Ein Schatz in Lila-Weiß Mehr als 200 Shirts: Zwei Schweger sammeln Trikots des VfL Osnabrück

Von Johannes Zenker

Stolz auf ihre Sammlung: Christian Pabst (rechts) und Alexander Brandmann präsentieren einige ihrer Trikots. Foto: Helmut KemmeStolz auf ihre Sammlung: Christian Pabst (rechts) und Alexander Brandmann präsentieren einige ihrer Trikots. Foto: Helmut Kemme

Glandorf. Eine Bestellung aus Serbien und eine Übergabe an der Tankstelle nachts um 5.30 Uhr – die Sammler Christian Pabst und Alexander Brandmann aus Schwege geben alles, um ihre Sammlung von Trikots des Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück zu vervollständigen.


Mehr als 200 Trikots aus den vergangenen 50 Jahren besitzen Brandmann und Pabst mittlerweile. Zwar sammelt streng genommen jeder für sich, sie präsentieren ihre Schätze auf der Webseite www.brueckenstoff.de aber gemeinsam. Gerade haben die beiden ein ganz besonderes Exemplar ergattert: Aus einem Nachlass stammt ein VfL-Trikot der Saison 1968/69. „Es ist extrem schwer, Trikots von vor 1980 zu bekommen“, freut sich Pabst über das seltene Stück und ergänzt: „Das ist unser ältestes Trikot, das ist jetzt unser Heiliger Gral.“
Wie bei einer Neuverpflichtung: Christian Pabst (rechts) und Alexander Brandmann präsentieren ihr neues Trikot. Fotos: Helmut Kemme
Untergebracht sind Pabsts Trikots im Zimmer des fünfjährigen Sohnes Lennart. „Hier steht nun mal der größte Schrank“, sagt der 35-Jährige mit einem Schmunzeln. Wie viel Geld sie für das Hemd auf den Tisch gelegt haben, wollen sie nicht verraten. „Das würden unsere Frauen dann ja auch lesen“, scherzt Pabst. Er verrät jedoch, dass einige Shirts der Sammlung inzwischen mehrere Hundert Euro wert sind.
Oben die Trikots, unten die Spielsachen des kleinen Lennart (gerade auch von Trikots bedeckt).
Auch wenn ihre Leidenschaft kostspielig sei, handle es sich zumindest theoretisch um eine gute Wertanlage. „Als wir 2008 angefangen haben, waren viele Trikots für etwa 40 Euro zu haben“, berichtet Brandmann. Die Preise seien in den vergangenen Jahren aber stark gestiegen. „Immer mehr Menschen sammeln, Retro ist in“, sagt der gelernte Buchbinder. Ein Trikot, das damals 40 Euro gekostet habe, könne nun 200 Euro wert sein, schätzt der 32-Jährige.
Daran, ihre Sammlung zu verkaufen, denken die beiden aber gar nicht. Sie sammeln aus jedem Jahrgang das Heim-, Auswärts- und Ausweichtrikot, jeweils in der Kurz- und Langarmversion. Jeden Monat verzeichnen sie im Schnitt vier Neuzugänge. Vom Jahr 2000 an aufwärts hätten sie bereits fast alle beisammen. „Uns fehlt aber zum Beispiel aus der Saison 2000/2001 das blau-schwarz-gestreifte Trikot, das die Mannschaft im Saisonfinale in Duisburg getragen hat“, meint Pabst. Worüber sie sich auch freuen würden, wären Trikots aus den Siebzigern. „Gerne aus der Zeit, als der VfL im DFB-Pokal in München gewonnen hat – mit dem Sponsor FGO Markt vorne drauf“, sagt er.
Jubel beim VfL Osnabrück mit Torwart Rolf Meyer (rechts) nach der Pokalsensation gegen den FC Bayern; im DFB Pokal 1978/1979. Dieses Trikot versuchen Pabst und Brandmann noch zu ergattern. Foto: Imago/Sven Simon
