Schweigen in Osnabrück Ex-VfL-Trainer Walpurgis nun der Retter von Ingolstadt?

Soll in Ingolstadt Fußball-Geschichte schreiben: Maik Walpurgis. Foto: imago/BöslSoll in Ingolstadt Fußball-Geschichte schreiben: Maik Walpurgis. Foto: imago/Bösl

Osnabrück. Das Geheimnis ist gelüftet. Maik Walpurgis wird neuer Cheftrainer beim FC Ingolstadt. Die Schanzer präsentierten den 43-Jährigen als Nachfolger von Markus Kauczinski. Die Entscheidung für den ehemaligen Coach des VfL Osnabrück rief großes Erstaunen und vielfach Unverständnis bei den Fußballfans hervor.

Schauplatz Ingolstadt: Man hätte annehmen können, dass der FCI einen Weltstar im Stadion vorstellt. Der Parkplatz vor dem Audi-Sportpark war gut gefüllt, Menschen tummelten sich vor und im Business-Bereich der Schanzer-Heimstätte – doch das Interesse galt nicht dem neuen Chefcoach des Bundesligisten. Die gleichzeitig stattfindende Food & Livestyle-Messe zog die Menschen an, während Walpurgis in Begleitung von Sportdirektor Thomas Linke unbehelligt den erst am Samstagmorgen eingerichteten, improvisierten Pressekonferenzraum betreten konnte – das eigentliche Medienzimmer war aufgrund der Messe belegt.

Das Medieninteresse war dennoch groß, schließlich galt es eine faustdicke Überraschung zu verkünden. Nicht ein bundesligaerfahrener Trainer, wie ursprünglich im Anforderungsprofil angekündigt, sondern ein Nobody im Profi-Fußball machte das Rennen. Linke lieferte die Begründung dazu und berief sich in seiner ausführlichen Einleitung auf die schwierige Konstellation, dass noch kein Bundesligist mit zwei Punkten nach zehn Spieltagen den Klassenerhalt geschafft habe. „Wenn wir den Richtigen für uns finden, haben wir vielleicht eine Chance, Geschichte ganz neu zu schreiben. Dann können wir die erste Mannschaft sein, die sich diesen Traum noch erfüllen kann. Wir sind zu der felsenfesten Überzeugung gekommen, in Maik Walpurgis den Trainer gefunden zu haben, der am besten zu uns passt, der unserer Philosophie entspricht und der ehrgeizig genug ist und genügend Glauben in sich hat, diese Geschichte mit uns neu schreiben zu wollen.“

Walpurgis, der zuletzt zwei Jahre lang den Drittligisten VfL Osnabrück trainierte , im August 2015 nach einem verpatzten Saisonstart jedoch entlassen wurde, berichtete von turbulenten Tagen. Schließlich stand er kurz vor einem Engagement beim Zweitligisten Arminia Bielefeld, als ihn der FCI kontaktierte. Plötzlich hatte der 43-Jährige die Chance auf die Bundesliga, und nach dreitägigen Beratungen stand sein raketenartiger Aufstieg fest.

„Ich bin von der Aufgabe total überzeugt, weil ich gespürt habe, dass wir die gleiche Idee haben und wir das Ziel erreichen können.“ Walpurgis, der mit seinem Ko-Trainer Ovid Hajou (33) seit acht Jahren zusammenarbeitet und zudem den erfahrenen Michael Henke ins Trainerteam integrieren soll, kündigte an, „aktiven Fußball“ spielen zu wollen.

Das neue Trainergespann wird am Montag um 16 Uhr die erste Übungseinheit mit der Mannschaft abhalten. Den Spielern hatte sich Walpurgis bereits am Samstag kurz vorgestellt, live hat er den FCI seit dem Bundesliga-Aufstieg jedoch noch nicht gesehen. Dafür kennt ihn ein ehemaliger Ingolstädter ganz gut: David Pisot. Der Innenverteidiger der Würzburger Kickers, der von 2009 bis 2012 für die Schanzer spielte, war zwei Jahre lang in Osnabrück ein Schützling von Walpurgis. „Er ist sehr erfolgshungrig, arbeitet akribisch und hat eine klare Linie. Außerdem ist er ruhig und sachlich und weiß, was er sagt“, charakterisiert Pisot seinen Ex-Coach.

Bei den Anhängern der Schanzer ruft die Verpflichtung eher Unverständnis hervor. Zumal Geschäftsführer Harald Gärtner zunächst eine Lösung mit einem Mann angekündigt hatte, „der die Liga kennt“. Doch nach gescheiterten Anfragen bei Jos Luhukay, André Breitenreiter oder Bruno Labbadia und gescheiterten Verhandlungen mit Franco Foda kristallisierte sich Walpurgis als beste Lösung heraus.

Schauplatz Bielefeld: Der Zweitligist sucht weiter mit Hochdruck nach einem neuen Trainer. Die kurzfristigen Absagen von Holger Stanislawski und Walpurgis, die beide bereits eine Zusage erteilt hatten, dürften die Entscheidungsträger vor allem auch zeitlich arg zurückgeworfen haben. Präsident Hans-Jürgen Laufer beschreibt die Verhandlungsabläufe mit Walpurgis wie folgt: „Wir haben mit Herrn Walpurgis viermal je vier Stunden verhandelt. Es folgten bei ihm und auch bei uns interne Abwägungsgespräche, sodass insgesamt eineinhalb Wochen vergangen sind, ehe er uns am Freitag seine endgültige Absage mitgeteilt hat.“ Nach Informationen der „Neuen Westfälischen“ hat Walpurgis seine Verhandlungspartner auf Arminia-Seite bereits von der ersten Kontaktaufnahme an über parallel laufende Gespräche mit einem Bundesligisten informiert.

Schauplatz Osnabrück: Dort herrschte am Wochenende überwiegend Funkstille. Man freue sich über das neue Engagement von Walpurgis, mehr wolle man zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht sagen, sagte Präsident Hermann Queckenstedt kurz und knapp am Sonntagabend. Also: Wurde der noch laufende Vertrag mit Walpurgis nun endgültig aufgelöst, bevor der Coach am Samstag in Ingolstadt vorgestellt wurde? „Kein Kommentar.“ Verlangt der VfL von Ingolstadt möglicherweise noch eine Ablösesumme für Walpurgis? „Kein Kommentar.“


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