Von Italien nach Osnabrück VfL-Neuzugang Robert Kristo über eine Odyssee und sein Hairstyling

Von Stefan Alberti

Nach seinem ersten VfL-Punktspieltor (beim 3:0 gegen Erfurt): Robert Kristo (rechts) jubelt mit Christian Groß. Foto: KemmeNach seinem ersten VfL-Punktspieltor (beim 3:0 gegen Erfurt): Robert Kristo (rechts) jubelt mit Christian Groß. Foto: Kemme

Osnabrück. Ein Mann wie ein Baum, eigentlich immer gut gelaunt – und im Team des VfL Osnabrück der Fußballer, der in Sachen Hairstyling ganz vorne liegt. Die Rede ist von Robert Kristo, der mit seinen gerade mal 23 Jahren schon viel von der Welt gesehen hat – und das nicht immer freiwillig…

Leider könne er sich im Moment nur auf Englisch unterhalten, gibt Robert Kristo gleich zum Auftakt des Gesprächs zu verstehen. Kein Problem. Aber seit gut zwei Wochen sei er dabei, allmählich die deutsche Sprache zu erobern. Über den Online-Weg, „bestimmt drei Tage in der Woche mehrere Stunden“, hämmere er sich derzeit die Grundbegriffe ein. „Aber mal ganz ehrlich: Zuletzt in Italien sind die Wörter ganz anders geflossen“, stellt der 23-Jährige mit einem Augenzwinkern fest. Beispiel gefällig? „Eeeentssschuuldiiguung“ sage man in Deutschland. „Hey, in Italien sagt man einfach ,scusi’ und fertig.“ Irgendwie hat er recht.

Amerika – die zweite Heimat

In seiner aktuellen Lieblingssprache schildert Robert Kristo dann eine Odyssee, an die er sich teilweise auch nur über die Erzählungen seiner Eltern zurückerinnern könne: 1993 sei er in Travnik (Bosnien-Herzegowina) zur Welt gekommen, „und es war Krieg“. Dieser Bosnienkrieg habe seine Eltern gezwungen, nach Kroatien zu flüchten, „da war ich nicht mal ein Jahr alt“. In Kroatien habe die Familie jedoch nur kurze Zeit Ruhe gefunden, „der Krieg fraß sich weiter vor – und wir mussten weiter flüchten, diesmal für kurze Zeit nach Deutschland und später nach Schweden“. Zweieinhalb Jahre alt und eine solche Reise? „Nicht schön, meine Eltern mussten fast alles zurücklassen, ihrer Heimat den Rücken kehren.“ Weiterlesen: „VfL verpflichtet Mittelstürmer Robert Kristo“

Schweden sollte für die Kristos auch nur eine Übergangsstation bleiben: „Wir wurden wieder zurückgeschickt nach Kroatien, wo der Krieg immer noch wütete.“ Seine Eltern hätten sich einfach nur nach einem „besseren und friedlichen Leben gesehnt“ – mit dem kleinen „Robby“ im Schlepptau. Dieser Wunsch sollte dann endlich in Amerika in Erfüllung gehen, „die nächste Flucht, als ich fast sechs Jahre alt war“. In den USA hätten seine Eltern Fuß fassen können, Mutter und Vater hätten beide in einem Unternehmen eine Anstellung gefunden. Amerika – die zweite Heimat. Später seien weitere Verwandte nachgekommen, „ich ging dort zur Schule, schlug meinen sportlichen Weg ein und besuchte die Universität“. Womit wir wieder bei einem fröhlicheren Thema sind: Fußball an der Saint Louis University. Hier wurde Robert Kristo auch erstmals mit dem Namen Osnabrück konfrontiert, weil er mit Marco Heskamp, Sohnemann des früheren VfL-Profis und Geschäftsführers Ralf Heskamp, im Universitäts-Team (SLU Billikens) zusammenspielte. „Über diesen Weg habe ich auch Marcos Eltern und Bruder Sandro kennengelernt.“ Weiterer „Osnabrück-Trumpf“: Uni-Coach Mike McGinty sei sehr gut mit dem heutigen VfL-Cheftrainer Joe Enochs befreundet. Das habe dann dazu geführt, dass er bereits vor zwei Jahren in Osnabrück vorgespielt habe, ohne dass damals schon ein Transfer realisiert worden sei. „Nun hat es glücklicherweise im Sommer geklappt – nach einem doch nicht befriedigenden Fußballer-Dasein in Italien.“ Na ja, und die Heskamps stünden ihm nun immer mit Rat und und Tat zur Seite, „Sandro hat mir bei vielen Formalitäten geholfen“.

Neue Frisur

Bleibt noch das Thema Hairstyling: „Ich denke, dass hier im mannschaftsinternen Ranking nur Nazim Sangaré ein ernsthafter Konkurrent ist“, schmunzelt der Mittelstürmer. „Ansonsten probiere ich gerne neue Frisuren aus, ich bin jung, 23 Jahre alt – so bin ich halt.“ Ganz frisch habe er sich gerade wieder einen neuen Putz verpassen lassen, den die Öffentlichkeit am Samstag beim Spiel gegen Großaspach (22. Oktober) gerne bewundern dürfe. Vielleicht garniert mit einem weiteren Kristo-Tor? Siehe da, für die Beantwortung dieser Frage kramt der Fußballer erfolgreich in seinen neuen fußballspezifischen Deutschkenntnissen: „Schön wär’s. Abwarten. Ich denke von Spiel zu Spiel.“

Weiterlesen: „Kristo: Der Joker, der 22 Sekunden zum Tor brauchte“


Robert Kristo

  • Geboren: 14. Mai 1993
  • Nationalität: Amerikanisch/Kroatisch
  • Größe: 1,95 Meter
  • Position: Mittelstürmer

Letzte Stationen:

Saison 2015/16

  • SS Fidelis Andria – 3. Liga Italien – 9 Einsätze/1 Tor (ausgeliehen von Spezia Calcio/2. Liga Italien)
  • AC Tuttocuoio – 3. Liga Italien – 9 Einsätze/1 Tor (ausgeliehen von Spezia Calcio/2. Liga Italien)

Jugendverein: Saint Louis University