Vor dem Drittliga-Derby Teamcheck: VfL Osnabrück vs. Sportfreunde Lotte

Von Sportredaktion

In der Osnatel-Arena steigt am Samstag, 26. November 2016, das Derby zwischen dem VfL Osnabrück und den Sportfreunden Lotte. Foto: Helmut KemmeIn der Osnatel-Arena steigt am Samstag, 26. November 2016, das Derby zwischen dem VfL Osnabrück und den Sportfreunden Lotte. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück/Lotte. Der VfL Osnabrück und die Sportfreunde Lotte stehen sich am Samstag, 26. November 2016, zum ersten Mal in einem Pflichtspiel gegenüber. Die wichtigsten Fakten vor dem Derby zwischen dem VfL und dem SFL.

Das Spielsystem

VfL Osnabrück: Keine Experimente: Im Regelfall setzt der VfL auf das bewährte 4-4-2-System und sucht auch unter Druck die spielerischen Lösungen statt langer Bälle. Über die Flügel läuft dabei meistens mehr als durch das Zentrum.

SF Lotte: Seit zwei Jahren agieren die Sportfreunde mit nur wenigen Ausnahmen im offensiven 4-3-3. Mit konsequentem Pressing wird der Spielaufbau des Gegners gestört, nach Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte mit größtmöglichem Tempo der Weg in die Spitze gesucht. Beim Aufbau aus der eigenen Hälfte operiert Lotte mit wenigen langen Bällen, die Spielmacher André Dej und Kevin Pires-Rodrigues suchen mit schnellen vertikalen Pässen oft die Außen.

Die Schwächen

VfL Osnabrück: Der VfL muss sich seine Chancen mühsam erarbeiten, belohnt sich dann aber etwas zu selten mit Toren, auch wenn 20 Saisontreffer weniger Grund zur Sorge sind. Trainer Joe Enochs wurmen eher die 18 Gegentore, vor allem, wenn sie einen Gegner aus dem Nichts zurück ins Spiel bringen, weil der VfL für den Moment seine Ordnung verliert.

SF Lotte: Motivation, Emotionalität und Draufgängertum getreu dem Vereins-Motto „Volle Lotte“ gehören in der Regel zu den Vorzügen der Sportfreunde. Doch zuweilen überziehen die Lotter Spieler. Kein Drittligist kassierte mehr Gelbe (46) und Gelb-Rote Karten (3) als der Aufsteiger, gegen den bislang sechs Elfmeter gepfiffen wurden. Auch die Chancenverwertung ist steigerungsfähig – das 6:0 zuletzt gegen den SC Paderborn war eine rühmliche Ausnahme.

Die Stärken

VfL Osnabrück: Wenn die Lila-Weißen ihre Bestform erreichen wie etwa Alexander Dercho gegen Frankfurt und Marius Gersbeck in Aalen, liegt eine Stärke in der individuellen Qualität und der Erfahrung. Zudem ist der VfL in dieser Saison schwer auszurechnen: Elf Spieler haben schon getroffen. Ausfälle wie der von Kapitän Halil Savran wurden weggesteckt, Rückstände ebenso – die Moral ist aktuell stark.

SF Lotte: Fast alle Stammspieler gehören dem homogenen Kader seit mindestens zwei Jahren an. Die Lotter sind entsprechend eingespielt und in der Lage, den Ausfall von Leistungsträgern zu kompensieren. Ob in Rückstand oder in Führung: Bis zum Abpfiff krempeln die Lotter die Ärmel hoch. Sieben ihrer 24 Saisontreffer fielen in den letzten zehn Minuten. Mit großer Kameradschaft haben die Lotter längst eine enorme Willenskraft entwickelt – und diese gerade in den bedeutenden Spielen mit spielerischer Klasse verknüpft. Das kopfball- und zweikampfstarke Abwehrzentrum ist das Herzstück der Mannschaft. Ob dies nach der schweren Verletzung von Innenverteidiger Matthias Rahn so bleibt, muss sich zeigen.

Die aktuelle Form

VfL Osnabrück: Der VfL hat von seinen 15 Saisonspielen erst vier verloren. Die zweite Hälfte sieht allerdings bisher weniger rosig aus, acht Punkte aus den letzten sieben Spielen machen sich allmählich auch in der Tabelle bemerkbar. Der letzte Sieg (1:0 am 22. Oktober gegen Großaspach) liegt schon über einen Monat zurück. „Wir müssen zusehen, dass wir langsam wieder mal einen Dreier holen, wenn wir uns oben festsetzen wollen“, hatte Joe Enochs nach dem 1:1 zuletzt in Aalen entsprechend gefordert.

