Das Stadion am Bornheimer Hang VfL Osnabrück beim FSV Frankfurt – am Ende stieg immer einer ab

Von Christoph Berger

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Frankfurt. Am Ostersonntag um 14 Uhr gastiert der VfL Osnabrück beim FSV Frankfurt. Gespielt wird an traditionsreicher Stätte, im „Stadion am Bornheimer Hang“, gelegen im Stadtteil Bornheim, unweit der A661. Ein Blick in die Historie der Duelle der beiden Klubs – mit kuriosen Fakten am Rande.

Fußball und Frankfurt, das ist für nicht wenige vermutlich die Commerzbank-Arena im Süden der Mainmetropole. Bei genauerer Betrachtung ist das Herz des Frankfurter Fußballs allerdings im Frankfurter Osten verortet. In der Nähe der heutigen A661 liegen sowohl die ursprüngliche Heimat von Eintracht Frankfurt als auch die Heimat des Fußballsportvereins Frankfurt von 1899, das „Stadion am Bornheimer Hang“. Ursprünglich waren sogar beide Vereine in direkter Nachbarschaftschaft im Stadtteil Bornheim beheimatet. Das heutige Vereinsgelände der Eintracht, am nur etwa einen Kilometer entfernten „Riederwaldstadion“, in dem die Eintracht bis zur Einführung der Bundesliga 1963 spielte, wurde dem Verein erst nach dem 2. Weltkrieg zugewiesen. Zuvor war der alte „Eintracht-Sportplatz am Riederwald“ zunächst zerstört und das Gelände dann zur Schuttverwertung benötigt worden. Zeitweise trug die Eintracht um den 2.Weltkrieg herum sogar mehrfach ihre Heimspiele im „Stadion am Bornheimer Hang“ aus.

Platzhirsch FSV

Der eigentliche Platzhirsch in Frankfurt-Bornheim war aber, besonders in der Zwischenkriegszeit, der FSV Frankfurt. Kurz, der FSV war in den 1920ern und 1930ern die Nummer 1 in Frankfurt und zog 1925 sogar in das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft ein. Im gerade fertiggestellten Frankfurter Waldstadion unterlagen die schwarz-blauen „Bernemer“ dem 1. FC Nürnberg mit 0:1. Das eigentliche Stadion des FSV, „‘s Plätzi“, reichte zu dieser Zeit schon lange nicht mehr aus, um den Zuschauerandrang bewältigen zu können. Es musste ein Neubau an anderer Stelle her, denn das Waldstadion empfand man nicht als Alternative. Man wollte wohl in Bornheim bleiben. So bezog der FSV Frankfurt 1931 das neue, 15.000 Zuschauer fassende, „Stadion am Bornheimer Hang“. Es lag zu jener Zeit nur 500 Meter vom damaligen Stadion der Frankfurter Eintracht am Ratsweg entfernt und soll eines der schönsten Stadien seiner Zeit gewesen sein. Für die ganz großen Spiele musste der FSV aber weiterhin in das größere Waldstadion ausweichen. Hier gelang den Blau-Schwarzen durch einen 3:2-Sieg über den Wiener-Sport-Club sogar der Einzug ins Großdeutsche-Pokalfinale von 1938. Im Berliner Endspiel unterlag der FSV allerdings Rapid Wien mit 1:3.

Neuaufbau nach dem Krieg

Wie vieles wurde während des 2. Weltkrieges auch das Stadion am Bornheimer Hang nahezu zerstört. Der Wiederaufbau zog sich bis 1953 hin. Trotzdem sollen nach inoffiziellen Angaben 1950 beim Derby gegen die Eintracht bis zu 30.000 Zuschauer das noch sehr provisorische „Stadion am Bornheimer Hang“ bevölkert haben. In der Nachkriegszeit erfolgte in Frankfurt schrittweise die Wachablösung. Die Eintracht wurde Gründungsmitglied der Bundesliga und der FSV Frankfurt wurde erst zweitklassig, dann drittklassig und zwischenzeitlich sogar viertklassig. Die einzigen sportlichen Lichtblicke im „Stadion am Bornheimer Hang“ waren der einjährige Kurzaufenthalt der Herren in der 2. Bundesliga 1994/95 und das 2006 aufgelöste Team der Damen, mit drei Deutschen Meisterschaften und fünf Siegen im DFB-Pokal.

2012 Neubau der Haupttribüne

Das Stadion selbst war über fast 50 Jahre nur wenigen Veränderungen unterworfen. Die geringen Zuschauerzahlen des FSV in der Oberliga Hessen boten auch kaum einen Grund dazu. Zeitweise wuchs auf den Tribünen mehr Grün als in manchem Stadtpark. Erst als es mit dem FSV wieder aufwärts ging, wurde auch am Stadion wieder Hand angelegt. Zwischen 2007 und 2012 wurde das einst weitläufige Leichtathletikstadion, seit 2006 offiziell „Frankfurter-Volksbank-Stadion“, in mehreren Bauphasen zu einem reinen Fußballstadion umgebaut. In einem der letzten Schritte wurde 2012 auch die historische Haupttribüne abgerissen und durch einen 10,5 Millionen Euro teuren Neubau ersetzt.

