VfL meldet Fehlbetrag von 1,35 Millionen Euro Millionen-Minus schockt die Mitglieder des VfL Osnabrück

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Schlechte Nachrichten: Nur einen Tag nach dem Fußballfest gegen Aalen präsentiert der VfL aktuelle Finanzlage. Foto: Helmut KemmeSchlechte Nachrichten: Nur einen Tag nach dem Fußballfest gegen Aalen präsentiert der VfL aktuelle Finanzlage. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Erneut ein negatives Ergebnis – diesmal fast doppelt so hoch wie 2015/16. Der VfL Osnabrück verkündet für die vergangene Spielzeit einen Fehlbetrag von 1,35 Millionen Euro. Die Mitglieder sind geschockt und fragen: Wie lange soll und kann das gut gehen? Denn der Weg zur Besserung bleibt unklar.

40 Mitglieder waren zur Präsentation des „Saisonreports“ in den VIP-Raum der Bremer Brücke gekommen. Eine Woche vor der Mitgliederversammlung am 26. November stellten Geschäftsführer Jürgen Wehlend, Aufsichtsratsvorsitzender Olaf Becker und Präsident Hermann Queckenstedt Zahlen und Hintergründe vor. Sie bekamen angesichts hartnäckiger Fragen und kritischer Kommentare einen Vorgeschmack auf nächsten Sonntag.

Wie setzt sich der Fehlbetrag 2016/17 im Detail zusammmen? Weit unterhalb der Kalkulation blieben die Zuschauereinnahmen bei Punktspielen (350000 Euro) und Freundschaftsspielen (130000 Euro); der Fehlbetrag im Merchandising liegt bei 160000 Euro. Am einschneidendsten war das Minus im Sponsoring: Angepeilt waren 4,4 Millionen Euro, doch dieses Ziel wurde im ersten Jahr nach dem Einstieg der Agentur Infront um 519000 Euro verfehlt. ( Weiterlesen: VfL präsentiert die Zahlen)

Warum ist Infront so weit hinter den Erwartungen geblieben? Wehlend kritisierte den Partner („Der Saisonstart ist verschlafen worden, ein Stadionkonzept lag nicht vor“), stellte die Zusammenarbeit aber nicht grundsätzlich infrage und musste einräumen, dass es keine Verpflichtung von Infront gibt, die Kluft zum geplanten Ergebnis auszugleichen. ( Weiterlesen: VfL präsentiert Infront als Partner)

Wie passt dieses Ergebnis in die Entwicklung der letzten Jahre? Nach dem Rekordminus von 2012/13 (2,1 Millionen Euro) gelang 2013/14 mit einem Fehlbetrag von nur 137000 Euro dank hoher Transfererlöse und zwei Runden im DFB-Pokal das beste Ergebnis, bei positivem Cashflow. Es folgten zwei Jahre mit negativem Ergebnis und negativem Cashflow: 1,1 Millionen Euro in 2014/15 und 787000 Euro in 2015/16. Schlechte Ergebnisse, aber zumindest teilweise erklärbar. Das ist bei dem Fehlbetrag 2016/17 nicht möglich.

Was sagt Wehlend dazu? „Wir haben unsere wirtschaftlichen Ziele nicht erreicht und müssen einen Rückschlag erleben, wie wir ihn noch nie hatten. So ein Ergebnis zehrt unser Eigenkapital auf“, sagte Wehlend, der zu seiner persönlichen Rolle erklärte: „Ich bin dafür verantwortlich, dem stelle ich mich.“

Welche Folgen hat der erneute Fehlbetrag? Im Rahmen der Nachlizenzierung prüft der DFB die Lage beim VfL und wird wahrscheinlich Auflagen verfügen; eine Strafe in Form eines Punktabzugs schloss Wehlend aus. Die Gläubiger, die 2015/16 dem Schuldenschnitt auf Besserungsschein zustimmten, haben Ergebnisse mit positivem Cashflow gefordert und werden Erklärungen und Lösungen hören wollen.

Wie ist der Plan für die laufende Saison? 2017/18 will der VfL mit einem positiven Ergebnis von 337000 Euro abschließen. Das erscheint realistisch, denn durch die Transfers von Wriedt und Sangaré sowie zwei Runden im DFB-Pokal flossen bereits 1,1 Millionen Euro. Ohne diese Sondererlöse läge der Fehlbetrag bei 750000 Euro. Eine Perspektive über 2017/18 hinaus ist nicht erkennbar, wie Becker zugab: „Die Planzahlen für 2017/18 sind nur wegen der Zusatzeinnahmen positiv. Das verschafft uns ein bisschen Luft, nicht mehr.“ Laut Wehlend sind im Etat die Personalkosten außerhalb der Profis bei 1,15 Millionen Euro knapp unter der Vorsaison und enthalten die Kosten für den neuen Sportdirektor. ( Weiterlesen: Wriedt wechselt zu Bayern München)

So kann es nicht weitergehen – wie dann? Wehlend präsentierte offiziell den Einstieg der Stadtwerke AG (5 Prozent) als Kommanditaktionär, der bis 2021 pro Jahr 150000 Euro „frisches Geld“ bringt. Außerdem treten die Firma Büromöbel Assmann aus Melle (5 Prozent) sowie die Privatleute Michael Koch (5 Prozent) und Nicole Welz (3 Prozent) als Aktionäre in die KG ein; sie wandeln Darlehen in Fremdkapital. Doch die konkreten Maßnahmen zur Überwindung der grundsätzlichen Misere, auf die die Mitglieder zu Recht bei dieser Veranstaltung gewartet hatten, wurden so gut wie gar nicht angesprochen.


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