Nach 2:3 gegen Nürnberg: Aus im DFB-Pokal Großer Pokalfight, aber kein Happy-End für den VfL Osnabrück

Von Harald Pistorius


Osnabrück. In einem rassigen, bis zuletzt spannenden Pokalfight unterlag der VfL Osnabrück dem Zweitligisten 1. FC Nürnberg nach starker Leistung vor 13.500 Zuschauern mit 2:3 (1:1). Die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune wurde von den Zuschauern 90 Minuten angefeuert und mit Applaus verabschiedet.

Eine Wiederholung der Pokalsensation gegen den Hamburger SV (3:1) lag bis zur letzten Minute der Nachspielzeit in der Luft, obwohl der VfL in der Schlussphase nach einer Roten Karte gegen Zorba in Unterzahl war. Nach der frühen Führung durch einen Alvarez-Elfmeter gerieten die Osnabrücker durch zwei vermeidbare Treffer – Ishak traf kurz vor, Leibold kurz nach der Pause – in Rückstand, schafften aber durch Groß den Ausgleich. Ein erneuter Abwehrfehler ermöglichte dem FCN das 3:2-Siegtor durch Valentini.

Die Tore: Ein Elfmeter brachte die Bremer Brücke früh auf Pokal-Temperatur: Reimerink geriet im Laufduell mit Kammerbauer am linken Strafraumeck ins Stolpern, behauptete sich und wurde vom Nürnberger gehalten – der Elfmeterpfiff in der vierten Minute war vertretbar. Alvarez verwandelte flach ins rechte Eck. Der Ausgleich der Nürnberger war verdient, aber vermeidbar: Arslan hätte Möhwald am Flanken hindern, Groß den Ball mit dem Kopf klären können. So aber kam am langen Eck Ishak an den Ball und traf aus kurzer Distanz mit einem Schrägschuss, den Gersbeck nur noch berühren konnte (38.).

Auch die zweite Halbzeit begann mit einem frühen Tor: Einem Flankenball von Valentini gab Danneberg per Kopfballabwehr eine neue Richtung, sodass die Abseitsstellung von Leibold aufgehoben wurde. Aus kurzer Distanz köpfte der Nürnberger unhaltbar ein (50.). Der VfL steckte den Rückschlag verblüffend gut weg, hatte mit druckvollen, schnellen Angriffen die richtige Antwort – und wurde in der 64. Minute belohnt: Nach einer abgewehrten Alvarez-Ecke zirkelte Renneke eine Rechtsflanke aufs lange Eck, wo Groß perfekt hochstieg und zum 2:2 einköpfte. Der Club schlug erneut zurück, und wieder war es ein Treffer, der zu verhindern gewesen wäre: Ein langer Diagonalball von Leibold landete im Rücken der VfL-Abwehr beim aufgerückten Valentini, der Wachs und Zorba schlecht aussehen ließ und den Ball ins kurze Eck schob (72.).

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Die Schlüsselszenen: Die Nürnberger brauchten ein bisschen, um sich nach dem 0:1 zu sortieren. In dieser Phase hatte der VfL bei zwei Distanzschüssen von Heider (14., über das Tor) und Alvarez (16., auf die Latte) Torchancen. Die Nürnberger fanden danach besser ins Spiel, die Hereinnahme von Erras (ab 30. für Kammerbauer) zahlte sich aus. Der VfL verteidigte gegen die überlegenen Gäste verbissen und geschickt, lauerte auf Konter. Chancen erspielte sich der Zweitligist allerdings nicht, machte dann aber aus der ersten Möglichkeit den Ausgleich.

Nach dem schnellen Rückstand schüttelte sich der VfL kurz – und legte in der intensiven Partie nach. Danneberg war schon bei einem Flachschuss, der knapp vorbeiging (49.) dem Ausgleich nahe, bei einem Kopfball von Heider (58.) fehlte ebenfalls nicht viel, und dann zwang Reimerink Torwart Kirschbaum mit einem 18-Meter-Schuss zu einer Glanzparade (62.).

