VfL gegen Lotte Es ist angerichtet – die Bremer Brücke brodelt…

Nicht nur er darf sich auf ein volles Stadion freuen: VfL-Trainer Joe Enochs. Foto: KemmeNicht nur er darf sich auf ein volles Stadion freuen: VfL-Trainer Joe Enochs. Foto: Kemme

Osnabrück. Endlich. Samstag. 14 Uhr. Volles Stadion. Diesem Duell hat die Fußballregion entgegengefiebert. Der VfL Osnabrück empfängt die Sportfreunde Lotte zum Top-Duell der 3. Fußball-Liga.

Wer steht in der Startelf?

VfL Osnabrück: Gegenüber der Partie beim VfR Aalen wird Cheftrainer Joe Enochs seine Anfangsformation wohl auf drei Positionen verändern. Der Kapitän ist zurück. Das war Halil Savran zwar auch schon im Schwabenland, dort allerdings nur in den letzten 30 Minuten. Gegen Lotte soll der Leader von Beginn an im Sturmzentrum spielen. „Wenn Halil fit ist, gehört er auf den Platz. Er ist für die Mannschaft unheimlich wichtig.“ Für den 31-Jährigen muss Robert Kristo zunächst auf der Bank Platz nehmen. Eine zweite Veränderung muss zwangsläufig erfolgen: Innenverteidiger Tobias Willers kassierte in Aalen seine fünfte Gelbe Karte und muss pausieren. Das bedeutet, dass Anthony Syhre auf die Position zurückkehren wird, auf die er in den ersten zehn Spielen überwiegend Pluspunkte sammelte. Die dritte Umstellung: Nazim Sangaré ist nach seiner Innenbandzerrung im Knie wieder fit – und kehrt auf die rechte Außenverteidiger-Position für Mohamed El-Bouazzati zurück. Simon Tüting und Addy Menga werden nicht im Kader sein. Enochs: „Natürlich sind beide enttäuscht. Es tut mir leid, aber diese Entscheidungen sind meine schwersten.“ Hier geht es zum Video-Talk mit den Trainer Joe Enochs und Ismail Atalan.

Sportfreunde Lotte: Vom Leitspruch „Never change a winning team“ hält Ismail Atalan nicht viel. „Gegen jeden Gegner braucht man andere Fähigkeiten und eine andere Mannschaft“, sagt der Coach. Gegenüber dem 6:0 gegen Paderborn wird Rechtsverteidiger Alexander Langlitz wieder auflaufen. Er war gegen die Ostwestfalen gesperrt. Auf der anderen Seite ist Nico Neidhart eine Alternative.

Wie ist die Stimmung im Team?

VfL Osnabrück: Angespannt, aber im positiven Sinne. Beim Abschlusstraining am Freitagnachmittag ging es wie in den Wochen zuvor richtig zur Sache. Die Spieler, die zunächst auf der Reservebank Platz nehmen müssen oder gegen Lotte nicht im Kader stehen, gaben richtig Gas, forderten die A-Elf und machten dem Trainer einmal mehr die Entscheidungen nicht einfach. Dass die Spieler „brennen“, bringt ein Statement von Michael Hohnstedt deutlich zum Ausdruck: „Wir spielen zu Hause, wir sind der VfL Osnabrück. In meinen Augen darf es nur einen Sieger geben – und das sind wir.“

Sportfreunde Lotte: Prima. Lotte kommt voller Selbstvertrauen zur Bremer Brücke. „Wir fahren dahin, um drei Punkte zu holen“, freut sich Atalan auf das Spitzenspiel. „Eigentlich ist es ein ganz normales Duell, die Vorfreude ist groß wie immer“, sagt Defensivspieler Tim Wendel.

Wie soll der Gegner geknackt werden?

VfL Osnabrück: „Wir haben zuletzt gesehen, wie Lotte gegen Paderborn aufgetreten ist“, sagt Enochs, „selbstbewusst, torgefährlich und zweikampfstark – mit einem vorzüglich mit Gorschlüter, Dej und Pires-Rodrigues besetzten Mittelfeld.“ Als Heimmannschaft werde man sich aber entsprechend zu wehren wissen. Die Stärken und Schwächen des Gegners zu kennen sei die eine Seite, auf der anderen Seite müsse sein Team aber konsequent das Spiel an sich reißen.

Sportfreunde Lotte: Lotte will aktiven, offensiven Fußball spielen. „Zu attackieren, das ist unsere Chance. Wir weichen nicht von unserem System ab. Es hat uns stark gemacht und soll auch gegen den VfL zum Erfolg führen“, betont Atalan. Er geht davon aus, dass sich der VfL im eigenen Stadion nicht hinten reinstellen wird. „Wir spielen in einem schönen Stadion mit gutem Rasen. Da kann man gutes Pressing spielen.“ Osnabrück stehe vor heimischer Kulisse stärker unter Druck, glaubt Atalan.

