Saison 2017/18 – Die Vereine der 3. Liga Fortuna Kölns Trainer Koschinat wagt den Umbruch

Von Christian Krämer

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Köln. Am 21. Juli ist Anstoß für die Saison 2017/18 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Klubs der 3. Liga vor. Heute: Der SC Fortuna Köln.

Geschichte & Tradition

Bundesweit bekannt wurde der SC Fortuna Köln als ewiger Zweitligist. 26 Jahre lang – von der Ligagründung 1974 bis 2000 – war der Klub aus der Kölner Südstadt ununterbrochen zweitklassig, ehe der finanzielle und sportliche Absturz begann. Der Tiefpunkt wurde 2005 erreicht, als die Fortuna in der Oberliga den Spielbetrieb einstellen musste. Nach zwei Aufstiegen am Grünen Tisch und einem sportlichen kehrten die Kölner 2014 ins Profigeschäft zurück.

Stadion & Stimmung

Seit 1979 spielt die Fortuna im Südstadion. Den Namen „altehrwürdig“ verdient es nicht: Die baufällige Spielstätte ist bei Verein und Fans gleichermaßen unbeliebt. Eine Tartanbahn trennt die Tribünen vom Spielfeld, überdacht ist lediglich die Haupttribüne. Da es die Fortuna in der Vergangenheit zudem versäumte, sich klar vom großen Platzhirsch der Stadt abzugrenzen – wie St. Pauli vom HSV oder Union Berlin von Hertha BSC – hält sich das Zuschauerinteresse in Grenzen. In der abgelaufenen Saison lag der Schnitt bei knapp 1800, doch selbst zu Fortunas Zweitligazeiten war das Südstadion fast nie ausverkauft.

Weiterlesen: Alle bisherigen Teile unserer Serie und Aktuelles aus der 3. Liga gibt es in unserem Onlineportal

Trainer & Team

Uwe Koschinat führt seit 2011 die Geschicke der Fortuna. Er ist nicht nur Trainer, sondern auch Kaderplaner und Sportdirektor in Personalunion. Mit Erfolg: Der ehemalige Abwehrrecke des VfL Wolfsburg und der TuS Koblenz hat dank seiner direkten Art Kultstatus bei den Fans. Im deutschen Profifußball können in Torsten Lieberknecht (Braunschweig) und Frank Schmidt (Heidenheim) nur zwei Trainer noch längere Amtszeiten als Koschinat vorweisen.

Führung & Management

Der schwerreiche Medienunternehmer Michael W. Schwetje kam 2008 im Zuge des Demokratie-Projekts „deinfussballclub.de“ als Investor zur Fortuna. Der Versuch, Fans gegen Bezahlung an Klub-Entscheidungen teilnehmen zu lassen, scheiterte und wurde 2012 eingestellt. Schwetje konnte jedoch für den Verein begeistert werden, blieb als Investor erhalten und ist seit Juli 2013 zudem Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH. Unternehmer Hanns-Jörg Westendorf ist seit 2015 Präsident des Klubs.

Finanzen & Etatplan

Alle Themen, die irgendwie mit Geld zu tun haben, werden auf Schwetjes Anordnung hin wie Staatsgeheimnisse gehütet. Bekannt ist nur, dass sich der Gesamtetat im Vergleich zur Vorsaison nicht verändert hat. Ohne Schwetjes Geld wäre die Fortuna nicht überlebensfähig, weshalb der Klassenerhalt auch Grundlage aller Zukunftsüberlegungen ist: Bei einem Abstieg würde der Investor sein Engagement einstellen.

Kommen & Gehen

Trainer Koschinat hat im Sommer den größten Umbruch der jüngeren Vergangenheit durchgeführt. Elf Spieler haben die Fortuna verlassen, darunter Kapitän Daniel Flottmann (Rödinghausen) und das brasilianische Talent Cauly Oliveira Souza (Duisburg). Diese Lücke soll von Manuel Farrona Pulido (Magdeburg) geschlossen werden. Die acht anderen Zugänge haben allesamt maximal Regionalliga-Erfahrung – laut Koschinat aber den Willen und das Talent für höhere Aufgaben. Große Stücke hält der Trainer auf Nico Brandenburger (Mönchengladbach II), Moritz Fritz (Dortmund II) und Daniel Keita-Ruel (Wattenscheid).

Stars & Talente

Nach harten Verhandlungen konnte die Fortuna den Vertrag mit Torjäger Hamdi Dahmani verlängern. Als Lohn gab es für den Offensivmann das Kapitänsamt. Große Hoffnungen liegen zudem auf Spielmacher Maik Kegel, der nach einem Kreuzbandriss wieder fit ist. Für die Offensive wurde Pulido von Koschinat als „Unterschiedsspieler“ ausgerufen. Der 25-jährige Abwehrchef Boné Uaferro könnte mit seinen Anlagen noch nach Höherem als Drittligafußball streben.

Auf & Ab

Die Fortuna geht in die vierte Drittliga-Saison. In den vergangenen drei Spielzeiten wurde der Klassenerhalt jeweils erst am drittletzten Spieltag perfekt gemacht. Extrem konstante Phasen wechselten sich regelmäßig mit unerklärlichen Einbrüchen ab. Langweilig wurde es selten, das Team war immer wieder für Überraschungen gut – im positiven wie im negativen Sinne. In der abgelaufenen Saison überwog allerdings Letzteres: Die Fortuna kassierte die meisten Gegentreffer der Liga und schoss im Jahr 2017 die wenigsten Tore.

Chancen & Pläne

Grundlage für Fußball auf professioneller Basis in der Kölner Südstadt ist der Klassenerhalt – das Minimalziel. Trainer Koschinat hat darüber hinaus die 50-Punkte-Marke ins Auge gefasst. Gewünscht ist zudem eine Saison mit weniger Ausschlägen nach unten, wobei einige Stammkräfte des neuformierten Teams ihre Ligatauglichkeit noch beweisen müssen. Als klassenhöchster Klub des Verbands Mittelrhein steht zudem wieder die Qualifikation für den DFB-Pokal oben auf der Liste. Die gelang zuletzt 2013.


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