Saison 2017/18 – Die Vereine der 3. Liga Carl Zeiss Jena hängt stark vom belgischen Investor ab

Von Michael Ulbrich

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Jena. Am 21. Juli ist Anstoß für die Saison 2017/18 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Klubs der 3. Liga vor. Heute: Der FC Carl Zeiss Jena.

Geschichte & Tradition

Als Werksklub der Firma Carl Zeiss wurde der Verein 1903 gegründet, wobei anfänglich nur Mitarbeiter mitspielen durften. Erster Trainer war ein gewisser Hermann Peter – er ist der Verfasser der ersten deutschen Fußballregeln von 1893. Im ersten Paragrafen legte er fest: Der Platz soll frei sein von Bäumen und Steinen. Seit einem Jahr steht für ihn in Jena ein Denkmal. Das haben sich auch andere Altvordere der Thüringer redlich verdient. Dreimal wurden die Jenaer DDR-Meister, viermal FDGB-Pokalsieger. Den größten Triumph verpassten sie 1981 haarscharf, als sie das Finale im Europapokal der Pokalsieger gegen Dynamo Tiflis 1:2 verloren. Übrigens am 13. Mai, dem Gründungstag. Nach der Wende spielte man insgesamt acht Jahre in der Zweiten Liga und machte 2008 mit dem Einzug ins DFB-Pokalhalbfinale Furore, das 0:3 bei Borussia Dortmund verloren ging.

Stadion & Stimmung

Das Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena ist in die Jahre gekommen. Seit über zehn Jahren wird über einen Neubau diskutiert – allein, es tut sich wenig. 2013 mussten Europas höchste Flutlichtmasten wegen angeblicher Einsturzgefahr weichen. Nach dem Aufstieg stehen aber die kommunalen Weichen auf Neubau. Großen Anteil daran haben auch die Fans, die für den Erhalt ihrer Südkurve über 150000 Euro gesammelt haben. Der Verbleib dort ist aus Sicherheitsgründen in Gefahr – die beste Stimmung aber komme in Jena traditionell aus dem Süden.

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Trainer & Team

Zeiss-Coach Mark Zimmermann ist ein Jenaer Urgestein. Er kam 1988 als Schüler zum FC Carl Zeiss, schaffte dort an der Seite von Bernd Schneider den Sprung zu den Profis. Später kickte er sogar erstklassig und verdarb mit der Spvg. Unterhaching im Jahr 2000 Bayer Leverkusen die Meisterschaft. Später kehrte er nach Jena zurück, half beim Durchmarsch in die 2. Bundesliga 2005. Nach dem Ende seiner Karriere wurde er Co-Trainer, später übernahm er die A-Junioren in der Bundesliga. Vor einem Jahr erhielt er die Beförderung zum Cheftrainer – und auf Anhieb gelang die Rückkehr in die 3. Liga.

Führung & Management

Vor vier Jahren stieg der belgische Geschäftsmann Roland Duchâtelet beim FCC ein, kaufte 49,8 Prozent der stimmberechtigten Anteile in der GmbH. Etwa 3,6 Millionen Euro hat er seitdem den Thüringern geliehen, woraus eine starke Abhängigkeit entstand. Sportdirektor Kenny Verhoene ist Belgier, der Geschäftsführer Chris Förster arbeitete bis vor Kurzem für das Duchâtelet-Unternehmen X-Fab als Finanzgeschäftsführer. Aufsichtsrat und Präsidium des Vereins haben kaum noch Einfluss auf die Geschicke der GmbH. Bei den Neuwahlen der Gremien im vergangenen Herbst wurden sämtliche Posten nach großen Streitigkeiten mit dem Investor neu besetzt. Nun arbeite man harmonisch zusammen, heißt es.

Finanzen & Etatplan

Das Geld ist knapp in Jena. Investor Duchâtelet musste 1,6 Millionen Euro als Kredit überweisen, um die Lizenz zu sichern. Die Jenaer werden in der ersten Drittliga-Saison nach fünf Jahren Abstinenz etwa 3,5 Millionen Euro benötigen. Allein 2,7 Millionen fließen in den Personaletat der ersten Mannschaft.

Kommen & Gehen

Der Kader der Jenaer hat sich kaum verändert. Das Karriereende von Abwehrchef René Klingbeil schmerzt. Auch Stürmer Bedi Buval, den es nach Nordhausen zog, ist nur schwer zu ersetzen. Mit Jan Löhmannsröben kam nur ein erfahrener Akteur neu dazu. Möglicherweise kommt es noch zur Verpflichtung von Kevin Pannewitz. Der einstige Wolfsburger trainiert aktuell zur Probe mit.

Stars & Talente

Das Team ist homogen, angeführt vom Jenenser Capitano René Eckardt, der seit seinem achten Lebensjahr für den FCC spielt. Angreifer Timmy Thiele und Torwart Raphael Koczor sind als Typen ebenso wichtig für die Mannschaft, in der immer wieder die Talente aus dem eigenen Nachwuchs eine Chance erhalten. Die Jenaer haben eine traditionell gute Nachwuchsakademie. Allerdings gelingt den wenigsten auch der Sprung in den Männerbereich. Mit Maximilian Wolfram (19) ist dabei bereits einer auf einem sehr guten Weg. Weitere Talente sind im Kader, benötigen aber noch viel Zeit. Mit Kevin Pannewitz könnte dem FCC ein echter Coup gelingen. Einst als eines der größten Talente Deutschlands gehandelt, stürzte er bis in die Brandenburgliga ab, lieferte hauptberuflich Waschmaschinen und Kühlschränke aus. Jetzt ist er zurück – mit 25 Kilo weniger und voller Tatendrang.

Auf & Ab

Fünf Jahre haben die Thüringer gebraucht, um wieder drittklassig zu sein. In jeder Saison spielte man oben mit, schaffte aber nie die Meisterschaft. Zumeist ging zum Saisonende die Luft aus.

Chancen & Pläne

Für den FC Carl Zeiss geht es um nicht mehr als um den Klassenerhalt. Der soll mit mannschaftlicher Geschlossenheit und taktischer Disziplin geschafft werden. Die Chancen dazu stehen gut. Allerdings bedarf es noch zwei echter Verstärkungen.


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