Dass sie überhaupt mit dem Sammeln begonnen haben, liege an der Faszination des Alten. „So ein altes Stück Stoff in den Händen zu halten, ist etwas Besonderes“, sagt Brandmann. Und Pabst fügt hinzu: „Es ist spannend, Trikots zu sehen, die älter sind als wir. Und dann fängt man an zu recherchieren, stößt auf alte Fotos und denkt sich: Dieses Trikot zu haben, wäre auch noch schön.“ Um an weitere Shirts heranzukommen, tauschen sich die Nachbarn auf Facebook mit anderen Sammlern aus und durchforsten täglich auf Ebay und den Ebay Kleinanzeigen die neuesten Angebote.
Eingetaucht in Lila-Weiß: Pabst (rechts) und Brandmann inmitten ihrer Trikots.
Am besten gefallen Pabst und Brandmann Trikots aus den Achtzigern: Pabsts Liebling stammt zum Beispiel aus der Saison 1981/82 – mit der klassischen Raute als Wappen und der Rückennummer auch auf dem Ärmel. „Zudem ist in den Stoff noch zigmal das Piepenbrock-Logo eingearbeitet“, sagt der Sammler. Am wenigsten würden ihnen die Trikots aus der Zeit des Sponsors pgam Anfang der 2000er gefallen.
Ein Sponsorentraum in Lila: Pabsts Lieblingstrikot trägt die Rückennummer auch auf dem Ärmel. Zudem hat sich das Logo der Firma Piepenbrock mehrfach ins Muster gemogelt. Clever, clever.
Zu manchen Exemplaren, die im Laufe der Jahre dazugekommen sind, gibt es kuriose Geschichten: Ein seltenes gelbes Trikot, das der VfL zwischen 1990 und 1992 als Ausweichtrikot nutzte, hat Pabst von einem Sammler aus Serbien erhalten, den er über Facebook kennengelernt hat. Wie es dort hingekommen ist, wisse er jedoch nicht. „Ich kenne keinen, der das sonst hat“, sagt Brandmann stolz. 
Dieses Trikot besaß zwischenzeitlich ein Sammler aus Serbien.
Für ein anderes Trikot musste Pabst einmal ziemlich früh aufstehen. „Da habe ich mich mit einem Fernfahrer um 5.30 Uhr in Borgholzhausen an einer Tankstelle getroffen, weil die auf seiner Route lag“, erinnert sich der 35-Jährige.Seit diesem Jahr hängen bei ihm im Flur außerdem drei Rahmen, in denen sich Trikots befinden. „Die tausche ich alle paar Wochen aus“, sagt Pabst.
Dank eines Rahmens werden aus Trikots wahre Kunstwerke.
So liegen etwa für die Weihnachtszeit schon die Trikot-Sonderauflagen mit Weihnachtsbaumlogo oder Weihnachtsbier-Sponsorenaufdruck parat.
VfL-Trikot mit Weihnachtsbaumlogo.
Darüber hinaus weisen auch andere Trikots interessante Details auf: So wurden in der Saison 2009/2010 als kleine Motivationsspritze immer so viele Bälle auf das Trikot genäht, wie der Spieler Tore erzielt hatte. Ein roter Ball steht für fünf Treffer.
Björn Lindemanns Torausbeute konnte sich sehen lassen.
Pabst und Brandmann schielen als langjährige VfL-Fans und Dauerkarteninhaber nicht nur auf alte Exemplare: Wenn der VfL am Sonntag bei der Saisoneröffnung an der Bremer Brücke das neue Trikot für die kommende Spielzeit vorstellt, werden auch sie genau hinsehen. „Mal wieder ein Trikot mit dem alten Wappen wäre ein Traum“, hofft Brandmann. Auch sie werden übrigens mit einem Stand vor Ort sein und einen Teil ihres Schatzes präsentieren. Außerdem freuen sie sich dort – genauso wie jederzeit auf ihrer Webseite www.brueckenstoff.de oder auf Facebook – über Angebote von Menschen, die Trikots des VfL abgeben wollen.