Saison 2017/18 – Die Vereine der 3. Liga Beim VfR Aalen machen sich die knappen Finanzen bemerkbar

Von Alexander Haag

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Aalen. Am 21. Juli ist Anstoß für die Saison 2017/18 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Klubs der 3. Liga vor. Heute: Der VfR Aalen.

Geschichte & Tradition

Der 1921 gegründete VfR Aalen feierte seine größten Erfolge im vergangenen Jahrzehnt. Nach dem Regionalliga-Aufstieg 1999 schaffte der Verein im Jahr 2012 unter dem damaligen Trainer Ralph Hasenhüttl erstmals den Sprung in die 2. Bundesliga. Drei Jahre hielten sich die Ostälbler im Fußball-Unterhaus, ehe es wieder zurück in die Drittklassigkeit ging. Das große Ziel: Zum 100-jährigen Bestehen 2021 soll der Club wieder zweitklassig sein.

Stadion & Stimmung

Pünktlich zum Saisonstart hat das Stadion in Aalen einen neuen Namen erhalten: Ostalb-Arena. Damit verschwindet der Name Scholz-Arena nach über einem Jahrzehnt von der Bildfläche, nachdem Mäzen Berndt-Ulrich Scholz 2016 ausgestiegen ist und auch sein Amt als Präsident nach 13 Jahren niedergelegt hat. Hinter dem Begriff „Ostalb-Arena“ stehen über zehn regionale Firmen, die dem VfR gut 300000 Euro jährlich für das Namensrecht bringen und zudem die Region deutschlandweit bekannt machen wollen. 14500 Zuschauer haben im Stadion Platz, wobei in der vergangenen Saison fast 1000 Besucher im Schnitt weniger gekommen sind als in der Saison 2015/2016 – nämlich nur noch gut 3700 pro Spiel.

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Trainer & Team

Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga im Jahr 2015 und dem Weggang von Trainer Stefan Ruthenbeck kam es beim VfR zu einem kompletten Neuanfang mit Peter Vollmann (59). Der erfahrene Drittliga-Trainer schaffte es auf Anhieb, mit bescheidenen Mitteln eine konkurrenzfähige Mannschaft zu formen, und führte die souverän zum Klassenerhalt. Auch vor einem Jahr musste Vollmann mit wenig Geld wieder ein neues Team formen, das sich völlig überraschend in der Spitzengruppe etablierte und trotz eines Neunpunkteabzugs wegen der Insolvenz sicher den Klassenerhalt schaffte. Vollmann, dem Athletiktrainer Jan Kilian und Torwarttrainer Timo Reus assistieren, sitzt entsprechend fest im Sattel. Was ihm nach eigenen Angaben fehlt: „Ein echter Fußball-Co-Trainer“.

Führung & Management

Nach dem Abtritt von Präsident und Mäzen Berndt-Ulrich Scholz nach 13-jähriger Amtszeit wird der VfR Aalen seit dem 1. Juli 2016 von einem Quartett angeführt: Roland Vogt (Präsidiumssprecher), Hermann Olschewski, Walter Höffner und Rudi Feil teilen sich das Amt des Präsidenten, nachdem ein einzelner Nachfolger nicht gefunden werden konnte. Weil der Verein im Februar 2017 vor der Zahlungsunfähigkeit stand, gingen die Ostälbler in die geplante Insolvenz. Diese ist inzwischen abgeschlossen, die Aalener gehen erstmals schuldenfrei in eine Saison.

Finanzen & Etatplan

Nach gerade abgeschossener Insolvenz hat der VfR Aalen wieder einen engen Finanzspielraum. Gut 5 Millionen Euro beträgt der Etat für die kommende Saison, der Spieler-Etat liegt bei 2,7 Millionen Euro. Damit steht schon fest, dass sich der Verein weder jetzt noch im Winter weitere Verstärkungen leisten kann. Auch an der Kadergröße machen sich die knappen Finanzen bemerkbar. Lediglich 18 Feldspieler stehen Trainer Vollmann zur Verfügung, zwei davon kommen aus der eigenen Jugend.

Kommen & Gehen

So groß, wie der Umbruch auf den ersten Blick wirkt, ist er nicht. Von den elf Spielern, die den VfR Aalen verlassen haben, war nur einer Stammspieler: Linksverteidiger Fabian Menig (zu Preußen Münster). Dagegen hat der Verein bei den Neuzugängen bewusst auf Qualität statt Quantität gesetzt. Fünf der sieben Neuen bringen Drittligaerfahrung mit. Patrick Schorr (Mainz II) soll Menig ersetzen, und mit Torben Rehfeldt (Werder Bremen II) hat der VfR jetzt einen dritten leistungsstarken Innenverteidiger, der zudem rechts hinten eine weitere Alternative ist. Außerdem sollen Marcel Bär (FSV Zwickau), Luca Schnellbacher (SV Wehen Wiesbaden), Cagatay Kader (FSV Frankfurt) und auch der bisherige Regionalligaspieler Mattia Trianni (Viktoria Berlin) für mehr Konkurrenzkampf in der zuletzt dünn besetzten Offensive sorgen.

Stars & Talente

Torwart Daniel Bernhardt, die Abwehrspieler Robert Müller und Thomas Geyer, Mittelfeldspieler Maximilian Welzmüller und Torjäger Matthias Morys sind die zentralen Figuren des Aalener Spiels. Dazu kommen eine Vielzahl an jungen, entwicklungsfähigen Spielern. Allen voran Rico Preißinger, der vor einem Jahr aus der Regionalliga kam und sich auf Anhieb zu einem Führungsspieler entwickelt hat. Ähnliches erhoffen sich die VfR-Verantwortlichen von den Jungen Neuzugängen Cagatay Kader und Luca Schnellbacher. Außerdem soll Eigengewächs Sebastian Vasiliadis in dieser Saison den endgültigen Durchbruch schaffen.

Auf & Ab

Nach dem völlig unerwarteten Abstieg im Jahr 2009 und der direkten Rückkehr 2010 in die 3. Liga ging es mit dem VfR Aalen steil bergauf. Nur zwei Jahre später schafften die Ostälbler den Sprung in die Zweitklassigkeit. Nach drei Jahren 2. Bundesliga war aber dieses Kapitel wieder beendet – auch weil mit der Firma Imtech der finanzstärkste Sponsor ausstieg. Seitdem baut der VfR mit bescheidenen Mitteln ein Team auf, das 2021 wieder zweitklassig sein soll.

Chancen & Pläne

Auch wenn der VfR Aalen vergangene Saison lange Zeit in der Spitzengruppe mitmischte, lautet das Ziel nach der Insolvenz Klassenerhalt. Die Ostälbler wollen sich in dieser Saison konsolidieren und so die Basis für erfolgreiche Zeiten schaffen. Insgeheim hoffen die Macher aber, nichts mit den Abstiegsrängen zu tun zu haben.


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