„Am liebsten schon gegen Wehen“ VfL-Mittelfeldspieler Groß über sein Comeback und die Zukunft

Ackern für die Rückkehr: Christian Groß (links) im Einzeltraining mit Athletikcoach Henrik Frach. Foto: Helmut KemmeAckern für die Rückkehr: Christian Groß (links) im Einzeltraining mit Athletikcoach Henrik Frach. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Wie schuftet Christian Groß für sein Comeback? Wie verläuft die Heilung nach dem Kreuzband-Anriss? Wann kehrt er ins Team des VfL Osnabrück zurück? Fragen über Fragen, der 28-jährige Mittelfeldspieler antwortet.

Herr Groß, besteht die Chance, dass Sie am 11. März gegen Holstein Kiel wieder auf dem Platz stehen?

(lächelt) Das sollen andere beurteilen. Dass ich es mir wünsche, ist doch wohl klar.

Nach der Reha in Berlin sind Sie seit einigen Tagen wieder in Osnabrück. Wie läuft das Training?

Ich taste mich nach und nach ans Mannschaftstraining heran. Ich trainiere meistens in Zweierblöcken – morgens auf dem Platz steht die koordinative Arbeit im Mittelpunkt, im zweiten Teil mache ich im Kraftbereich weiter. Mehr über Christian Groß lesen Sie hier.

Die Zielsetzung?

Natürlich will ich so schnell wie möglich wieder spielen. In der kommenden Woche würde ich gerne wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Ich muss ein gutes Gefühl haben.

Nochmals: Eine Rückkehr zum Heimspiel gegen Kiel ist nicht ausgeschlossen?

(schmunzelt) Am liebsten würde ich schon gegen Wehen Wiesbaden im Kader sein, keine Frage. Aber wir müssen realistisch bleiben, und ich muss auf meinen Körper hören.

Und was sagt der Körper?

Der Körper sagt, dass ich in den vergangenen drei Monaten gut gearbeitet habe.

Wie kann es sein, dass Ihr Lotter Kollege Matthias Rahn nach einem Kreuzbandriss schneller wieder auf dem Platz steht als Sie nach einem Kreuzband-Anriss?

Jeder Körper reagiert doch anders auf eine Verletzung. Als bestes Beispiel habe ich da Otto Addo im Kopf: Der hat vor vielen Jahren mit gerissenem Kreuzband noch ein Tor für Dortmund geschossen. Andere reißen sich das Kreuzband und können gar nicht mehr gehen. Der Heilungsverlauf hängt von so vielen Faktoren ab. Wie ist die Muskelstruktur? Ist man ein muskulöser oder schlanker Typ?

Nehmen Sie wahr, dass das gesamte Umfeld Ihre Rückkehr herbeisehnt?

Ich werde oft gefragt, wann ich denn endlich wieder dabei bin. Aber wir alle fahren gut damit, dass ich mir die Zeit nehme, die ich brauche, um auch wieder der alte Christian Groß zu werden.

Was hat in den vergangenen Wochen aus mentaler Sicht am meisten geschmerzt?

Dass es in der Reha auch mal Rückschläge gegeben hat – also Tage, an denen ich dachte, dass ich schon weiter wäre. Natürlich tut es weh, dass ich Spiele wie gegen Münster und Duisburg oder die Freitagabendspiele verpasst habe. In Duisburg habe ich übrigens noch nie gespielt.

Die drei Niederlagen zuletzt haben Ihren Heilungsprozess nicht unbedingt forciert, oder?

(lächelt) So ist es im Fußball. Misserfolg gehört dazu. Gegen Bremen hat die Truppe schon wieder ein gutes Zeichen gesendet, auch wenn wir das Spiel verloren haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir den Schalter jetzt wieder umlegen werden.

Was macht Sie da so zuversichtlich?

Weil ich die Jungs sehe. Diese Liga ist doch schon Wahnsinn. Wir sind nach drei Niederlagen immer noch Vierter. Man kann nicht nach den Spielen gegen Münster und Duisburg ausrufen, dass wir auf Augenhöhe mit der Spitze sind. Drei Wochen später sind wir ein gefühlter Abstiegskandidat. Da passen die Relationen nicht. Solche Phasen hat jede Mannschaft. Magdeburg hatte das am Anfang der Saison. Wir sollten jetzt in Ruhe weiterarbeiten. Und ich habe es schon mal gesagt: Die Kunst ist, 38 Spiele konstant gut zu spielen. Aber wer bekommt das außer Topmannschaften wie Bayern oder Dortmund hin?

Der VfL ist also keine Topmannschaft?

Gegenfrage: Ist Magdeburg eine? Ist Halle eine? Am Ende sind es die Teams, die auf den ersten drei Plätzen stehen.

Viele Fans haben die Rückrunden der beiden zurückliegenden Spielzeiten im Kopf und fürchten erneut eine sportliche Talfahrt…

Diese Befürchtungen sind menschlich, ich kann auch Pfiffe nachvollziehen. Wir alle sehen doch, wie eng es in dieser Liga zugeht. Ich habe bisher 16 Spiele gemacht und habe nicht viele Mannschaften gesehen, die besser sind als wir. Also: Wir brauchen die Unterstützung, gerade jetzt. Nach wie vor ist alles möglich.

Abschließend noch kurz zu Ihrer Zukunft: Sie haben noch einen Vertrag bis 2018, es sei denn…

Es sei denn, was?

Es kommt ein Zweitligist um die Ecke und will Sie verpflichten.

Ist ja schön, dass Sie so etwas für möglich halten. Aber ich habe mich vor einiger Zeit bewusst für eine Vertragsverlängerung entschieden. Ich habe auch kein Problem damit, hier noch länger zu bleiben. Ich habe meinen Platz gefunden, ich fühle mich wohl, das Umfeld stimmt. Eine gute Basis. Eine solche Basis findet man im Fußball nicht so oft.


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