Studiengang für Leistungssportler VfL-Profi Bastian Schulz feilt an der Karriere nach der Karriere

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Macht sich viele Gedanken: VfL-Profi Bastian Schulz. Foto: imago/osnapixMacht sich viele Gedanken: VfL-Profi Bastian Schulz. Foto: imago/osnapix

Osnabrück. Er weiß, dass er den Beruf ausüben darf, von dem viele Jungen träumen. Er weiß aber auch, dass seine Karriere als Fußballprofi früher oder später endet – und dann? Exakt mit dieser Fragestellung hat sich Bastian Schulz in seiner Bachelorarbeit beschäftigt.

Doch eine Geschichte über Bastian Schulz kann sich aktuell nicht nur um seine berufliche Vorsorge drehen. Wir müssen vorher zunächst noch kurz in seine Gefühlswelt blicken. Der Mittelfeldspieler des Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück gehörte in den ersten zehn Partien zur Startelf. Nach der fünften Gelben Karte und der abgesessenen Spielsperre muss er seit Wochen auf der Bank Platz nehmen. Dass er als Profi natürlich in der Startelf stehen wolle, sei unbestritten. Doch weil der 31-Jährige ein Profi durch und durch ist, legt er sofort nach: „Das gehört dazu. Wenn man damit nicht umgehen kann, dann ist man im Mannschaftssport fehl am Platze. Ich werde meinen Charakter und meine Einstellung nicht ändern – und versuche, in dieser Phase die Mannschaft neben dem Platz zu unterstützen. Meine Zeit auf dem Platz wird wieder kommen – und dann muss und werde ich auf den Punkt präsent sein.“

„Immer so gepolt“

Themenwechsel. Seit 2012, damals noch in Diensten des 1. FC Kaiserslautern, absolviere er den Studiengang „BWL für Leistungssportler“ am Center für lebenslanges Lernen der Universität Oldenburg. „Ich war schon immer so gepolt, auch weil meine Eltern die treibenden Kräfte waren, dass ich Wert auf ein zweites Standbein lege“, erzählt der Fußballer. Und man könne die freien Zeiten als Profi effektiv und natürlich auch mit entsprechender Disziplin nutzen, um an der Karriere nach der Karriere zu arbeiten. Während seiner Zeit bei Hannover 96 habe er bereits eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation abschließen können – und auf dem Betzenberg sei er dann auf den erwähnten Studiengang in Oldenburg gestoßen. Ein speziell auf die Bedürfnisse von Profifußballern ausgerichtetes Studium mit Fern- und Präsenzmodulen. Derzeit gehört zum Beispiel auch der Kölner Nationalspieler Jonas Hector zu den Oldenburger Studenten. Weiterlesen: Bastian Schulz im Portrait

Odonkor als krasses Beispiel

„90 Prozent der Profis wollen im Fußball bleiben, obwohl es kaum Stellen gibt. 75 Prozent haben nach der Karriere keine abrufbare berufliche Qualifikation. 25 Prozent sind nach der Karriere dauerhaft arbeitslos. Nur 10 Prozent haben finanziell ausgesorgt.“ Angetrieben von diesen vor einiger Zeit vom Fachmagazin „kicker“ veröffentlichen Zahlen habe er diese Faktoren zum Thema seiner Bachelorarbeit gemacht, „alle wollen im Fußball bleiben, aber die wenigsten machen etwas dafür“. In seiner Einleitung liefert Bastian Schulz auch gleich ein krasses Beispiel: „2006 war David Odonkor der WM-Held im deutschen Sommermärchen. 2015 muss der gefallene Held bei der Reality-Show Big Brother die Häme von einem Millionenpublikum hinnehmen, um 100000 Euro Preisgeld zu gewinnen. Der ehemalige Nationalspieler ist 31 Jahre alt und vereins- und arbeitslos…“ Um die Thematik aufzuarbeiten und zu analysieren, habe er neben anderen mit jüngeren und älteren Profis sowie mit Spielerberatern gesprochen. „Viele Berater haben oftmals nur das primäre Interesse, den Fußballer sportlich weiterzubringen.“ Das „Danach“ werde häufig ausgeblendet, „viele jüngere Spieler wissen gar nicht, was alles möglich ist“.

Eine Thematik, die ganze Seiten füllen kann – an dieser Stelle freilich nur mit den Eckdaten darzustellen ist. Unterm Strich hat Bastian Schulz offensichtlich mit seiner Bachelorarbeit überzeugt: Note 1,7. „Später sehe ich mich im Sport – im Management, auf der Trainerschiene oder im Scouting-Bereich.“ Dabei hat er schon wieder weitere Möglichkeiten im Kopf, sich für die Karriere nach der Karriere vorzubereiten. Allerdings: Ein Ende für seine aktive Karriere kann er im Moment noch gar nicht absehen, „ich fühle mich unglaublich fit.“ Er brennt auf seinen nächsten Einsatz für den VfL…


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