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Relegationschance verspielt VfL Osnabrück blutleer, ideenlos und ohne Aufbäumen

Von Stefan Alberti und Susanne Fetter

Bild mit Symbolkraft: Addy Menga nach dem Schlusspfiff. Foto: osnapixBild mit Symbolkraft: Addy Menga nach dem Schlusspfiff. Foto: osnapix

Osnabrück. Am Ende saß der Stachel der Enttäuschung so tief, dass manche Zuschauer gar keine Lust mehr hatten, ihrem Unmut mit wütenden Pfiffen Luft zu machen. 1:2 gegen Fortuna Köln – nach der mit Abstand schwächsten Vorstellung des VfL Osnabrück in der 3. Fußball-Liga. Das Aus im Kampf um Relegationsplatz drei.

„Moment mal“, werden jetzt vielleicht die ganz kühnen Optimisten einwerfen. Klar, es stehen noch zwei Spieltage auf dem Programm, theoretisch ist der dritte Rang noch erreichbar – Magdeburg (1:1 gegen den FSV Frankfurt) und Regensburg (4:1 in Erfurt) liegen mit 57 Punkten vier Zähler vor dem VfL. Doch bleiben wir realistisch: Diese Wende ist wohl ebenso unvorstellbar wie das Szenario, dass der FC Bayern irgendwann einmal in der Bundesliga in Abstiegsgefahr geraten könnte. Realistisch dürfte eher sein, dass der VfL am Ende noch von Preußen Münster (51 Punkte) überflügelt wird.

„Es ist mein Fehler“

Und mit der Leistung gegen Fortuna Köln muss man den VfL eher vor dem Erreichen der Relegation bewahren. Dabei hatte Trainer Joe Enochs noch zwei Tage vor dem Spiel beschwörend auf diese Chance hingewiesen. „Ich habe daran geglaubt“, stellte er am Samstag nach der Niederlage fest, um dann nachzuschieben: „Es ist mein Fehler, dass ich der Mannschaft nicht vermittelt habe, dass sie auch daran glaubt.“ Manche werden jetzt behaupten, dass der Trainer das Team nicht mehr erreiche. Aber was muss ein Trainer bei einer derartigen Tabellenkonstellation drei Spieltage vor Saisonende noch vermitteln? (Weiterlesen: VfL-Stürmer Heider: Verdacht auf Innenbandriss)

Richtigen Druck hätten eher die vor der Partie noch abstiegsbedrohten Gäste verspüren müssen. Doch das Team von Coach Uwe Koschinat zeigte in dieser Situation die Tugenden, die man eigentlich vom VfL erwartete: Leidenschaft, Kampfgeist und den unbedingten Willen zu punkten. Die Lila-Weißen? Der Auftritt wirkte bis auf wenige Minuten in der ersten und zweiten Hälfte blutleer. „Wir waren nicht in der Lage, vorne Bälle zu halten. Nicht ein Spieler außer Marius Gersbeck hatte Normalform. Ich hätte alle auswechseln können. Ich bin wahnsinnig enttäuscht. Unsere ganze Saison machen wir durch so eine katastrophale Leistung kaputt“, sagte Enochs. Dabei musste der Coach schon frühzeitig reagieren. Nazim Sangaré sah nach einer angeblichen Schwalbe die Gelbe Karte – und stand bei weiteren Aktionen kurz vor dem Platzverweis. Nach 25 Minuten kam deswegen Steffen Tigges ins Spiel. Der Youngster war in der Offensive jedoch ähnlich wirkungslos wie Kwasi Okyere Wriedt und Marc Heider. Die VfL-Profis wirkten wie gelähmt, keine Ideen nach vorne, kein Aufbäumen, die Körpersprache alles andere als optimistisch.

1:2 ein Zufallstreffer

Fortuna machte das Spiel – und kam nach 23 Minuten zur verdienten Führung durch Hamdi Dahmani. Zuvor hatte Cauly Oliveira Souza seinen überforderten Gegenspieler Konstantin Engel abgehängt. Nach dem 0:2 durch Boné Uaffero (60., per Kopf nach einer Ecke) hatte man den Eindruck, dass die VfL-Profis nicht mehr konnten, aber auch gar nicht mehr wollten. Die Domstädter erspielten sich weitere Gelegenheiten – mal räumte Marcel Appiah noch in höchster Not ab, noch öfter verhinderte Gersbeck einen höheren Rückstand. Das 1:2 per Foulelfmeter durch Wriedt in der Nachspielzeit war eher ein Zufallstreffer. (Weiterlesen: die Spieler in der Einzelkritik)

Und nun? Enochs hatte auch am Sonntagnachmittag noch keine Erklärung für „diesen leeren Auftritt“. Es habe sehr ausführliche Gespräche am Sonntagmorgen gegeben. „Für das Spiel in Zwickau muss ich elf Leute finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Ich erwarte vollen Einsatz.“


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