„Elementarer Ausbildungsgewinn“ Ende einer Ära: VfL Osnabrück löst die U21 auf

Von Stefan Alberti

Ein Dokument: Mit diesem Kader ging die U21 des VfL in die Saison 2016/17, die sich nun als die letzte erweist. Foto: osnapixEin Dokument: Mit diesem Kader ging die U21 des VfL in die Saison 2016/17, die sich nun als die letzte erweist. Foto: osnapix

Osnabrück. Der VfL Osnabrück will seinen Fußballnachwuchs stärker fördern – und deswegen ab der Saison 2017/18 auf die Meldung einer U-21-Mannschaft verzichten. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten.

In welcher Klasse spielt die U21 aktuell? In der Oberliga Niedersachsen. Drei Spieltage vor Saisonende belegt das Team von Trainer Marko Tredup den vierten Platz. Schon seit Jahren hat die U21 keine Möglichkeit, in die Regionalliga aufzusteigen, weil die Profis des VfL in der 3. Liga spielen. Ein Aufstieg der „Zweiten“ wäre nur möglich, wenn die Profis in der 2. Bundesliga spielen.

Warum will der VfL auf dieses Team verzichten? Man wolle sich verstärkt auf den Leistungsbereich von der U16 bis zur U19 konzentrieren, wird von den Verantwortlichen als ein Hauptgrund angeführt. „Wir müssen uns noch intensiver um die Talente kümmern“, sagt Alexander Ukrow als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Ziel sei es, möglichst viele Talente aus der U19 direkt an den Profikader heranzuführen. „Mit der Abmeldung der U21 gewinnen wir Kapazitäten, um leistungsgerecht trainieren zu können. Das ist ein elementarer Ausbildungsgewinn.“

Mit der Sinnhaftigkeit einer zweiten Männermannschaft im Hinblick auf die Zielsetzung des eigenen Leistungszentrums beschäftige sich der VfL schon seit längerer Zeit. Vereine wie Bayer Leverkusen und der VfL Bochum hätten bereits ihre U-23-Teams abgemeldet, RB Leipzig ziehe im Sommer nach. Ukrow: „Wir haben uns in der Ausbildung in den letzten Jahren enorm verbessert. Die jüngsten Beispiele sind Steffen Tigges und Sebastian Klaas, die als aktuelle U-19-Nationalspieler mit Profiverträgen ausgestattet wurden.“

Spielen auch finanzielle Gründe eine Rolle? Den wirtschaftlichen Aspekt stellen Ukrow, VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend und Lothar Gans als Leiter Profifußball in den Hintergrund. Es handele sich eher um eine „Umwidmung in den Nachwuchs“. Zahlen will das Trio nicht nennen. Unter den aktuellen Gegebenheiten dürfte davon auszugehen sein, dass die U21 den VfL zwischen 150000 und 200000 Euro jährlich kostet.

Wie soll der Wegfall der U21 sportlich kompensiert werden? Mit einem Perspektivkader, den es ohnehin schon gibt – der nun aber noch mehr Bedeutung durch mehr Spiele für die Profis „in der zweiten Reihe“ und die Talente erhalten soll. Es gebe gute und entsprechende Kontakte zu Twente Enschede, Bayer Leverkusen und anderen Klubs.

Was bedeutet der U-21-Rückzug für die Spieler des aktuellen Teams? Dass sie sich nach einem anderen Verein umsehen müssen. Leistungsträger wie Marcel Ruschmeier, Malik Urner oder Michael Hasemann müssten schon einen Profivertrag erhalten, um beim VfL bleiben zu können. Das sei jedoch ausgeschlossen, so Ukrow und Gans. Nach Angaben von Ukrow können sich jedoch nicht nur diese drei Spieler, sondern auch alle weiteren Akteure auf viele und durchaus lukrative Anfragen von anderen Vereinen aus der Region einstellen.

Was sind die Konsequenzen für die A-Junioren, die im Sommer in den Herrenbereich aufrücken? Die Zwillingsbrüder Steffen und Leon Tigges sowie Sebastian Klaas hat sich der VfL bereits für die Profis gesichert. Weitere sieben Spieler müssten die Lila-Weißen verlassen, „was sicher auch andere Clubs in der Region freuen wird“, meint Ukrow. Und: Wenn es dem VfL gelinge, in jedem Jahr drei A-Jugendliche in den Profibereich zu überführen, seien die Ziele schon mehr als erfüllt.

Bleibt U-21-Coach Tredup dem VfL erhalten? „Ja“, sagt Ukrow. Tredup soll als frischgebackener A-Lizenz-Inhaber eine Aufgabe im Nachwuchsleistungszentrum (derzeit rund 160 Jugendspieler in neun Mannschaften) übernehmen, wahrscheinlich wird der Ex-Profi für die U17 zuständig sein. Die genaue Rollenverteilung im Zusammenspiel mit ihm sowie Daniel Thioune und Lutz Schubbert werde noch festgelegt.

Welche Tradition hat die 2. Mannschaft im VfL? Seit den frühen Fünfzigerjahren gab es eine Amateurmannschaft bei den Lila-Weißen. In den besten Jahren spielte das Team in der höchsten Amateurklasse Niedersachsens, in den Sechzigerjahren spielten „die Amateure“ in der populären Verbandsliga West eine gute Rolle. In der Oberliga, der zweithöchsten Amateurliga, spielt die Mannschaft seit Jahren eine gute Rolle – fast ausschließlich besetzt mit Talenten aus dem eigenen Nachwuchs.


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