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Aktualisiert: Zuversicht bei Lizenz VfL Osnabrück: Fananleihe soll 1,5 bis 2,5 Millionen Euro bringen

Arbeitet an der Lizenz: Jürgen Wehlend. Foto: imago/osnapixArbeitet an der Lizenz: Jürgen Wehlend. Foto: imago/osnapix

Osnabrück. Zuversicht bezüglich der Erlangung der aktuellen Lizenz äußerte Jürgen Wehlend als Geschäftsführer des VfL Osnabrück 24 Stunden vor der Deadline beim DFB in einem Interview: Die geforderte Liquiditätsreserve sei reduziert worden, mehr Werbeerträge wurden anerkannt – und die Unterlagen würden in diesen Stunden fertiggestellt. Zudem gab Wehlend erstmals einen Ausblick auf den Umfang der im kommenden Jahr geplanten Fananleihe.

„Wir sind recht weit und haben alle Maßnahmen weitgehend erfolgreich umgesetzt. Es fehlt hier und da noch eine Unterschrift, hier und da muss noch eine Urkunde beigebracht werden“, sagte Wehlend in einem am Donnerstagnachmittag veröffentlichten Video-Interview auf dem vereinseigenen Youtube-Kanal. Übergeordnetes Thema war der aktuelle Lizenzierungsprozess: Bis Freitag um 15.30 Uhr muss der VfL Osnabrück alle notwendigen Unterlagen beim DFB in Frankfurt einreichen.

Erleichtert hat dem VfL die Planung, dass sich in den Nachverhandlungen zu den ersten Vorgaben des DFB zwei entscheidende Positionen verändert haben, wie Wehlend erklärte: Zum einen sei die geforderte Liquiditätsreserve nun nicht mehr wie zunächst gefordert 800000 Euro, sondern nur noch 700000 Euro hoch. „Da haben wir erfolgreich nachverhandelt und dies reduzieren können“, sagte Wehlend. Die hohe erste Vorgabe sei auch angesichts der schwierigen Gesamtsituation der 3. Liga zustande gekommen: Wehlend verwies hierbei auf die beiden Insolvenzen in der laufenden Saison (Frankfurt, Aalen) sowie die aktuell schwierige Situation bei Klubs wie dem Chemnitzer FC.

Zudem seien Werbeerträge von 3,5 Millionen Euro bereits vom DFB anerkannt worden – auch hier habe sich gegenüber der ersten Vorgabe des Verbandes, der zunächst nur 3 Millionen Euro anerkannt hat, eine Verbesserung von 500000 Euro ergeben. Im Vergleich zu den Werbeerträgen, die der VfL aktuell pro Saison realisiert (vier Millionen Euro), fehlen aber laut der Angaben immer noch 500000 Euro.

Deshalb will der VfL beim DFB weit mehr Sicherheiten hinterlegen, als die Liquiditätsreserve dem Verein abfordert: „In der letzten Saison hatten wir 1,45 Millionen Euro hinterlegt, diese Saison planen wir mit zwei Millionen Euro“, erklärte Wehlend. Dieses Geld seien nicht nur Barmittel, sondern auch Garantieerklärungen von deutschen Banken, hinter denen Unternehmer und Privatpersonen stehen. Diese Sicherheiten garantieren den Eingang der ausstehenden Werbeerträge und anderer Finanzmittel, die der DFB noch nicht anerkannt hat.

Wehlend erklärte den Mechanismus so: „Die Hauptverkaufszeit eines Fußballklubs für Werberechte ist der Juni und der Juli. Wenn wir hier unter Druck geraten, dass wir Rechte möglichst schnell verkaufen müssen, nur um das Geld schnell beim DFB nachzuweisen, ist das nicht gut: Dann werden wir weniger erlösen.“ Deshalb besorge man sich die Sicherheiten bei Dritten, um hinterher nicht in Zeitdruck zu geraten beim Verkauf der Werberechte, aber umgekehrt einen möglichst optimalen Erlös dafür zu erzielen.

