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02.05.2017, 21:31 Uhr VFL MELDET DIE U21 AB

Ende einer Tradition als notwendiger Schritt?

Ein Kommentar von Harald Pistorius


Spielte auch öfter in der U21 des VfL: Pascal Richter (vorne). Foto: KemmeSpielte auch öfter in der U21 des VfL: Pascal Richter (vorne). Foto: Kemme

Osnabrück. Der VfL Osnabrück zieht seine U-21-Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurück. Ende einer Fußball-Tradition oder ein notwendiger Schritt? Ein Kommentar.

Es ist das Ende einer Tradition, aber möglicherweise ein notwendiger Schritt. Seit den Fünfziger- jahren waren „die Amateure“ ein Gütesiegel im Leistungsfußball der Region. Hier machten die eigenen Talente den nächsten Schritt, hier suchten die besten Amateurspieler anderer Vereine ihre Chance auf den Sprung.

Auf diese Weise blieb der VfL Teil der Amateurszene. Eine erfolgreiche, repräsentative zweite Mannschaft gehörte zum guten Ton.

Doch das hat sich geändert. Der Trend, auf diese Art von Unterbau zu verzichten, ist angesagt. Es hat sich gezeigt, dass die moderne Talentförderung diesen Zwischenschritt immer weniger braucht. Wer mit 18 oder 19 den Sprung zu den Profis nicht schafft, schafft ihn auch nicht nach zwei, drei Jahren in einer U21 – gleich, auf welcher Ebene.

Nach dieser zugespitzten These handeln etliche Bundesligisten. Der VfL schließt sich an, und es fällt ihm vielleicht leichter, weil die eingesparten Kosten anderswo eingesetzt werden können. Doch das ist offenbar nicht das entscheidende Motiv.

Der VfL hat trotz wirtschaftlicher Not immer am Nachwuchsleistungszentrum festgehalten und die Arbeit in den letzten Jahren professionalisiert. Profierfahrene Trainer mit Top-Lizenzen fördern und fordern Talente, die im Profikader von Joe Enochs mit offenen Armen empfangen werden.

Mit diesem Schritt stellen sich neue Aufgaben: Wie treffsicher gelingt die Auswahl der Talente am Ende der U-19-Zeit? In welchen Spielen kann der Perspektivkader unter Wettkampfstress getestet werden? Wie und gegen wen bekommen Jungprofis, Rekonvaleszenten und Reservisten aus dem Profikader Spielpraxis?

Nicht zu übersehen ist aktuell die menschliche Seite. Für einige Talente, die in den letzten Jahren mit Leidenschaft, Ehrgeiz und einem hohen Maß an Identifikation mit dem VfL für die Chance auf eine Profikarriere gelebt haben, endet dieser Traum abrupt. Auch diese Schattenseite gehört zur Talentförderung im modernen Fußball.


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