Ex-VfL-Spieler zurück in Deutschland Björn Lindemann: Tut mir leid – aber Magdeburg gewinnt

Von Benjamin Kraus

Aufstiegsfeier 2010: Björn Lindemann (links) mit seinem Kumpel Tobias Nickenig (r) in Aktion. Foto: imago/WombatiAufstiegsfeier 2010: Björn Lindemann (links) mit seinem Kumpel Tobias Nickenig (r) in Aktion. Foto: imago/Wombati 

Osnabrück. Er hat für beide Vereine gespielt, mit dem 1. FC Magdeburg 2007 knapp den Aufstieg verpasst und in seinem wohl besten Jahr 2009/10 mit dem VfL Osnabrück die Meisterschaft in der 3. Fußball-Liga gefeiert. Björn Lindemann spricht über seine Rückkehr nach Deutschland, verrät, dass er bald wieder das lila-weiße Trikot tragen wird – und erklärt, wie er das direkte Duell seiner Ex-Klubs heute Abend einschätzt.

„Früher hätte ich ja einfach gesagt: Freitagabend unter Flutlicht, das wird ein 3:1-Sieg für Osnabrück“, sagt Lindemann auch mit Blick auf die zuletzt eher schwachen Ergebnisse der Lila-Weißen bei Abendspielen. „Dazu wirkt für mich Magdeburg gefestigter und in besserer Form – deshalb tippe ich auf einen Sieg für Magdeburg, so leid es mir für die VfL-Fans tut“, sagt der 33-Jährige, der zuletzt fünfeinhalb Jahre in Thailand als Fußballprofi spielte, aber den Weg seiner Ex-Vereine stets verfolgt hat – über das Internet und alte Bekannte.

„Magdeburg hat Ruhe im Umfeld, konnte kontinuierlich arbeiten, das Team zusammenhalten und verstärken: Sie sind für mich ein Aufstiegsfavorit. In Osnabrück gab es in den letzten Jahren doch ab und an Hick-Hack im Verein, dazu reicht die Qualität des Kaders eben nicht mehr für die Spitze der 3. Liga“, sagt der Fußballer, der für den prognostizierten Ausgang der Partie dann aber doch eine kleine Einschränkung macht: „Daniel Thioune wird als VfL-Trainer sicher neue Impulse setzen und an kleinen Schräubchen drehen. Was das für Auswirkungen hat, darauf bin ich sehr gespannt.“ ( hier die Partie im Liveticker ab 18.30 Uhr verfolgen)

Nackenschmerzen nach dem Spiel

Selbst hatte Lindemann eigentlich vor, die Partie im Stadion zu verfolgen – er wird es aber nicht schaffen, weil bei seinem neuen Verein relativ zeitgleich das Abschlusstraining vor der Regionalliga-Partie am Sonntag bei Eintracht Norderstedt steigt: Lindemann spielt seit einigen Wochen für den 1. FC Germania Egestorf-Langreder, kam auch schon zu vier kürzeren Einsätzen für das Team aus der Deister-Region. „Gleich am Anfang bin ich hier richtig weggesenst worden und musste angeschlagen erstmal kürzer treten. Seit einer Woche bin ich aber jetzt voll im Saft“, sagt Lindemann.

„Der Fußball hier in der Regionalliga ist schon etwas anders als zuvor in Thailand: Zuerst hatte ich nach dem Spiel richtig Nackenschmerzen, weil ich den hohen langen Bällen hinterherschauen musste“, lacht der 33-Jährige, bevor er erklärt, dass der Fußball in Deutschlands Regionalliga körperlich und physisch auf einem höheren Level sei als in Thailands 1. Liga. „Hier knallt es richtig im Zweikampf, das ist dort entspannter. Technisch und vom Speed her ist Thailand aber der Regionalliga hier mindestens ebenbürtig, eher sogar voraus“, sagt der 33-Jährige.