SF Lotte: Wie der VfL haben die Sportfreunde nur zwei ihrer vergangenen sieben Punktspiele gewonnen. Nach glänzendem Saisonstart machte sich in den zahlreichen englischen Wochen bemerkbar, dass es dem Lotter Kader in der Breite an Qualität fehlt. Der Derbysieg über Preußen Münster (1:0) und DFB-Pokal-Zweitrundenerfolg über Bayer Leverkusen (4:3 i. E.) kamen zum richtigen Zeitpunkt. Zuletzt polierte der Kantersieg über Paderborn das Selbstvertrauen auf. Lotte ist wieder voll bei Kräften.

Stadion und Zuschauer

VfL Osnabrück: Eröffnet wurde die heutige Osnatel-Arena im Jahr 1931 als „Städtisches Stadion an der Bremer Brücke.“ Zu Ehren des langjährigen Präsidenten wurde die Spielstätte 1994 in „Piepenbrock-Stadion an der Bremer Brücke“ umbenannt, seit 2004 besteht der heutige Name. Im Laufe der Geschichte veränderte sich das Fassungsvermögen immer wieder, aktuell liegt die Kapazität offiziell bei 16000 Plätzen. Gegen Lotte könnte die Arena zum ersten Mal seit dem Ligaspiel gegen Arminia Bielefeld (0:4) im Februar 2015 wieder ausverkauft sein. Der Zuschauerschnitt in dieser Spielzeit bisher liegt bei 8757 Fans und liegt damit noch leicht unter dem Schnitt der Vorsaison (8912).

SF Lotte: Bekannt wurde das jetzige Frimo-Stadion als Sportpark am Lotter Kreuz. Die Arena hatte aber schon einige andere Namen. Wer auf der A 30 fährt, kommt automatisch am Platz vorbei. Nach dem Aufstieg in die 3. Liga am 29. Mai 2016 begann der Bau der Osttribüne. Vereinsführung, Spieler, Gönner und Fans steckten viel Eigenarbeit in die Fertigstellung des Zuschauerbereichs, der zusätzlich rund 2500 Zuschauern Platz bietet. Beim Pokalsieg gegen Werder Bremen (2:1) am 21. August 2016 war zum ersten Mal die neue Osttribüne geöffnet. Mit 10 059 Zuschauern wurde ein neuer Zuschauerrekord aufgestellt. Der Schnitt in dieser Saison beträgt 1616 Besucher. Erstmals unterstützt am Samstag eine vierstellige SFL-Fanschar die Sportfreunde in einem Auswärtsspiel.

Die Trainer

VfL Osnabrück: Der VfL ohne Joe Enochs ist mittlerweile gar nicht mehr vorstellbar. Vor 20 Jahren kam der US-Amerikaner als Spieler nach Osnabrück – und wechselte seitdem nicht mehr. Als defensiver Mittelfeldspieler bestritt Enochs 376 Partien für die Lila-Weißen und ist damit bis heute Rekordspieler des Vereins. Nahtlos knüpfte er 2008 an das Ende seiner aktiven Karriere an und trainierte lange die U21 sowie eine Saison die A-Junioren des VfL. Cheftrainer ist er, nach einem kurzen Intermezzo als Interimscoach 2011, seit September 2015. Der Fußballlehrer ist ein akribischer Arbeiter, der am liebsten mit der Mannschaft auf dem Platz steht, aber auch weiterhin häufig Termine für den Verein wahrnimmt. Als Kotrainer holte er zu Beginn der Saison seinen alten Mitspieler Wolfgang Schütte nach Osnabrück, Enochs´ Vertrag läuft bis 2017.

SF Lotte: Als der unbekannte Ismail Atalan im Januar 2015 vom SC Roland Beckum zu den Sportfreunden kam, hätten ihm die wenigsten zugetraut, dass er die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte einleitet. Die grandiose Meistersaison der Regionalliga West, der Drittligaaufstieg und die Pokalsensationen gegen Werder Bremen und Bayer Leverkusen machten Lotte zu einem Begriff in ganz Fußball-Deutschland. Atalan hat es verstanden, aus Individualisten, guten Fußballern und kämpferisch veranlagten Typen eine Gemeinschaft zu formen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist die große Stärke der Mannschaft. Der 36-jährige Deutsche kurdischer Herkunft macht gerade seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer und wird wegen der Erfolge, aber auch aufgrund seiner sympathischen Art einige Vereine auf sich aufmerksam gemacht haben.

Die Tipps der jeweils zuständigen NOZ-Sportredakteure

VfL Osnabrück: Erst eine Heimniederlage musste der VfL hinnehmen – ein Ausrutscher. Vor der Lila-Weißen Nacht unterlagen die Osnabrücker noch nie. Die Atmosphäre an der Bremer Brücke peitscht den VfL zum späten Sieg, es darf gerne ein Offensivspektakel werden – 3:2.

SF Lotte: Lotte kommt als Tabellenzweiter mit dem Rückenwind der Pokalsensationen und dem 6:0 gegen Paderborn zur Bremer Brücke und sprüht vor Spielfreude. Das 2:1 wird der vierte Auswärtssieg.


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