„Drei Punkte, die Gold wert sind“ Nächstes Hoch im lila-weißen Wellental – das Osnabrücker 3:0

Von Stefan Alberti


Osnabrück. Es ist in diesen Tagen mal wieder nicht so einfach, ein VfL-Fan zu sein. Seit Wochen wird er durch ein Wellental der Emotionen gejagt. Nach dem 3:0 gegen den Chemnitzer FC ist seit Samstagnachmittag bei den Osnabrückern erneut die Stufe „Hoffnung“ aktiviert.

Vier Niederlagen, Sieg, Niederlage, Sieg. 42 Punkte, noch zehn Spiele. Der VfL befindet sich in Schlagdistanz zur Spitzengruppe der 3. Fußball-Liga. Klar, die Pessimisten warnen in dieser engen Spielklasse noch vor dem Tabellenkeller – nach dem Erfolg gegen Chemnitz liegen die Osnabrücker nun aber 14 Punkte vor den Abstiegsrängen. Weiterlesen: der Spielbericht von der Bremer Brücke

Trainer Joe Enochs und die meisten seiner Spieler wollen sich – zumindest nach außen hin – gar nicht mit dem Tabellenstand befassen. Sie schauen auf das berühmte nächste Spiel – und das ist in Regensburg, „das nächste ganz schwere Auswärtsspiel“, so Enochs. Klar, seine Profis sollten ruhig den Tag nach dem 3:0 gegen die Sachsen genießen. Dass dieser Dreier nun der lila-weiße Befreiungsschlag war, wollte der Coach nicht bestätigen: „Das hätte man auch nach dem Kiel-Spiel denken können, in dem wir besser gespielt haben als heute.“ Nach dem 2:1 gegen die „Störche“ folgte bekanntlich das 0:1 in Erfurt. Enochs mahnte auch an, den Sieg vernünftig einzuordnen: „Chemnitz ist nicht mit dem letzten Aufgebot angereist, aber sie hatten viele verletzte und gesperrte Spieler.“

Sangaré Mann des Spiels

Sicher, dem CFC fehlten aus dem Stamm Leute wie Fabian Stenzel oder Björn Jopek, dazu konnte der angeschlagene Stürmer Daniel Frahn nur auf der Bank Platz nehmen. Trotzdem lief das Team von Coach Sven Köhler noch mit reichlich höherklassig erfahrenen Akteuren auf. Und so gehörten die ersten Minuten auch den Gästen: Routinier Anton Fink versuchte es mit Schüssen aus der Distanz – ohne Erfolg.

Der VfL biss sich immer mehr in die Partie. Geburtstagskind Anthony Syhre, nach seiner Rot-Sperre wieder zurück, verlieh als Sechser neben Christian Groß der Defensive mehr Stabilität. Dass Nazim Sangaré von der Rechtsverteidiger-Position auf die rechte Außenbahn beordert worden war, erwies sich als Glücksfall. Mit Konstantin Engel als Verteidiger im Rücken avancierte Sangaré zum Mann des Spiels. Der schnelle 22-Jährige ging lange Wege, nahm Fehler in Kauf – und sorgte für Belebung der Offensive und das 1:0 (23.). Jules Reimerink hatte Kwasi Okyere Wriedt per Hacke auf die Reise geschickt – der Torjäger passte zu Sangaré, der cool abschloss.

Sonderzug nach Regensburg

Nach der Pause übernahmen die Gäste zunächst wieder die optische Überlegenheit, freilich ohne zwingende Chancen herauszuspielen. Wieder benötigte der VfL etwas Zeit, um Zugriff zu bekommen. Wriedt scheiterte mit einem Freistoß aus 18 Metern (62.). Vier Minuten später hämmerte Marc Heider nach Vorarbeit durch Engel das Leder zum 2:0 in die Maschen. Der Torschütze hatte sich vorher mit Haken und Ösen gegen Kevin Conrad durchgesetzt, doch Schiedsrichter Markus Schmidt erkannte nicht auf Foulspiel. Der „lila-weiße Sack“ wurde dann in der 70. Minute zugeschnürt. CFC-Verteidiger Stefano Cincotta musste nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Roter Karte das Feld verlassen. Den anschließenden Freistoß zirkelte Wriedt auf den nicht als Kopfball-Ungeheuer bekannten Engel – und dennoch nickte der 28-Jährige aus spitzem Winkel zum 3:0 ein. Sein erster Saisontreffer. Weiterlesen: die Einzelkritik

Das lila-weiße Publikum durfte endlich mal wieder feiern. Heider und Reimerink hatten sogar Chancen für weitere Treffer, am Ende blieb es beim 3:0. Balsam für Zuschauer und Mannschaft.

Immerhin sprach Enochs von „drei Punkten, die Gold wert sind“. Das Stichwort: Am Samstag besteht die nächste Gelegenheit, einen Dreier an der Bremer Brücke auswärts zu „vergolden“ – beim SSV Jahn Regensburg. Große Unterstützung ist dem VfL sicher: Der Sonderzug Richtung Oberpfalz ist seit Monaten ausgebucht.


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