Frau und Kind sollen bald aus Thailand kommen

Lindemann ist als erster deutscher Fußballprofi überhaupt im Winter 2012 nach Thailand gegangen, um künftig dort seine Brötchen zu verdienen. Er spielte dort für fünf verschiedene Klubs in der höchsten Liga (weiterlesen: Ein Besuch eines Spiels von Björn Lindemann in Bangkok im März 2016). Anfang September kehrte er nach Niedersachsen zurück. „Ich hatte schon letztes Jahr mit Trainer Jan Zimmermann lockeren Kontakt. Die Rückkehr-Idee ist aber erst jetzt konkret geworden. Mein letzter Verein Sisaket FC in Thailand hat plötzlich ein Sparprogramm aufgelegt, will freiwillig absteigen und hat unter anderem den Trainer entlassen, der mich erst dorthin geholt hat. Deshalb habe ich Zimmermann angerufen und ihn gefragt, ob es noch klappt mit einem Vertrag für mich – und das haben wir recht schnell gut hingekriegt“, erklärt Lindemann.

Zurücklassen musste er zunächst seine thailändische Frau, mit der er eine kleine Tochter (neun Monate) hat – sie sollen aber so schnell wie möglich nach Deutschland nachkommen. „Ich warte im Prinzip täglich auf das Visum – und hoffe natürlich, dass die beiden dann mit dem doch etwas anderen Leben hier in der Kälte zurechtkommen“, sagt Lindemann. Der 33-jährige ist in sein altes Familienhaus in Rehburg-Loccum zurückgezogen: Dort beaufsichtigt er Umbauarbeiten, bereitet alles für die Ankunft der Familie vor und regelt Behördengänge – wenn er nicht im etwa 35 Kilometer entfernten Egestorf als Fußballer gefordert ist.

Lindemann wieder im VfL-Trikot

In Deutschland spielte der gebürtige Stadthagener unter anderem für Holstein Kiel, den VfL Lübeck, den SC Paderborn sowie Magdeburg und Osnabrück, wo er mit tollen Toren einer der prägenden Spieler der Aufstiegself 2010 war, bevor es im Frühjahr 2011 zum Bruch kam. An die Zeit bei den letztgenannten beiden Klubs erinnert er sich am Liebsten. „Viel Tradition und tolle Fans bei beiden Klubs, wobei der Aufstieg mit dem VfL natürlich in besonderer Erinnerung bleibt. In der Saison 2009/10 hat einfach alles gepasst – und es freut mich schon, wenn ich ab und an über den Zuspruch der Fans in den sozialen Netzwerken daran erinnert werde. Geblieben sind auch ein paar gute Kontakte zu alten Weggefährten“, sagt Lindemann und nennt auf Magdeburger Seite Geschäftsführer Mario Kallnik und Zeugwart Heiko Horner sowie auf VfL-Seite Manager Lothar Gans und den Ex-Teamkollegen Tommy Reichenberger.

Der frühere Torjäger hat mit dafür gesorgt, dass Lindemann bald auch mal wieder das VfL-Trikot überstreifen wird: In der Halle, beim Budenzauber Emsland 2017 in Lingen, wo am 31. Oktober das Traditionsteam der Osnabrücker aufspielen wird. „Dafür hat mir der Coach grünes Licht gegeben“, freut sich Lindemann. Das Turnier steigt an einem Dienstagabend, stört also nicht den Ablauf beim Regionalligisten. Der 33-Jährige freut sich darauf, viele alte Bekannte wiederzusehen und sein Netzwerk aufzufrischen und zu erweitern – auch mit Blick auf die Zeit nach dem Fußball.

Zukunft? „Ich bin offen für alles“

„Zwei bis drei Jahre kann ich bestimmt noch kicken. Bis Weihnachten auf jeden Fall erstmal in Egestorf hier vor meiner Haustür, danach wird man sehen“, sagt Lindemann, der auf die Frage nach den Plänen für die Zeit nach dem aktiven Fußball antwortet: „Grundsätzlich bin ich offen für alles.“ Heißt: Lindemann kann sich eine Tätigkeit im Fußball genauso vorstellen wie den Übergang ins normale Berufsleben und sagt: „Vielleicht mache ich demnächst mal irgendwo ein Praktikum – oft gehen darüber ja ein paar Türen auf.“ Eine weitere Idee ist, seine Expertise über den Asien-Markt, insbesondere natürlich Thailand, zu nutzen, vielleicht als Berater oder Projektmanager. „Ich kenne die Verhältnisse dort, viele Trainer und Spieler – und vor allem die Unterschiede zwischen den hiesigen und den dortigen Strukturen und Akademien.“ All das will Lindemann aber ganz in Ruhe auf sich zukommen lassen.

Weiterlesen: Interview mit Björn Lindemann aus dem Sommer 2015 über seine Zeit in Osnabrück und Thailand




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