Kurioser Akzent

Heute präsentiert sich das „Stadion am Bornheimer Hang“ den maximal 12.542 Besuchern, davon 4139 überdachte Sitzplätze und 8403 unüberdachte Stehplätze, als reines Fußballstadion mit einem kuriosen Akzent. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, lohnt sich ein Abstecher auf den vor dem Stadion gelegenen Richard-Herrmann-Platz. Benannt wurde dieser nach dem vielleicht größten Spieler des FSV Frankfurt, Richard Herrmann. Er war Mitglied des WM-Kaders von 1954, kam aber nur bei der Vorrundenniederlage gegen Ungarn zum Einsatz, wo er das letzte Tor zum 3:8-Endstand erzielte. Von hier blickt man auf die graue Betonfassade des unüberdachten Heimblocks. Äußerlich wirkt das Stadion kalt, als stände man vor einem mittels eines rechteckigen Sandkastenförmchens gebauten Betonklotz. Wobei das Rillenmuster der Fassade auch den Eindruck erwecken könnte, dass der Maurer noch nicht ganz fertig sei und gleich aus der Mittagspause zurückkommt, um die Fliesen anzubringen. Schweift nun der Blick nach rechts, dann fällt unweigerlich die mehrere Meter überstehende Gegengerade ins Auge und es stellt sich die Frage: Hat der Architekt sich hier verrechnet oder war es gewollt? Dient dieser Bereich als Tribünenabgang? Fragen über Fragen, aber keine Antwort. Der unüberdachte Gästeblock befindet sind hinter dem Tor, auf der gegenüberliegenden Nordtribüne und lässt in Sachen Sicht fast keine Wünsche übrig, wenn man vom störenden Fangnetz einmal absieht. Insgesamt aber ein noch sehr neues Stadion, das sehr solide und ohne große Extras daherkommt, aber trotzdem einen leicht individuellen Stil hat. Übrigens, am 3. Juni 2016 trug der Kosovo im „Stadion am Bornheimer Hang“ sein erstes offizielles Länderspiel gegen die Färöer Inseln aus und siegte mit 2:0.

VfL noch punktlos beim FSV

Noch ohne Punktgewinn ist der VfL Osnabrück beim FSV Frankfurt. die bisherigen 4 Gastspiele verlor der VfL allesamt. Eine kuriose Statistik am Rande: Nach jedem Aufeinandertreffen stieg bisher eine der beiden Mannschaften am Saisonende ab. Eine gruselige Serie, die sich beim Blick auf den derzeitigen Tabellenstand und die kritische finanzielle Lage des FSV Frankfurt fortzusetzen scheint.

Erstes Spiel 1982/83

Das erste Gastspiel des VfL Osnabrück am Bornheimer Hang datiert aus der Zweitligasaison 1982/83. Trotz eines Führungstreffers durch Erwin Kostedde verlor das Team von Trainer Karl-Heinz Rühl mit 1:2 beim FSV Frankfurt. Nachdem Michael Traband zunächst ausgeglichen hatte überwand Juan Francisco Álvarez kurz vor dem Ende VfL-Keeper Rolf Meyer zum Sieg für den FSV Frankfurt. Der Torschütze ist ein Onkel des ehemaligen VfL-Stürmers Marcos Alvarez. Er spielte kurze Zeit gemeinsam Julio Alvarez, dem Vater von Marcos Alvarez, beim FSV. Nach der Saison wechselte Juan Francisco Alvarez zum spanischen FC Sevilla, wo bereits ein dritter Bruder, Antonio Alvarez, Stammspieler war. Der VfL wurde am Saisonende Zehnter und der FSV Frankfurt stieg in die Oberliga ab.

Zweimal beim FSV Frankfurt

Nach dem 2008 erfolgten Wiederaufstieg der „Bernemer“ in die 2. Bundesliga empfing der FSV Frankfurt den VfL Osnabrück sogar zweimal in einer Saison. Beide Spiele wurden, wegen des zeitgleichen Umbau des „Stadions am Bornheimer Hang“, in der großen Commerzbank-Arena der Eintracht ausgetragen. Am Freitagabend, den 08.08.2008, verlor der VfL in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals mit 2:0 beim FSV. Im großen Rund der 51500 Zuschauer fassenden Arena hatten sich nur 3170 Besucher verlaufen. Ein trauriges Bild. Kuriosum am Rande. Der FSV Frankfurt hatte eigens für dieses Spiel einen Match-Schal und ein T-Shirt herausgebracht. Beides zierte die Wappen des FSV und des VfL, sowie das Datum des Spiels. Ein Verkaufsschlager wurde vermutlich beides nicht.

Auch das Punktspiel im Februar 2009 verlor der VfL. Emil Noll traft in der 90. Minute per Kopf und versetzte der Mannschaft von Trainer Pele Wollitz einen weiteren Nackenschlag im Abstiegskampf. Wieder war das Stadion, bei 4084 Zuschauern, völlig überdimensioniert. Der VfL wurde Drittletzter und stieg nach der verlorenen Relegation gegen den SC Paderborn ab.

Letztes Duell 2011

Nach dem Abstieg und dem direkten Wiederaufstieg des VfL traf man zuletzt in der Saison 2010/2011, im mittlerweile umgebauten Stadion am Bornheimer Hang, aufeinander. Bei bitterer Kälte und Schneetreiben wurde der von Karsten Baumann trainierte VfL in der 1. Halbzeit förmlich überrollt und lang bereits zur Pause aussichtlos hinten. Den Ehrentreffer zum 1:4-Endstand erzielte Björn Lindemann in der 89. Minute per Elfmeter. Einzig verbliebener Spieler aus der VfL-Mannschaft die am Saisonende aus der 2. Bundesliga abstieg ist der im Januar2017 zurückgekehrte Konstantin Engel.



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