Welche Daten liefert die Statistik?

VfL Osnabrück: Es ist die Punktspiel-Premiere zwischen dem VfL und den Sportfreunden. Demnach gibt die Statistik nicht viel her. Natürlich einige Freundschaftsspiele, zuletzt noch im Januar, als der VfL auf dem Kunstrasenplatz der Illoshöhe mit 1:3 verlor. Als statistisches Element könnte man noch die „Lila-Weiße Nacht“ heranziehen, die am Abend nach dem Spiel gefeiert wird. In den zurückliegenden Jahren hat der VfL vor dieser Party noch nie ein Spiel verloren. Ansonsten? Will der VfL nach zuletzt einer Niederlage (0:1 in Halle) und zwei Unentschieden (1:1 gegen FSV Frankfurt, 1:1 in Aalen) wieder einen Dreier einfahren.

Sportfreunde Lotte: Lotte konnte auswärts schon dreimal gewinnen in Bremen (3:0), Chemnitz (1:0) und Rostock (3:1). Außerdem gab es zwei Unentschieden und zwei Niederlagen.

War sonst noch was?

VfL Osnabrück: Klar. Vor dem Spiel und in der Halbzeit stehen auf dem Rasen einige Gesprächspartner bereit. So wird Cuong Tu aus Sydney Rede und Antwort stehen. Wie berichtet, ist Cuong Tu ein spezieller VfL-Fan mit einer lebenslangen Dauerkarte. Nach Jahren besucht er jetzt wieder „seine Liebe“, den VfL. Geehrt werden soll Schwimmer Jonas Bergmann, der vor wenigen Tagen mit zwei Medaillen von der Deutschen Kurzbahnmeisterschaft zurückgekehrt ist.

Sportfreunde Lotte: Lotte setzt um 12 Uhr ab Stadion Jahnstraße fünf Busse ein, auf die 350 Fans verteilt sind. 410 Plätze stehen zur Verfügung. Wer will, kann sich dem Tross noch anschließen. Insgesamt haben die Sportfreunde 1492 Tickets abgesetzt.

Und wie geht’s nun aus?

Die Spieler haben sich auf ein Unentschieden geeinigt. Lotte will den VfLern nicht das Vereinsfest „Lila-Weiße Nacht“ verderben und hat Freikarten für die Sause bekommen. Der VfL will Lotte in dem Glauben lassen, dass auch auf dem Dorf guter Fußball gespielt werden kann. Spaß beiseite: Wir belassen es diesmal bei der Fußballweisheit: Der Bessere möge gewinnen.


Samstag, 26. November, 14 Uhr (16. Spieltag): VfL Osnabrück – Sportfreunde Lotte

So könnten sie spielen:

VfL Osnabrück: 21 Gersbeck – 30 Sangaré, 4 Appiah, 3 Syhre, 6 Dercho – 8 Schulz, 25 Groß – 20 Heider, 15 Reimerink – 9 Savran, 11 Wriedt

VfL-Reserve: 1 Lehmann, 7 Renneke, 14 Arslan, 16 El-Bouazzati, 18 Kristo, 23 Hohnstedt, 29 Krasniqi

Es fehlen: Willers (gesperrt), Falkenberg (Reha nach Kreuzbandriss), Bleker, Tüting, Richter, Menga, Klaas, Leon und Steffen Tigges (nicht im Kader).

SF Lotte: 30 Fernandez – 23 Langlitz, 4 Nauber, 3 Wendel, 16 Neidhart – 8 Dej, 20 Pires-Rodrigues, 6 Gorschlüter – 19 Freiberger, 10 Rosinger, 17 Granatowski

Lotte-Reserve: 1 Buchholz, 7 Hettich, 11 Tankulic, 15 Heyer, 21 Steinhart, 24 Lindner, 31 Kaffenberger

Es fehlen: Zummack (Riss im Außenmeniskus), Rahn (Kreuzbandriss), Engel, Schikowski, Brock, Daglar (alle nicht im Kader).

Zuschauer: 16000, davon rund 1500 aus Lotte (das Stadion an der Bremer Brücke ist voraussichtlich ausverkauft).

Schiedsrichter: René Rohde (Rostock) pfiff fünf Spiele mit VfL-Beteiligung, von denen die Lila-Weißen drei gewannen und nur eines verloren. Zuletzt pfiff er den VfL am 25. August 2015, als Enochs sein Debüt als Cheftrainer der VfL-Profis hatte. Lotte hatte bislang zweimal mit Rohde zu tun, jeweils in Heimspielen: Nach dem 2:1 über Worms in 2010 leitete er auch das erste Relegationsduell (0:0) in diesem Jahr gegen Waldhof Mannheim (0:0).

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