Schüttorf, Heeslingen und Co. VfL Osnabrück: Siebte Blamage im NFV-Pokal

<em>Geschlagen in Heeslingen: </em>Vor zwei Jahren kassierte das Team von Trainer Uwe Fuchs eine bittere Niederlage. Foto: Helmut KemmeGeschlagen in Heeslingen: Vor zwei Jahren kassierte das Team von Trainer Uwe Fuchs eine bittere Niederlage. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. An Pokal-Blamagen gewöhnt man sich nicht, doch die Anhänger des VfL Osnabrück kennen das Gefühl. Die Pleite von Wilhelmshaven war der siebte K.o. im Niedersachsenpokal gegen einen klassentieferen Gegner in den letzten zwanzig Jahren.

„Unser Kader muss auch in der Breite stark genug sein, um gegen einen Oberligisten zu bestehen“, sagte Jürgen Gelsdorf im August 2001 einen Tag vor dem Spiel beim FC Schüttorf 09. Einen Tag später war der bundesligaerfahrene VfL-Trainer fassungslos und fragte in die Runde: „Wo sonst soll ich denn Spieler aus der zweiten Reihe testen, wenn nicht in einem solchen Spiel?“ Ein A-Jugendlicher und drei Spieler aus der Niedersachsenliga-Reserve standen im Team, das im Elfmeterschießen scheiterte, weil Krzysztof Kowalik und Wolfgang Schütte vergaben.

Gelsdorf war nicht der erste prominente Coach, der mit dem VfL in eine Pokalfalle tappte. Und wie er erlagen auch andere der Versuchung, gegen einen unterklassigen Gegner einige Akteure aus der stärksten Elf zu schonen und Reservisten eine Chance zu geben.

So wollte auch Gerd-Volker Schock 1998 die Hürde „TuS Lingen“ in der ersten Runde nehmen – ohne Asse wie Jacek Janiak oder Christian Claaßen. Als der Außenseiter 1:0 in Führung war, war es zu spät – sogar, als in der Endphase zwei Lingener (66., 77.) vom Platz gestellt wurden. „Das war eine überhebliche Vorstellung. Mit dieser Einstellung geht es nicht“, rügte Schock, der am Saisonende mit seiner Mannschaft als Meister durchs Ziel ging.

In seiner Zeit als Trainer in der 2. Bundesliga führte Werner Biskup manches Team zur Pokal-Überraschung. In seiner zweiten Amtszeit an der Bremer Brücke eröffnete er die Saison zweimal mit Pokal-Niederlagen. War die 0:1-Niederlage am 1. August 1993 beim VfL Herzlake noch hinnehmbar, weil das emsländische Städtchen genauso ein Standort in der drittklassigen Amateuroberliga ist wie Osnabrück nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga, so sah das ein Jahr später ganz anders aus: Biskup wollte mit Exprofis wie Bastian Hellberg, Karsten Surmann, „Matze“ Giesel und Frank Hartmann den Aufstieg schaffen – und im Pokal für Furore sorgen.

„Es ist ein weiter Weg bis in die DFB-Pokal-Hauptrunde, aber wir haben Appetit auf den Pokal“, sagte Biskup vor dem Gang nach Hameln. Doch Oberligist Preußen setzte das Stoppzeichen, der VfL unterlag mit 0:2 in der Verlängerung.

„Wer sich aufdrängen will, hat jetzt die Gelegenheit!“ Mit dieser Aufforderung motivierte Wolfgang Sidka nach einem gelungenen Start in die Regionalliga Nord sein mit Ergänzungsspielern und Reservisten besetztes Team vor dem Gang zum Oberligisten Blau-Weiß Lohne. Mit Mühe rettete sich der VfL in der regulären Spielzeit (2:2) ins Elfmeterschießen – und verlor dort 4:5, weil Uwe Hartenberger als einziger Schütze vergeigte. K. o. in der ersten Runde…

Und schließlich machte auch Uwe Fuchs denselben Fehler, als er glaubte, am 12. November 2011 beim TuS Heeslingen einige Spieler aus der zweiten Reihe aufbieten zu können, ohne den sportlich und wirtschaftlich wichtigen Erfolg zu gefährden. Bei dem fünftklassigen Klub verlor der VfL mit 2:3, es war der Anfang vom Ende der kurzen Amtszeit des glücklosen Trainers.

Fehlt noch ein Pokal-K.-o. Ein knappes Jahr nach der Pleite von Schüttorf wollte es Jürgen Gelsdorf besser machen und fuhr in Bestbesetzung zum BSV Rehden, dem Gastgeber im Viertelfinale. Doch in 90 Minuten fertigte der Verbandsligist (!) den Aufstiegsanwärter aus der Regionalliga mit 3:1 ab; ein 36-jähriger Feierabendfußballer namens Helmut Schmedes, der drei Jahre zuvor mit BW Lohne zum Pokal-Schreck für den VfL geworden war, düpierte die VfL-Abwehr. „Das riecht nach Arroganz!“, zürnte Manager Lothar Gans; die Verlierer mussten sich das Wort von der „Blamage“ und den Zorn der Fans gefallen lassen.

Acht Monate später lagen sich alle in den Armen: Mit einem 2:0 gegen Holstein Kiel schafften die Loser von Rehden den Aufstieg.


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