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07.12.2017, 22:45 Uhr KOMMENTAR

Zur Regionalliga-Reform: Eine Bankrott-Erklärung des DFB

Kommentar von Benjamin Kraus

Letzter Einsatz für DFB-Präsident Reinhard Grindel bei einem Bundestag: Am 4. November 2016 in Erfurt. Foto: dpaLetzter Einsatz für DFB-Präsident Reinhard Grindel bei einem Bundestag: Am 4. November 2016 in Erfurt. Foto: dpa

Osnabrück. Zur Regionalliga-Reform und zur Aufstiegsfrage in die 3. Liga ist ein Kompromiss auf Zeit in Sicht, der aber sportlich mehr als fragwürdig ist: Es gibt ab sofort vier Absteiger aus der 3. Liga, die fünf Regionalligen sollen aber vorerst bleiben, das direkte Aufstiegsrecht rotieren. Das Grundproblem des DFB ist der Streit um Einfluss und Proporz – das hat das unwürdige Geschachere einmal mehr gezeigt, findet unser Kommentator.

Die Beschlussvorlage für den DFB-Bundestag

Der Kompromiss, auf den sich die Vertreter aller 21 Regionalverbände verständigt haben, lautet so: Ein direktes Aufstiegsrecht wird demnach in den beiden kommenden Spielzeiten der Meister der Regionalliga Südwest erhalten. Der Meister der Regionalliga Nordost bekommt dieses Recht in der ersten Spielzeit 2018/19. Das dritte direkte Aufstiegsrecht für die erste Saison der Übergangsphase wird unter den Ligen Bayern, Nord und West ausgelost. Die Meister der Ligen, die nicht gezogen werden, ermitteln in Playoff-Spielen den vierten Aufsteiger. Dafür erhalten diese beiden Ligen in der Saison 2019/20 - zusammen mit dem Südwest-Meister - das direkte Ticket Richtung 3. Liga. Der Meister Nordost und der Champion der Staffel, die im ersten Jahr als Direktaufsteiger gelost worden war, gehen dann ins Playoff. Eine Expertenkommission soll für die Zeit danach eine Regelung erarbeiten mit der Prämisse, dass es dann nur noch vier Regionalligen gibt ( hier mehr dazu).

Die Einordnung: Alle Schwächen der alten Anträge vereint

Diese Beschluss-Vorlage zur Regionalliga-Reform und zum Aufstieg zur 3. Liga, die beim DFB-Bundestag an diesem Freitag höchstwahrscheinlich verabschiedet wird, ist eine Bankrott-Erklärung des DFB. Der faule Kompromiss vereint alle Schwächen der verschiedenen Anträge, die schon eines gemeinsam hatten: Sie waren auch unausgegoren und ungerecht..

Zwar gibt es damit einen Aufsteiger mehr als bisher für die Regionalligisten, eine Lösung mit Lossystem verwässert aber sportliche Kriterien. Die Funktionäre begegnen der Fanforderung „Meister müssen aufsteigen“ mit einem Plan, der genau jenes Kriterium nicht erfüllt. Stattdessen streben sie nicht nachvollziehbare, teils festgelegte, teils rotierende Aufstiegs-Privilegien für Regionalliga-Meister an, die anderen vorenthalten werden. Das zeigt: Den kungelnden Vertretern der Regionalverbände liegt weniger die Gerechtigkeit im organisierten Fußball am Herzen als die Sicherung des eigenen Machtbereiches. Dazu passt: Beim DFB-Bundestag haben jene Klubvertreter der 3. Liga kein Stimmrecht, die zuvor einen vierten Absteiger unter der Prämisse akzeptierten, dass alle Regionalliga-Meister aufsteigen. Das passiert nun frühestens 2021 – sollte die Idee dann das Hinterzimmer-Geschacher überleben.

Perfekte Vorlage für neue Fanproteste

Und: Die neue Expertengruppe kann wegen der Vor- Festlegung auf künftig vier Regionalligen die Lage gar nicht unabhängig analysieren. Sie hätte ermitteln können, dass der Flaschenhals zwischen bundesweiter 3. Liga und vier Regionalligen immer noch zu eng ist und die Attraktivität der Regionalligen leidet, wenn schon Platz zwei sportlich wertlos ist. Eine weitere Reduzierung der Regionalliga- Staffeln hätte aber genau jene Regional-Delegierte im DFB Einfluss gekostet, die die konfuse aktuelle Vorlage erarbeitet haben.

Das Versäumnis der Drittligisten liegt darin, dass sie bis heute keine Interessenvertretung im DFB und in der Öffentlichkeit etabliert haben. Nun wird wohl über ihre Köpfe hinweg ein Plan abgenickt, der angesichts seiner Absurdität die perfekte Vorlage für neue Fanproteste gegen den DFB bietet.


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