Etwas kryptisch äußerte sich der VfL-Geschäftsführer im Video bezüglich des für die kommende Saison geplanten Zuschauerschnitts und der daraus folgenden Einnahmen, die in die aktuelle Kalkulation einfließen: „Wir hatten zuletzt mit 9000 Fans pro Spiel geplant. Aber wir müssen hier zur Kenntnis nehmen, dass wir die Erträge deutlich absenken müssen. Unsere Realität ist: sechs Jahre in der 3. Liga in Folge. Deshalb entsprechen die Zahlen, die wir hier erlöst haben, leider nicht mehr der Realität.“ Offen blieb dabei zunächst, ob der VfL nun den kalkulierten Zuschauerschnitt gesenkt hat oder einfach nur die kalkulierten Einnahmen aus dem Spielbetrieb geringer ausfallen – und in welcher Größenordnung sich diese Minderung der Erträge bewegt. Auf Nachfrage erklärte Wehlend hierzu, dass man auch in der aktuell eingereichten Planung am Zuschauerschnitt von 9000 festgehalten habe. „Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass wir pro verkauftes Ticket weniger Geld erlösen. Ein ligaweiter Trend, der auch vor uns nicht haltmacht.“ In der Saison 2012/13 habe der VfL beispielsweise noch 12,50 Euro pro verkauftes Ticket erlöst. Aktuell könne man nur noch eine Größenordnung zwischen 10 Euro und 10,50 Euro Erlös pro verkauftem Ticket in der aktuellen Kalkulation beim DFB ansetzen. So ergebe sich aus demselben Zuschauerschnitt wie zuvor (9000) ein geringerer Erlös als in den vergangenen Jahren. In der abgelaufenen Saison haben übrigens im Schnitt 9214 Zuschauer die Heimspiele des VfL besucht.

Zudem gab Wehlend erstmals einen Ausblick auf die für die kommende Saison geplante Fan-Anleihe: Mit Blick auf erfolgreiche Beispiele etwa bei Schalke 04 und dem 1. FC Köln sagte der VfL-Geschäftsführer: „Der VfL plant mit einer Emmission zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro. Diese Größenordnung wird uns beim Lizenzierungsprozess nach der kommenden Saison extrem helfen.“ Auf Nachfrage führte Wehlend weiter aus, dass diese Kalkulation auf Expertenrat zurückgehe und vom Aufsichtsrat genehmigt worden sei. „Wir gehen zunächst von 1,5 Millionen Euro aus, die wir erlösen können. Wenn uns ein guter Saisonstart in einem ruhigen Vereinsumfeld gelingt, ist vielleicht sogar noch mehr möglich“, sagte Wehlend. RW Erfurt habe mit einem vergleichbaren Modell zuletzt etwa 800000 Euro erlöst. Derzeit arbeite der VfL bei diesem Thema an der Billigung des Wertpapierprospektes, sodass man im Idealfall rein theoretisch in der Lage wäre, ab August den Startschuss zu geben. „Wir werden sehen, wie schnell das alles klappt. Ziel ist in jedem Fall das Weihnachtsgeschäft, weil wir sehr gerne Schmuckurkunden dazu anbieten wollen, die sich bestimmt gut unter dem Weihnachtsbaum machen“, sagte Wehlend.

Bis zum 12 Juni erwartet der VfL grünes Licht im aktuellen Lizenzierungsverfahren vom DFB. Schon zuvor reist aber eine VfL-Delegation nach Frankfurt: Am 8. Juni wird dort das DFB-Urteil gegen den VfL nach dem Auswärtsspiel in Regensburg verhandelt. Wegen der massiven Zündung von Pyrotechnik hatte der Verband 10000 Euro Strafe und einen Teilausschluss der Zuschauer bei einem Heimspiel auf Bewährung (die bis Ende des Jahres läuft) verfügt. Beim VfL findet man dieses Urteil angesichts der Vorkommnisse und im Vergleich mit anderen Vorkommnissen zu hart – daher hat man auf eine mündliche Verhandlung bestanden. Am 11 Juni wird Wehlend zudem mit Aufsichtsrats-Chef Olaf Becker der Auslosung der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund beiwohnen. Für die nächsten Wochen bis zum Trainingsauftakt am 19. Juni kündigte Wehlend zudem weitere externe Neuverpflichtungen an. Im Rahmen der Vorbereitung soll es ein Sommertrainingslager geben.



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