Umso bitterer dann der erneute Rückstand, dem eine weitere bittere Szene folgte: Ein Foul von Zorba am eingewechselten Teuchert wertete Dankert als Notbremse und zeigte dem Osnabrücker die Rote Karte (76.).

Aufholjagd gegen einen klassenhöheren Gegner und in Unterzahl – das war dann doch eine Nummer zu groß für den VfL, der mit leidenschaftlichem Kampf, großer Moral und mutigem Spiel den FCN bis zur allerletzten Sekunde unter Druck setzte und zu höchster Konzentration zwang. Am Ende stand eine Niederlage, die für den Alltag in der 3. Liga Mut machen sollte.

Die Spielwertung: In einer packenden , rassigen Partie, die alle Zutaten eines klassischen Pokalfights hatte, hatte der VfL eine Überraschung vor Augen – dank einer klugen Taktik, einer leidenschaftlichen Einstellung und viel Angriffsschwung. In der zweiten Halbzeit litt das Team unter der nicht mehr einheitlichen Zweikampf- und Foulbeurteilung des Schiedsrichters. Bis zuletzt winkte der Lohn in Form des Ausgleichs und einer Verlängerung, doch am Ende siegte das cleverere, abschlussstärkere Team.

Das Personal: Es fehlten Dercho, Schulz, Bickel, Savran und Engel (alle verletzt oder krank) sowie Appiah (Sperre nach der Roten Karte aus dem Erstrundenspiel gegen den HSV). Thioune formierte eine Abwehr mit einer tief stehenden Dreierkette im Zentrum (Susac, Groß, Zorba) und zwei Außenverteidigern (Renneke, Wachs). Hinter dem Angriff mit Reimerink, Alvarez und Heider sicherten Danneberg und Arslan ab und trieben an.

So geht es weiter: Am Samstag (Anstoß 14 Uhr, Bremer Brücke) empfängt der VfL den FSV Zwickau. Die Gäste haben von den letzten sieben Ligaspielen nur eins (1:3 gegen den SC Paderborn) verloren und kompensierten damit den Fehlstart (nur zwei Punkte aus sechs Partien). Eine Woche später tritt der VfL beim SC Paderborn an, danach folgt eine zweiwöchige Länderspielpause.


Namen, Zahlen, Fakten

VfL Osnabrück - 1. FC Nürnberg (1:1)

Osnabrück: Gersbeck 2,5 - Susac 3,5, Groß 2,5, Zorba 3,5 - Renneke 3, Danneberg 3 (ab 80. Klaas/-), Arslan 3 (ab 62. Krasniqi/-), Wachs 3,5 – Heider 3,5, Alvarez 3 (ab 81. Kristo/-), Reimerink 3,5. Trainer: Thioune

Auf der Bank: Paterok (Tor), S. Tigges, Iyoha, Falkenberg.

Nürnberg: Kirschbaum 3 - Mühl 3, Ewerton 3,5, Löwen 3,5, Leibold 3 - Valentini 2,5, Kammerbauer 4 (ab 30. Erras/2,5), Behrens 4 - Möhwald 3 - Ishak 3, Werner 4 (ab 68. Teuchert/-). Trainer: Köllner

Auf der Bank: Bredlow (Tor), Brecko, Salil, Hufnagel, Fuchs.

Tore: 1:0 Alvarez (4., Foulelfmeter, Kammerbauer an Reimerink), 1:1 Ishak (38., Ishak, Rechtsschuss, Linksflanke Möhwald), 1:2 Leibold (50., Kopfball, Rechtsflanke Valentini), 2:2 Groß (64., Kopfball, Rechtsflanke Renneke), 2:3 Valentini (72., Linksschuss, Vorarbeit Löwen).

Zuschauer: 13557.

Schiedsrichter: Dankert (Rostock), Note 3,5.

Gelb: 22. Susac, 39. Alvarez, 54. Zorba, 79.Renneke, 90.+5 Krasniqi/30. Ewerton, 82. Erras.

Rot: 76. Zorba (VfL, Notbremse, Foul an Teuchert).