„Wir sind nicht euphorisch“ Koschinat über Kölner Verhältnisse, Fortuna-Liebe und Torjäger Dahmani

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Fühlt sich in Köln pudelwohl: Uwe Koschinat. Foto: imago/ManngoldFühlt sich in Köln pudelwohl: Uwe Koschinat. Foto: imago/Manngold

Osnabrück. Seit 2011 ist Uwe Koschinat Cheftrainer bei Fortuna Köln, wo er Kult-Status genießt. Wir sprechen mit dem 45-Jährigen über den gelungenen Saisonstart in der 3. Fußball-Liga, Kölner Verhältnisse und seinen Torjäger. Am Mittwoch (19 Uhr) empfängt sein Team den VfL Osnabrück.

Herr Koschinat, sechs Punkte und 3:0 Tore – Platz zwei. Träumt die Fortuna vom Aufstieg?

Na ja, für die Träume anderer kann ich nichts. Ich denke, die Träume der Spieler und von mir sind nicht so euphorisch. Wir sind sehr erleichtert, dass wir nach unserem personellen Umbruch so gut gestartet sind. In Jena auswärts zu gewinnen ist toll. Aber es sollte auch der Anspruch vieler Drittligisten sein, gegen Jena zu punkten. Dass wir Aalen geschlagen haben, funktionierte nur mit einer Top-Leistung. Alles in allem geben diese beiden Siege Sicherheit und sorgen dafür, dass die Stimmung positiv ist. Auf der anderen Seite geht es jetzt Schlag auf Schlag: In der englischen Woche können sich die Dinge auch mal schnell in die andere Richtung drehen.

Und die Fans bleiben auf dem Teppich?

Sie sollten sich das hier nicht so vorstellen wie in Osnabrück oder woanders. Wir haben einen sehr harten Kern mit Fans. Und wir sind hinter dem 1. FC Köln die absolute Nummer zwei in der Stadt. Von der Kölner Presse hat mich bis dato noch keiner angerufen, um über die englische Woche zu sprechen.

In der Kölner Fußballwelt schwimmt die Fortuna also nach wie vor unterm Radar?

Natürlich. Das war schon immer so, außer wir hatten Effekte, als hier Bernd Schuster oder Toni Schumacher auf der Trainerbank saßen. Aber: Prinzipiell haben wir den großen Vorteil, dass wir in Ruhe arbeiten können.

Waren Sie froh, dass Viktoria Köln nicht in die 3. Liga aufgestiegen ist?

(lächelt) Ich will nicht verhehlen, dass ich vor dem Fernseher gejubelt habe. Das hat mit der Rivalität zu tun. Sachlich betrachtet: Ein Viktoria-Aufstieg hätte für viel Aufmerksamkeit in Köln gesorgt. Auf der anderen Seite weiß ich um die Möglichkeiten von Viktoria – und kenne unsere. Das wäre eine Konkurrenz-Situation geworden, bei der wir auf Sicht den Kürzeren gezogen hätten.

Bei den Fortuna-Fans gelten Sie als Kult-Trainer. Eine Ehre oder eine Last?

Oh. Über diese Frage habe ich mir noch nie so große Gedanken gemacht. Da habe ich eher Antworten auf eine andere Frage.

Welche?

Sind Sie stolz darauf, schon so lange bei der Fortuna zu sein?

Und?

Ja. Und das empfinde ich nicht als einen Makel. Ich habe schon weit über 200 Spiele als Trainer für die Fortuna auf dem Konto – und ich weiß, was ich an der Fortuna habe. Ich arbeite in einer sehr attraktiven Stadt – in einem Verein, der hinter mir steht. Wir haben vernünftige Arbeitsbedingungen, auch wenn ich mich nicht in einer Nobel-Garderobe umziehe.

Ihr Torjäger Hamdi Dahmani wird angeblich vom tunesischen Club Africain Tunis umworben. Was raten Sie ihm?

Ich habe eine sehr intensive Kommunikation mit Hamdi. Auf den Verein ist noch keiner zugekommen. Nach den nächsten beiden Spielen haben wir erst mal Pokalpause. In der Phase muss mal irgendetwas kommen – mehr als nur Zeitungsinterviews. Wir sind bei diesem Thema nicht in der aktiven Position.

Wenn er jetzt wechselt, kann man wieder mal die Frage stellen, was denn Verträge im Fußball noch wert sind.

Wenn man das von der moralischen Seite sehen will, kann man diese Frage stellen. Aber: Mein Geschäftsführer Michael Schwetje macht immer darauf aufmerksam, dass er diesen Verein auch unternehmerisch sieht. Das alles ist abzuwägen.

Bei einem Wechsel würde Dahmani ja bestimmt eine größere Summe in die Kasse der Fortuna spülen, oder?

Das kann ich noch nicht beurteilen. In dieser Hinsicht ist bisher niemand auf uns zugekommen.

Lassen Sie uns noch über Ihren Neuzugang Daniel Keita-Ruel sprechen. Er saß mehrere Jahre wegen schwerer Raubüberfälle im Gefängnis – und hat jetzt noch eine Bewährungszeit bis 2019. Wie haben Sie diese Themen bei der Verpflichtung abgewogen?

Nach den Beobachtungen war sportlich alles sehr schnell klar. Mit Silvio Pagano und Sebastian Zinke haben zwei sehr enge Freunde von Daniel lange bei uns gespielt. Beide haben sich für Daniel starkgemacht: Ein Typ, der heiß ist für seine zweite Chance. Genau diesen Eindruck hatten wir auch im persönlichen Gespräch. Für uns ist die Vergangenheit kein Thema mehr. Er ist ein toller Mensch, der sich dazu bekennt, Scheiße gebaut zu haben.


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