzentrum eingesetzt werden konnte, bei Borussia Rheine entdeckt und 1951 zur Bremer Brücke gelotst.

Der Neue erwischte einen Einstand nach Maß. Gleich am ersten Spieltag stand er in der Mannschaft, die mit dem 4:0 gegen den Lüneburger SK den ersten Meilenstein der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte setzte.

Am 10. Februar 1952 war Gerdes an einer denkwürdigen Aufholjagd beteiligt: Nach drei Minuten lag der VfL gegen den Eimsbütteler TV mit 0:2 zurück, doch dann machten Ewald Nienhaus, Addi Vetter, Lutz Gerdes und Ötti Meyer daraus mit ihren Toren einen 4:2-Sieg.

Das Team um Charly Komorowski, Hannes Haferkamp, Erich Gleixner und Addi Vetter wurde in der Oberliga Nord hinter dem Hamburger SV Zweiter und schaffte damit die Qualifikation für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.

Mit 14 Toren in 18 Spielen der Oberliga Nord trug Ludwig, den alle nur Lutz nannten, zum Erfolg bei. In der Endrunde gehörte er zur Stammelf – bis Friedel Schwarze von seinen Wechselplänen erfuhr: Der mächtige Clubchef veranlasste, dass Gerdes in den letzten zwei Partien nicht mehr aufgestellt wurde.

Für den ETB Schwarz-Weiß Essen stürmte nur eine Saison, dann holte ihn seine früherer Trainer aus Rheine, Günter Hentschke, zum VfR Kirn in die Oberliga Südwest, wo er sich nicht wohl fühlte und in seine Heimat Rheine zurückkehrte. 1955 holte ihn der VfL zurück, der Präsident kam persönlich, wie sich Gerdes erinnerte: „Am Abend des letzten Tages der Wechselfrist stand der plötzlich vor meiner Tür“.

Das Comeback in Lila-Weiß begann gut, Gerdes steuerte zum 3:1 im Derby gegen Eintracht Nordhorn zwei Treffer bei; inzwischen als Mittel- oder Halbstürmer am Ball. Seine beiden letzten Treffer gelangen ihm am 26. Februar 1956 beim 2:0-Sieg bei Altona 93.

Eine Nierenverletzung beendete seine Karriere vorzeitig, als Sportinvalide verließ der den VfL. Gerdes wirkte danach als Trainer, unter anderem bei den Sportfreunden Lotte (1957 bis 1960), bei der Spvg. Haste und beim SV Rasensport Osnabrück, der zu seiner Heimat wurde.

An der Kokschen Straße spielte er bis zu seinem 60. Lebensjahr, auch danach blieb er dem Verein verbunden. Genauso regelmäßig, wie er die Spiele von „Raspo“ verfolgte, beobachtete er auch den VfL – oft auch als stiller Beobachter beim Training auf der Illoshöhe.

Lutz Gerdes, der in der Firma des VfL-Präsidenten Schwarze und bei Kabelmetall gearbeitet hatte, war ein bescheidener Mann, der von seinen Fußball-Erfolgen kein großes Aufhebens machte. Der am 1. August 1928 in Rheine geborene Fußballer ist am 12. Dezember 2017 im Alter von 89 Jahren gestorben. Die Beisetzung hat auf seinen Wunsch in aller Stille stattgefunden.

Aus der legendären Mannschaft von 1952 leben damit nur noch Abwehrspieler „Heina“ Fiening und Stürmer „Hansi“ Alpert.


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