Erste Runde im DFB-Pokal VfL Osnabrück gegen den Hamburger SV: Das Fanduell

Sorgt der VfL Osnabrück an der Bremer Brücke für eine Pokal-Überraschung oder setzt sich der HSV durch? Zwei Redakteure sehen das unterschiedlich.  Foto: dpa/Montage: Martin JahrSorgt der VfL Osnabrück an der Bremer Brücke für eine Pokal-Überraschung oder setzt sich der HSV durch? Zwei Redakteure sehen das unterschiedlich. Foto: dpa/Montage: Martin Jahr 

Osnabrück. Sorgt der VfL Osnabrück an der Bremer Brücke für eine Pokal-Überraschung oder setzt sich der HSV als Favorit durch? Zwei Mitarbeiter sehen das unterschiedlich.

Christopher Bredow: Darum gewinnt der VfL Osnabrück

Als Fan des VfL Osnabrück findet man nach dem schwachen Saisonstart wenige Argumente, warum die Lila-Weißen am Sonntag in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen einen Bundesligisten gewinnen sollten. Vier Spiele, kein Sieg, zwei Punkte und zwölf Gegentore zum Start in die Dritte Liga sprechen nicht gerade für eine Sensation an der Bremer Brücke. Doch es ist nicht irgendein Bundesligist, der am Sonntag in Osnabrück zu Gast sein wird. Es ist der Hamburger SV, den der VfL im DFB-Pokal erwartet. An den HSV hat man in Osnabrück noch beste Erinnerungen, gehört das Pokalspiel von 2009 (7:5 nach Elfmeterschießen für den VfL) doch zu den Highlights der jüngeren Geschichte.

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Die Hamburger haben sich gerade erst von einer wieder mal nervenaufreibenden Saison erholt, in der man erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt in der Ersten Bundesliga feiern konnte. Für den HSV ist es am Sonntag das erste Pflichtspiel seit dem Ende der vergangenen Saison, während der VfL bereits seit drei Wochen wieder voll im Saft steht. Der Saisonstart der Osnabrücker ist zwar missglückt, doch im Gegensatz zum HSV konnte sich der VfL nun bereits mehrfach unter Pflichtspielbedingungen testen und dabei herausfinden, woran gearbeitet werden muss. Die Hamburger wissen nach einer von den Testspielergebnissen her überschaubar erfolgreichen Vorbereitung noch nicht so richtig, wo sie stehen. Am Sonntag werden sie direkt im ersten Pflichtspiel gefordert sein.

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Der Pokal hat schließlich seine eigenen Gesetze. Da zählt es nicht, auf welcher Seite mehr Geld im Spiel ist oder welche Mannschaft die besseren Spieler hat. Am Ende geht es dann doch wieder um den Kopf, denn nur wer vollen Einsatz zeigt, wird sich durchsetzen können. Dem VfL werden nach dem schwachen Saisonstart eigentlich keine Chancen eingeräumt, doch genau darin könnte ein Trumpf liegen: Unterschätzt zu werden, hat bisher noch keinem unterklassigen Team geschadet. Zudem kann sich der VfL endlich mal wieder auf ein ausverkauftes Stadion freuen. Der Unterstützung der Fans dürfen sich die Lila-Weißen sicher sein – ein unumstritten wichtiger Faktor im Pokal.

Dass der VfL in einem körperlich harten Pokalspiel bestehen kann, hat er zudem gerade erst am vergangenen Mittwoch bewiesen. Im Niedersachsenpokal gewannen die Lila-Weißen mit 3:1 beim Regionalligisten BSV Rehden. Am Sonntag wird der VfL der Herausforderer sein, der alles gewinnen und nichts verlieren kann, während der HSV nur eines will: Eine Blamage in der ersten Runde des DFB-Pokals verhindern. Chancenlos ist der VfL nicht.

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Ein Nordderby, das an einer Eisenbahnbrücke ausgetragen wird, die den Namen der Stadt an der Weser trägt - das ist schon ein besonderer Grund, warum der HSV den VfL Osnabrück an seiner Heimstätte besiegen muss. Nun wird von Fußballbeobachtern vor dem Spiel am Sonntag auch so getan, als hätten die Lila-Weißen als Underdog eine ernsthafte Chance, dem Bundesliga-Dino ein Bein zu stellen. Ihnen rate ich: „Bleibt‘ mal auf dem Teppich“.

Während in der Bundesliga erst ab der kommenden Woche der Ball wieder rollt, läuft die Spielzeit in der Dritten Liga bereits seit dem 21. Juli. Mein Kollege erwähnte es bereits: Der VfL erwischte einen Fehlstart und steht auf dem vorletzten Tabellenplatz. Noch dazu kassierten die Niedersachsen mit zwölf Gegentoren die meisten, die ein Drittligist jemals zu diesem Zeitpunkt der Saison auf dem Konto hatte.

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Um die löchrigen Abwehrreihen zu kitten, hofft das Team derzeit auf eine Rückkehr der verletzten Stammkraft Alexander Dercho auf der linken Seite, der 30-Jährige wird allerdings auch gegen den HSV fehlen. Als Verstärkung für die wackelige Defensive wurde gerade Adam Sušac verpflichtet. Ob er den Osnabrückern weiterhelfen kann, bleibt abzuwarten. Seine letzte Station war Erzgebirge Aue in der Zweiten Bundesliga, dort hatte er am Ende jedoch keinen sicheren Stand mehr und war seit dem Sommer vereinslos. Bei diesen Abwehrproblemen dürften die HSV-Stürmer Bobby Wood, André Hahn, Nicolai Müller und Co. für ordentlich Furore vor dem Osnabrücker Gehäuse sorgen.

Die Unruhe bei den Osnabrückern erinnert ein wenig an dunkle Zeiten beim HSV. Und zugegeben, die holprige Vorbereitung der Hamburger lässt auch für die kommende Saison erstmal nichts Gutes erahnen. Auch die scheinbar ungeklärten Personalien Douglas Santos und Pierre Michel Lasogga, die beide noch wechseln könnten, bereiten wohl nicht nur Trainer Markus Gisdol Kopfzerbrechen. Noch setzt Gisdol auf Santos, aber nur weil ihm eine Alternative auf der linken Verteidigerposition fehlt.

Doch es gibt auch Anlass zur Hoffnung. Schließlich haben sich die Rothosen in der Sommerpause gut verstärkt. Vor allem die Neuen Rick van Drongelen, den sie in Hamburg schon „Huub“ rufen, und Stürmer André Hahn könnten gegen Osnabrück erstmals unter Beweis stellen, warum sie zu den neuen Hoffnungsträgern zählen. Auch Nicolai Müller, um den in der aktuellen Transferperiode kräftig gebuhlt wurde, dürfte mit breiter Brust auflaufen. Und hinten steht das Bollwerk Papadopoulos/Mavraj, gegen das die Drittliga-Stürmer erfolglos anrennen werden.

Dass die Hamburger ihren Gegner trotz dessen Formschwäche in der Dritten Liga dennoch ernst nehmen, zeigte die vergangene Woche. Dreimal wurde sogar unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert - der volle Fokus richtete sich auf das Pokalspiel.

Für die Rothosen wäre ein Sieg an der Bremer Brücke auch eine Wiedergutmachung für die Fans. Nicht vergessen ist die Schmach im Elfmeterschießen 2009. Gegen viele Tore hätte ich allerdings nichts einzuwenden. Die schießt aber nur der HSV.


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