Saison 2017/18 – Die Vereine der 3. Liga FSV Zwickau: „Keine Schande, arm dran zu sein“

Von Thomas Prenzel

Meine Nachrichten

Um das Thema VfL Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Zwickau. Am 21. Juli ist Anstoß für die Saison 2017/18 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Klubs der 3. Liga vor. Heute: der FSV Zwickau.

Geschichte & Tradition

Der FSV ist Nachfolger der in der DDR legendären Betriebssportgemeinschaft (BSG) Sachsenring Zwickau. Der dreimalige DDR-Pokalsieger erreichte 1975/76 das Halbfinale im Europapokal der Pokalsieger. Nach der Wende verpasste der FSV (seit 1. Januar 1990) den Sprung in die 2. Liga, der 1995 unter Trainer Gerd Schädlich gelang. Nach der Entlassung des Erfolgscoaches (beste Platzierung 1995/96 als Fünfter) Ende 1996 ging es bergab. Zwei Insolvenzen (1999/2010) forcierten den Absturz ins Amateurlager. 2016 gelang der Aufstieg in die 3. Liga.

Stadion & Stimmung

Das Aufstiegsspiel 2016 gegen Elversberg mussten die heimstarken Zwickauer noch in Plauen absolvieren. Ab dem zweiten Heimspiel war das neue Stadion auf dem Berg im Zwickauer Stadtteil Eckersbach bezugsfertig, das rund 18 Millionen Euro kostete, 10134 Zuschauer fasst und noch keinen Namenssponsor hat. Mit im Schnitt 5311 Besuchern wurde die neue Arena von den Fans gut angenommen.

Trainer & Team

Trainer Torsten Ziegner (39) ist seit Juli 2012 im Amt und hat im sportlichen Bereich uneingeschränkt das Sagen. Der 39-Jährige war selbst Spieler in Zwickau, schaffte es als Profi bis in die 2. Liga. In der Vorsaison absolvierte der Coach den Fußballlehrerlehrgang und führte den FSV mit einer starken Aufholjagd in der Rückrunde zum Klassenerhalt. Ziegners Vertrag läuft 2018 aus.

Führung & Management

Die sportliche Leitung im Vorstand obliegt David Wagner, der es als Profi beim Chemnitzer FC auf vier Zweitligaeinsätze brachte. Er trifft mit Ziegner im Einklang alle wichtigen Entscheidungen, die das Personal der ersten Mannschaft betreffen. Der frühere Nationalkeeper Jürgen Croy bekleidet nach lange zurückliegenden Querelen kein Amt im Verein. Vorstandssprecher und wichtigster Mann in diesem Gremium ist Anwalt Tobias Leege, der im Februar zum 30. Juni wegen Querelen mit dem Aufsichtsrat zurückgetreten war, sich aber inzwischen zum Rücktritt vom Rücktritt entschieden hat. Er schloss zuletzt die Etatlücke von 411000 Euro und sorgte dafür, dass der FSV die Lizenz für die neue Saison erhalten hat.

Finanzen & Etatplan

Der FSV veranschlagt für die neue Drittligasaison einen Gesamtetat von 5,3 Millionen Euro und plant mit 3,3 Millionen Euro Personal- und Spielbetriebskosten für die erste Mannschaft. 400000 Euro sind im Budget für das neue Nachwuchsleistungszentrum vorgesehen. Weil den Verein noch Defizite aus den letzten zwei Spielzeiten in der Regionalliga belasten, plant der FSV die nächste Saison mit deutlichem Überschuss durch einen reduzierten Kader (20 Feldspieler) und Einsparungen in der Verwaltung.

Kommen & Gehen

Der Trainer hat den Umbruch eingeleitet. Vor allem die Abgänge des besten Tore-Vorbereiters Patrick Göbel (Würzburger Kickers) und von Stürmer Jonas Nietfeld (Jahn Regensburg) schmerzen. Auch Innenverteidiger Jonas Acquistapace, der im Winter ohne Spielpraxis verpflichtet wurde und seinen Beitrag zum Klassenerhalt leistete, geht – zu SF Lotte. Für ihn wurde Ali Odabas vom SSV Jahn Regensburg ausgeliehen. Christian Mauersberger (FC Schalke II), Anthony Barylla und Fridolin Wagner (beide RB Leipzig II) sowie Fabian Eisele (Hertha BSC II) und Julian Hodek (eigener Nachwuchs) sind nicht älter als 22 Jahre. Ronny Garbuschewski (31) bringt dagegen reichlich Erfahrung mit und soll nach einem Seuchenjahr in Rostock mit doppelter Meniskus-OP eine Führungsrolle in der Mannschaft einnehmen.

Stars & Talente

Torjäger Ronny König (15 Treffer), Kapitän Toni Wachsmuth und Torhüter Johannes Brinkies sollen weiter vorangehen. Außenverteidiger Barylla (19) und Mittelfeldspieler Mauersberger sind interessante Männer. Der gebürtige Sachse schaffte es als Jugendspieler beim Nachbarn Chemnitzer FC bis in die Nachwuchsauswahl des DFB, hatte dort aber meist den Schalker Max Meyer auf seiner Offensivposition vor der Nase.

Auf & Ab

Nach der Hinrunde war der Aufsteiger Vorletzter mit vier Punkten Rückstand zum rettenden Ufer und von einigen schon abgeschrieben. Doch mit den Zugängen Acquistapace und Robert Koch (Mittelfeld) startete die Mannschaft als beste Rückrundenelf neben Holstein Kiel durch und schaffte vorzeitig den Klassenerhalt.

Chancen & Pläne

Das Saisonziel „kann nur Klassenerhalt lauten“, sagt Sportvorstand Wagner. Der Verein hatte und hat alle Mühe, in seinen Strukturen der sportlichen Entwicklung zu folgen und die Anforderungen im Profifußball zu erfüllen. So ist es selbstverständlich, dass es keinen Laktattest zum Trainingsauftakt gab „Den muss man, wenn es was bringen soll, mehrmals im Jahr machen. Dieses Geld haben wir aber nicht“, sagt Trainer Ziegner: „Es ist keine Schande, arm dran zu sein. Wir sind nun mal kein normaler Drittligist.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN