Menga rettet einen Punkt VfL wacht viel zu spät auf: Nur 1:1 in Frankfurt


Frankfurt. Beim sportlich und wirtschaftlich vom Absturz gezeichneten FSV Frankfurt erreichte der VfL Osnabrück nur ein 1:1 und verpasste die Chance, im Aufstiegsrennen der 3. Liga Boden gutzumachen. Nach einer über weite Strecken enttäuschenden Leistung rettete der eingewechselte Addy Menga mit seinem ersten Saisontor wenigstens noch einen Punkt.

  • VfL mit 49 Punkten auf Platz sieben
  • Erst nach dem Rückstand aufgewacht
  • Schwung kommt durch drei Joker
  • Menga rettet einen Zähler
  • Ohne Groß am Samstag gegen Aalen
  • Mittwoch geht es um Einzug in den DFB-Pokal

Mit 49 Punkten beibt der VfL fünf Spiele vor Saisonschluss Siebter, punktgleich mit der SG Sonnenhof Großaspach (2:1 gegen Mainz), drei Punkte hinter dem 1. FC Magdeburg (1:1 in Rostock) und Holstein Kiel (1:1 in Erfurt) sowie vier Punkte hinter Jahn Regensburg (3:1 gegen Werder) und dem nächsten Puntspielgegner VfR Aalen (4:0 gegen Paderborn).

Startelf wie bei den drei Siegen in Folge

VfL-Trainer Joe Enochs bot wie erwartet die Startelf auf, die vor den beiden jüngsten Niederlagen gegen Halle (1:2) und in Großaspach (0:1) drei Siege in Folge eingefahren hatte; zuletzt hatten Wriedt (in Großaspach) bzw. Dercho (gegen Halle) gefehlt.

Ex-VfLer Ornatelli zunächst nur Reservist

Beim FSV vollzog Trainer Lettieri einen Torwartwechsel: Anstelle von Pirson, der auf der Bank saß, stand Pellowski zwischen den Pfosten – sein zweiter Saisoneinsatz. Dagegen gehörte der Ex-Osnabrücker Ornatelli nach bislang 23 Einsätzen in der Anfangsformation wie in den letzten Wochen nicht zur Startelf und wurde erst in der Schlussphase eingewechselt. (Hier gibt‘s den Liveticker zum Nachlesen)

Heimspiel-Atmosphäre am Bornheimer Hang

Nach den Ergebnissen vom Samstag mit den Punktverlusten der Konkurrenz aus Magdeburg (1:1 in Rostock) und Kiel (1:1 in Erfurt) war die Ausgangslage eindeutig: Ein Sieg musste her, um die Position im Aufstiegsrennen zu verbessern und einen soliden Grundstein zu legen für den Endspurt der letzten fünf Spiele. Ein Sieg, gegen das sportlich angeschlagene Team eines angeschlagenen Vereins – das musste das Ziel sein. Zumal in einer Stadion-Atmosphäre, die von knapp 500 Lila-Weißen so geprägt wurde, dass man durchaus von einer Art Heimspiel sprechen durfte.

VfL in der ersten Halbzeit viel zu passiv

Auf dem Feld schlug sich das alles in der ersten Halbzeit kaum nieder. Der VfL nahm zwar die Feldüberlegenheit an, die die auf Konter lauernden Frankfurter den Gästen überließ. Doch anstatt mit aller Entschlossenheit zu attackieren, baute der VfL betulich auf und schaffte es nur selten, Tempo in seine Angriffsaktionen zu bringen.

Passivität des VfL beinahe bestraft

Die Passivität wurde beinahe bestraft, denn die besten Chancen hatten die ansonsten ebenfalls harmlosen FSVer: Erst bei einem Kopfball von Schachten über das Tor (7.), und dann bei einem Schuss aus Nahdistanz von Burdenski (27.), den Heider gerade noch abblockte.

Gefahr nur über Linksaußen Dercho

Der VfL wurde eigentlich nur gefährlich, wenn Dercho über die linke Seite Tempo und Druck machte. Nach einem Solo durch den Strafraum bis zur Grundlinie wurde der Linksaußen gerade noch gebremst (17.), seine Flanke eröffnete Groß eine Chance (29.), die Pellowski vereitelte. Zäh zog sich die Partie dahin; wenn es etwas wärmer gewesen wäre, hätten einige Zuschauer durchaus einnicken können. „Not gegen Elend“ war die meistgebrauchte Floskel in der Pause…

Falsch lagen allerdings die Osnabrücker, die in der Pause glaubten, es könnte nicht mehr schlimmer werden. Denn der VfL verzeichnete zwar eine Möglichkeit durch Wriedt (47.), der aus 16 Metern verzog, behielt seinen Trott jedoch bei – und wurde im Spiel nach hinten nachlässiger.

Frankfurter Führungstor – Kader steht völlig frei

Der FSV wurde mutiger, griff beherzt an und belohnt sich: Eine Flanke von Burdenski – ein Sohn des Bremer Rekord-Torhüters – köpfte Kader aus sechs Metern freistehend und unhaltbar für Gersbeck ein (53.). Danach entfaltete sich beim FSV die belebende Wirkung eines Tores: Die Mannschaft des sportlich und wirtschaflich vor dem Zusammenbruch stehenden Vereins attackierte jetzt munter weiter, weil der VfL wackelte.

Enochs wechselt drei Offensivkräfte ein

Nach 68 Minuten reagierte Enochs auf das schwache Offensivspiel und brachte Menga und Renneke für die Flügelspieler Sangaré und Reimerink, die beide enttäuscht hatten; zuvor hatte Arslan Syhre abgelöst. Und plötzlich war Dampf drin: Renneke scheiterte nach klugem Zuspiel von Arslan aus halblinker Position an Pellowski (70.)

Erstes Menga-Tor seit Februar 2016

Jetzt – endlich, endlich – hatte der VfL auf Angriffsmodus geschaltet. Dass sich das auszahlt, wurde schnell deutlich: Arslan und Renneke leiteten mit schnellen Aktionen einen Angriff ein, im Zentrum steckte Heider durch auf Menga – und der traf aus sieben, acht Metern flach ins Tor. Der erste Treffer des Publikumslieblings seit dem 13. Februar 2016, als Menga das 1:0 in Kiel erzielte.

Danach blieb der VfL am Drücker, nahm das Risiko Frankfurter Konter in Kauf und schnupperte bei einigen gefährlichen Strafraumszenen sogar noch am Sieg. Bleibt die Frage, warum die Mannschaft so passiv begann und sich dann lange nicht aus diesem Modus befreien konnte. Ohne den Schwung, den die eingewechselten Arslan, Menga und Renneke brachten, hätte es nicht zum Unentschieden gereicht. Alle drei haben sich für einen Platz in der Startelf empfohlen, vor allem Arslan unterstrich, dass er durchaus das kreative Element beisteuern kann, das dem VfL im Zentrum erkennbar fehlt.

Am Mittwoch Endspiel um DFB-Pokal-Startplatz

Weiter geht es für den VfL am Mittwoch (Anstoß 19 Uhr) im Halbfinale des Niedersachsenpokals. Nach dem Tausch des Heimrechts, der sich für Gegner Arminia Hannover wirtschaftlich lohnt, können die Lila-Weißen mit einem Sieg gegen den Oberligisten – Klassenrivale der VfL-U21 – die Qualifikation für den DFB-Pokalwettbewerb 2017/18 im eigenen Stadion perfekt machen. Dauerkarten sind bei diesem Spiel nicht gültig, der VfL hat die Eintrittspreise gesenkt: Ein Sitzplatz kostet 10 Euro (ermäßigt 7 Euro), ein Stehplatz ist für acht Euro (ermäßigt fünf Euro) zu haben. Geöffnet sind am Mittwoch die Nordtribüne, der Affenfelsen und die Ostkurve.

Gegen Aalen am Samstag ohne gesperrten Groß

In der 3. Liga beginnt am kommenden Samstag (14 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den VfR Aalen der Endspurt mit den fünf letzten Spielen. Gegen den von einem Neun-Punkte-Abzug bedrohten Tabellenzweiten fehlt der gelbgesperrte Groß. Es folgen das Derby in Lotte, das Gastspiel von Fortuna Köln, das letzte Auswärtsspiel in Zwickau und das Saisonfinale gegen den SC Paderborn, der sich am Osterwochenende von seinem Trainer Stefan Emmerling getrennt und durch Steffen Baumgart ersetzt hat.


FSV Frankfurt - VfL Osnabrück 1:1 (0:0)

FSV Frankfurt: 1 Pellowski - , 3 Schorch, 6 Streker, 14 Barry - 5 Schachten, 20 Burdenski (ab 72. 27 Schäfer), 31 Stark, 22 Corbin Ong - 8 Bahn, 9 Kader (ab 85. 7 Ornatelli), 30 Gaudenz. Trainer: Gino Lettieri

Auf der Bank: 21 Pirson, 10 Morabit, 18 Morabet, 19 Fischer, 25 Andacic.

VfL Osnabrück: Gersbeck - Engel, Appiah, Willers, Dercho - Sangaré (ab 68. Renneke), Groß, Syhre ab 56. Arslan), Reimerink (ab 68. Menga) - Wriedt, Heider. Trainer: Joe Enochs

Auf der Bank: Lehmann (Tor), Schulz, Hohnstedt, Falkenberg.

Tore: 1:0 Kader (53., Kopfball, Rechtsflanke Burdenski), 1:1 Menga (75., Flachschuss, Zuspiel Heider).

Gelbe Karten: Schachten, Groß (am Samstag gegen Aalen gesperrt), Appiah.

Schiedsrichter: Storks (Velen/Westfalen)

Zuschauer: 2872, davon etwa 500 Lila-Weiße

34 Kommentare