0:3 gegen Werder schürt keine Euphorie VfL Osnabrück: schwere Suche nach schlagkräftiger Elf


Osnabrück. Eine durch Verletzungen und schwache Resultate geprägte Vorbereitung, ein schweres Auftaktprogramm in der 3. Liga vor der Brust: Die 0:3-Niederlage im letzten Test gegen Bundesligist Werder Bremen lieferte viele Hinweise auf die Startelf des VfL Osnabrück in Karlsruhe – aber eher weniger Zuversicht darauf, dass dort eine Überraschung gelingt.

Dabei dürfte am Freitag im Wildparkstadion (20.30 Uhr/live und kostenfrei im Telekom-Stream) vor allem die Innenverteidigung gesetzt sein. Für Marcel Appiah und Konstantin Engel sprechen Zweikampfstärke, Erfahrung, Spielübersicht – und die Tatsache, dass Alternativen auf anderen Positionen gebunden sind oder wie Marcel Ruschmeier noch einen Reifeprozess durchlaufen. Hinter ihnen hat sich Torhüter Marius Gersbeck wieder stark zurückgemeldet – mit feinen Reflexen, guter Spielübersicht und klaren verbalen Ansagen an seine Abwehr.

Als Rechtsverteidiger absolvierte Nazim Sangaré gegen Werder seinen zweiten 90-Minuten-Einsatz. „Ich fühle mich immer besser. Gegen Karlsruhe werde ich topfit sein“, sagte er. Als mögliche Alternative kann Kim Falkenberg (Oberschenkelprobleme) erst am Dienstag wieder das Training aufnehmen. Dass er beim KSC aufläuft, ist dennoch möglich, weil die Linksverteidiger-Position aktuell als VfL-Baustelle gilt. Furkan Zorba wurde zwar nach dem Test gegen Bremen nicht zu Unrecht von Trainer Joe Enochs als „giftig und zweikampfstark“ gelobt, muss sich aber mit seinen 19 Jahren – etwa in puncto Stellungsspiel – noch an die 3. Liga gewöhnen. Wie Steffen Tigges auf der für ihn ungewohnten Position.

Alexander Dercho (Außenbandriss) verfolgte die Partie indes von der Tribüne aus, neben Ex-Teamkamerad Michael Hohnstedt (nun SF Lotte). Er tue alles dafür, um in Karlsruhe dabei zu sein, gab sich der Stamm-Linksverteidiger zurückhaltend. Physiotherapeut Günter Schröder müsse zaubern, „aber er hat Zauberhände. Ich glaube, dass Alex eine gute Chance hat, am Freitag zu spielen“, sagte Enochs. Sein Fehlen würde in der Tat schmerzen. ( weiterlesen: VfL-Spieler Bickel: Kriegen Qualität noch nicht auf den Platz)

Im zentral-defensiven Mittelfeld hat neben dem unumstrittenen Christian Groß wohl Ahmet Arslan die Nase vorn. Ein für den Gegner unbequemer, aggressiver Kämpfer, dazu ein Mann mit dem Auge für den freien Raum – das passt grundsätzlich zusammen, wenn Arslan ballsicher und defensiv diszipliniert agiert. Als erste Alternativen gelten der erfahrene Bastian Schulz und der junge Kamer Krasniqi.

Auf den Außenbahnen ist der wendige, einsatzfreudige Christian Bickel ein klarer Gewinner der Vorbereitung. „Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Ich wollte ihn gegen Werder noch länger spielen lassen, aber mir ist wichtig, dass er am Freitag frisch ist“, sagte Enochs. „Meine Vorbereitung verlief zuerst schleppend. Dann bin ich immer besser reingekommen, auch wenn ich sicher noch Luft nach oben habe“, sagt der Neuzugang selbst. Jules Reimerink hat derzeit die besten Karten auf den zweiten Startplatz auf dem Flügel: Bashkim Renneke hatte gute Momente in den letzten Wochen, konnte aber gegen Bremen kaum Akzente nach seiner Einwechslung setzen. Marc Heider wird die ersten vier Spiele gesperrt fehlen.

Auch deshalb ist anzunehmen, dass der VfL in Karlsruhe im 4-2-3-1-System starten wird. Gegen Bremen humpelte Sturmspitze Kwasi Okyere Wriedt nach 70 Minuten und einem Schlag auf den Fuß vom Feld. Seine Verletzung sei „nichts Dramatisches“, sagte Enochs über den vorsorglichen Wechsel. Sein Einsatz beim KSC „dürfte kein Problem sein“, so der Trainer. Der Topscorer der Vorsaison ist gesetzt, dahinter wird es auch wegen Halil Savrans Ausfall (Knorpelschaden im Knie) dünn. Robert Kristo zeigte nach langer Verletzungspause Ansätze. Seine sinkende Formkurve im Laufe seines längerfristigen Einsatzes gegen Dortmunds U23 zeigte aber, dass er noch eine Aufbauzeit braucht. Plant Enochs ein 4-4-2, dürfte daher derzeit Steffen Tigges die erste Sturm-Alternative sein.

Im wahrscheinlicheren System mit einem zentral-hängenden Offensivspieler hat sich bis dato Neuzugang Tim Danneberg eher als ballsichere und körperlich gute Anspielstation präsentiert – weniger als Dribbler oder Sprinter in die freien Räume. Nicht nur wegen seiner Rückennummer 13 erinnert seine Spielweise an den späten Michael Ballack. Dahinter setzt Youngster Sebastian Klaas Akzente – ein wendigerer Spielertyp mit gewitztem Stil und dem Auge für die freien Räume, der aber körperlich noch zulegen muss.

Eine Auflistung, die zeigt: Der aktuelle VfL-Kader hat an einigen Ecken Engstellen – an einigen Positionen aber auch Potenzial. Dieses abzurufen wird allerdings seine Zeit brauchen.

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