Saison 2017/18 – Die Vereine der 3. Liga Würzburger Kickers nach Abstieg und Umbruch vor dem Neustart

Von Frank Kranewitter

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Würzburg. Am 21. Juli ist Anstoß für die Saison 2017/18 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Klubs der 3. Liga vor. Heute: Der FC Würzburger Kickers.

Geschichte & Tradition

Sogar Lothar Emmerich trug schon das Kickers-Trikot. Der Dortmunder Fußballheld kickte im Herbst seiner Karriere in der Saison 1977/78 in der 2. Bundesliga Süd für die Würzburger. 2003 waren die Rothosen, wie die Kickers in Würzburg auch genannt werden, in die siebtklassige Bezirksliga abstiegen. Der Tiefpunkt der Klubgeschichte. Seither geht es aufwärts. Dem über Jahrzehnte mit Inbrunst ausgetragenen Kampf mit dem Würzburger FV um die Vorherrschaft in der Stadt am Main scheint der Klub nun endgültig entwachsen zu sein. Mittlerweile spielt die zweite Mannschaft der Kickers gegen den Stadtrivalen in der Bayernliga. Die zweite Zweitliga-Saison der Vereinsgeschichte endete im Mai nach einer fulminanten Vorrunde mit einem einmaligen Absturz: Von Platz sechs auf Abstiegsrang 17 purzelten Bernd Hollerbach und seine Schützlinge in der zweiten Saisonhälfte nach unten.

Stadion & Stimmung

Der „Dalle“, wie das aus der Zeit gefallene Kickers-Stadion am Dallenberg im Volksmund genannt wird, ist längst zum Millionengrab und Streitobjekt geworden. Der Klub hat das 1967 erbaute Tribünenviereck in den letzten Jahren mühsam und notdürftig den Erfordernissen des modernen Profifußballs angepasst. Einigen Anwohnern passt das überhaupt nicht. Sie klagen gegen den Ausbau. Die vereinseigene „Flyeralarm-Arena“, so der offizielle Name, ist trotz der 2016 errichteten Stahlrohrtribünen auf der Gegengerade ein Auslaufmodell. Die Stadt Würzburg sucht gerade nach einem möglichen Standort für ein neues Stadion. Finanzieren müssten dieses aber die Kickers alleine.

Die Klubs der 3. Fußball-Liga: Alle bisherigen Teile unserer Serie sowie Aktuelles aus der 3. Liga gibt es in unserem Online-Portal.

Trainer & Team

Die Würzburger Kickers ohne Bernd Hollerbach – was noch vor wenigen Monaten schlicht undenkbar schien, ist nun Realität. Der Klub hätte trotz Abstieg mit dem Coach weitergemacht, doch Hollerbach zog selbst den Schlussstrich. Womöglich fehlte ihm auch die Lust auf einen kompletten Neuanfang. Den bewerkstelligt jetzt Stephan Schmidt. Für den in den Nachwuchsleistungszentren von Schalke und Wolfsburg erfolgreichen Talentförderer ist das Engagement in Würzburg die Chance, sich im Profibereich zu etablieren. Ein Unterfangen, das ihm bei seinen Zweitliga-Stationen in Cottbus und Paderborn noch nicht gelungen war.

Führung & Management

Der einstige Erstliga-Handballer Daniel Sauer ist nicht mehr nur Vorstandsvorsitzender der AG, in die der Profi-Betrieb seit 2014 ausgegliedert ist, sondern seit Hollerbachs Rücktritt auch Sportdirektor und seit neustem auch noch Präsident des Stammvereins. Im Hintergrund laufen die Fäden freilich noch immer bei Thorsten Fischer zusammen. Der Gründer und Besitzer der Online-Druckerei Flyeralarm ist nach wie vor der wichtigste Geldgeber und Antreiber des Würzburger Profifußball-Projekts. Die Herausforderungen sind groß: Der Klub hat jüngst ein neues Nachwuchsleistungszentrum geschaffen, plant ein Trainingsgelände für die Profis und muss sich ständig mit der Stadionfrage auseinandersetzen.

Finanzen & Etatplan

Über Geld spricht man nicht. Die Etatzahlen sind ein gut gehütetes Geheimnis. Allerdings dürfte der Spieleretat im oberen Drittliga-Drittel angesiedelt sein. Das liegt nicht nur an Flyeralarm-Finanzspritzen, sondern auch daran, dass der Verein relativ schlanke Strukturen besitzt und finanziell gesund ist.

Kommen & Gehen

Mit dem Zweitliga-Team der Vorsaison hat die neue Kickers-Mannschaft nichts mehr zu tun. Es ist eine echte Herausforderung, sich bis zum Saisonstart all die neuen Namen bei den Kickers einzuprägen. 16 Spieler gingen nach dem Abstieg, darunter der einstige Osnabrücker Daniel Nagy (nach Budapest). 16 Neue kamen, 14 davon haben immerhin schon Drittliga-Erfahrung. Die meisten, wie der Ex-Osnabrücker Anthony Syhre, Jannis Nikolaou (Erfurt) und Patrick Göbel (Zwickau) waren bei ihren Klubs Leistungsträger.

Stars & Talente

Torwart Wolfgang Hesl, Verteidiger Sebastian Schuppan und Stürmer Elia Soriano verfügen über Bundesliga- und Zweitligaerfahrung. Der verletzte Florian Kohls, 22, wartet noch auf den Durchbruch im Profifußball. Enis Bytyqi ist mit seinen 20 Jahren einer der Jüngsten im Team, hat aber schon 42 Drittligaspiele absolviert.

Auf & Ab

Eines hat Bernd Hollerbach als Kickers-Trainer in den vergangenen Jahren nie geschafft: den Kassenerhalt. 2014 hatte er sein Traineramt beim damaligen Regionalligisten mit dem Ziel angetreten den Klub binnen drei Jahren in die 3. Liga zu führen. Nur war wohl eher daran gedacht, 2017 dorthin auf- und nicht abzusteigen. Bei aller Enttäuschung über die sieglose Zweitliga-Rückrunde sollte man nicht vergessen: 2011/12 spielten die Kickers noch in der sechstklassigen Landesliga.

Chancen & Pläne

Das Ziel direkter Wiederaufstieg nimmt in Würzburg niemand in den Mund. Unter Druck wollen sich die Kickers nicht setzen lassen. Über kurz oder lang, daran lässt man aber keinen Zweifel, will man wieder zurück in die 2. Bundesliga. Nur dort dürfte sich auch ein ambitioniertes Stadionprojekt sinnvoll finanzieren lassen.


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