Athletiktrainer nun auch beim DFB VfL Osnabrück: Henrik Frach durchschaut die Profis

Technik-Check: VfL-Athletiktrainer Henrik Frach (rechts) und VfL-Profi Bastian Schulz. Foto: Moritz FrankenbergTechnik-Check: VfL-Athletiktrainer Henrik Frach (rechts) und VfL-Profi Bastian Schulz. Foto: Moritz Frankenberg

Osnabrück. Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte. Keine Angst, es folgt jetzt keine Love-Story. Nein, die Geschichte dreht sich um den Profifußball. Um den VfL Osnabrück und dessen Athletiktrainer Henrik Frach.

Warum das eingangs erwähnte Sprichwort zu dieser Story passt? Ganz einfach. Weil Henrik Frach trotz moderner Trainingsmethoden (die wir später noch genauer beschreiben) letztlich auch seinem sportwissenschaftlich geschulten Menschenverstand vertrauen kann. „Ganz wichtig ist der Blick in die Augen des Spielers“, sagt der 28-Jährige. Ärger in der Familie oder andere Probleme – vor Henrik Frach nur schwer zu verbergen. Was auch mit seiner Vertrauensposition zusammenhängt, die er im Team genießt. „Auf diese Art und Weise bin ich dann manchmal eine Art Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainerteam.“

Zum Gesamtbild eines Spielers tragen natürlich auch die Leistungsdaten bei, die der Sportwissenschaftler täglich geliefert bekommt. Womit wir bei den modernen Trainingsmethoden sind. Polar Team System – das sind die entscheidenden drei Worte. Ein ausgeklügeltes System. Viel Technik halt, die die VfL-Profis mittels Brustgurt mit sich herumtragen. „Während des Trainings kann ich zum Beispiel auf dem Tablet sehen, in welchen Herzfrequenzbereichen die Spieler sich bewegen, welche Sprints sie einlegen, welche Ruhepausen, wie viel Kilometer sie insgesamt laufen“, erläutert Henrik Frach. Ein bisschen der „gläserne Profi“, oder? „Vielleicht. Für manche Spieler ist es anfangs ungewohnt. Aber für die heutige Fußballer-Generation ist diese Methode auch oft selbstverständlich. Einige Spieler kommen direkt nach dem Training zu mir und wollen wissen, wie die Werte sind.“ Das System setze die Trainingssteuerung noch einmal auf ein anderes Level, „da sind wir in der 3. Liga sehr fortschrittlich unterwegs“.

Frische ist am Wichtigsten

Die Diskussionen, die gerne um das Für und Wider von „Laptop-Trainern“ geführt werden, will Henrik Frach gar nicht bewerten. Er sagt nur dies: „Die jüngere Generation von Trainern und Sportwissenschaftlern trainiert anders, nicht unbedingt immer besser als früher. Für mich ist der wichtigste Aspekt, dass die Spieler am Wochenende frisch sind – nicht zu 90, sondern zu 100 Prozent. Fehlende zehn Prozent können den Sieg kosten.“ Und um allwöchentlich dieses Ziel zu erreichen, arbeitet der Athletiktrainer täglich, ständig und sehr eng mit VfL-Chefcoach Joe Enochs, mit den anderen Trainern sowie mit den Physiotherapeuten um „Chef-Physio“ Günter Schröder zusammen. Im Team würden die besten Lösungen für jeden einzelnen Spieler besprochen. „Nach dem Spieltag und dem Regenerationstraining wird zum Beispiel oft die folgende Woche im Detail geplant. Wie setzen wir die jeweiligen Belastungen? Wie wollen die Trainer im taktischen Bereich arbeiten – vor allem auch im Hinblick auf den nächsten Gegner?“

Dass in Osnabrück gerade im Athletikbereich fortschrittliche Arbeit geleistet wird, ist offensichtlich auch dem Deutschen Fußball-Bund nicht verborgen geblieben. Jedenfalls ist Henrik Frach seit einigen Wochen auch bei den U-18-Junioren des DFB im Boot: „Im Sommer hat mich Krunoslav Banovcic angerufen, ob ich mir das vorstellen könne. Er ist der Fitnesscoach der U21 und Koordinator in diesem Bereich. Na ja, und für den DFB zu arbeiten ist schon eine Ehre“, freut sich der Mann, der mittlerweile schon im dritten Jahr für den VfL arbeitet – und in der Vergangenheit zwischendurch immer mal wieder durchaus ungewöhnliche Sportprojekte betreut hat: „Während meines Studiums in Köln, Lüneburg, Hamburg und Osnabrück war ich auch viel in der Weltgeschichte unterwegs. In Neuseeland war ich für die Fußball-Akademie des Ex-Profis Wynton Rufer im Einsatz. In der Mongolei habe ich an Schulen Sportunterricht gegeben.“

Immer für neue Herausforderungen und Aufgaben zu haben, dieser Henrik Fach. Um das zu spüren, reicht in diesem Fall mal ein Blick in seine Augen…


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