Atalan: Albtraum noch nicht überwunden VfL Osnabrück: Ein Sieg für die lila-weiße Seele


Osnabrück. Was für ein Spiel. Derby oder Nachbarschaftsduell? Völlig egal. Der VfL Osnabrück und die Sportfreunde Lotte lieferten alle Zutaten für einen genussvollen Fußballnachmittag mit Rasse, Klasse, einem ausverkauften Stadion und typischen „Derby-Nickeligkeiten“ – und einem 3:0-Sieg für die lila-weiße Seele.

Das Reporter-Team beim Top-Duell: Stefan Alberti, Christian Detloff, Susanne Fetter, Michael Jonas, Johannes Kapitza, Christoph Schillingmann, Marisa Strodt

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Der VfL-Tag danach: „Wer kommt, der kommt“, lautete die Devise von Trainer Joe Enochs nach dem Spiel für das Auslaufen seiner Mannschaft am Sonntagmorgen. Will heißen: Die Spieler sollten die „Lila-Weiße Nacht“ am Samstagabend so genießen, wie sie es wollten. „Das haben sie sich auch verdient“, meinte der Coach. Und so habe auch ein Großteil der Profis das Angebot zum Ausschlafen angenommen. Anthony Syhre und Marcel Appiah hätten sich wegen muskulärer Probleme pflegen lassen.

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Die Partie im Zeitraffer: „Ich habe eine erste Halbzeit gesehen, in der beide Mannschaften alles getan haben, um Tore zu schießen“, analysierte Enochs. In der Tat, das Spiel entwickelte sich sofort zu einem offenen Schlagabtausch. Mit mutig und früh attackierenden Gästen – und einem erst abwartenden VfL. Keeper Marius Gersbeck sorgte in der 14. Minute für ein entsetztes Raunen im lila-weißen Publikum, als er einen Schuss von Kevin Freiberger zunächst durch die Hände rutschen ließ, dann aber im Nachfassen klären konnte.

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In der Folge schlugen die Platzherren eiskalt zu. Nach einer Kombination über Bastian Schulz, Kwasi Okyere Wriedt und Jules Reimerink kam das Leder wieder zu Wriedt, der mit einem Flachschuss ins lange Ecke zum 1:0 abschloss (15.). Elf Minuten später fiel das bisher vielleicht schönste Saisontor des VfL: Wieder war es der quirlige Wriedt, der sich auf der rechten Seite durchsetzte und Kapitän Halil Savran mustergültig bediente. Der „Capitano“, seit seinem Mittelfußbruch am 16. September in Kiel erstmals wieder in der Startelf, ließ mit der rechten Hacke abtropfen – 2:0 für die Osnabrücker.

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Die Gäste waren nur ein wenig geschockt. Lotte schüttelte sich – und hielt weiter dagegen. Die Sportfreunde wollten den Anschlusstreffer, doch der VfL hielt mit einer tadellosen Defensive dagegen. Gersbeck, der sich inzwischen richtig in die Partie reingebissen hatte, stand in den fünf Minuten vor der Halbzeit mehrmals im Mittelpunkt und hielt die Null.

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Nach dem Seitenwechsel setzte sich der offene Schlagabtausch fort – bis zur 65. Minute. Diesmal kam Savran auf der linken Seite des Strafraums in Schussposition und zog ab – Lottes Torhüter Benedikt Fernandez war geschlagen und Nico Neidhart lenkte mit seinem Rettungsversuch den Ball ins Tor – 3:0. Die Bremer Brücke bebte, die Sportfreunde waren geschlagen. Der VfL ackerte weiter, hatte Chancen durch Wriedt (70./77.) oder Michael Hohnstedt/Bashkim Renneke (88.) für weitere Treffer. Dem heimischen Publikum war das jedoch egal. Das „Oh, wie ist das schön…“ erklang schon längst in Dauerschleife.

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Der Kapitän als Doppel-Torschütze? Hauptsache, dass dritte Tor sei überhaupt gefallen, meinte Savran gelassen. Während wir das 3:0 als Eigentor durch Neidhart werten, schreiben die Experten des DFB und des Fachmagazins „Kicker“ Savran den Treffer zu. Sein Coch im Übrigen auch: „Der Ball wäre auch so reingegangen.“ Nun denn, in den offiziellen Torschützenlisten wird der 31-Jährige nun mit fünf Treffern geführt.

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Atalans Albtraum: Lotte-Coach Ismail Atalan konnte auch 24 Stunden später nur sehr schlecht mit der Niederlage leben: „Das darf uns nicht passieren, dass wir so einbrechen. Ein Trainer ist verantwortlich und hat die Aufgabe, Fehler zu korrigieren. Das habe ich versäumt.“ In der zweiten Halbzeit habe sein Team komplett die Ordnung verloren. „Ich hätte Lösungen finden müssen. In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt. Das war der Fußball, der uns auszeichnet. Dafür hat uns ja auch Joe Enochs ein Kompliment gemacht. Im Endeffekt müssen wir froh sein, dass der VfL nicht noch mehr Treffer gemacht. Ich habe den Albtraum immer noch nicht überwunden.“

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Rasse, Klasse und Nickeligkeiten: Elf Gelbe Karten sprechen dafür, dass es nicht immer freundschaftlich auf dem Rasen zuging. Das gehöre bei so einem intensiven Spiel auch dazu, waren sich Enochs und Atalan einig. Allerdings: Als Reimerink in der 53. Minute Neidhart zunächst am Ohr zog und dann dem Lotteraner an den Hals packte, zeigte ihm Schiedsrichter René Rohde die Gelbe Karte. Der Niederländer hätte sich nicht über eine Rote Karte beschweren dürfen. „Das ist nicht unsere Art, das werde ich mit ihm besprechen müssen“, stellte dann auch Enochs deutlich fest. Reimerink wollte nach dem Schlusspfiff gar nichts beschönigen, sondern ging mit dem Lotter Team hart ins Gericht: „Sie reden und reden und reden. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich was machen musste. Da habe ich einen Spieler kurz am Ohr gezogen.“

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