Sonntag schlägt Samstag Warum verlor der VfL vom ersten zum zweiten Heimspiel 2500 Zuschauer?

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Der Wunschtermin der Zuschauer ist und bleibt der Freitagabend, wenn das Flutlicht brennt. Foto: Helmut KemmeDer Wunschtermin der Zuschauer ist und bleibt der Freitagabend, wenn das Flutlicht brennt. Foto: Helmut Kemme

Die Stimmung war großartig, Spieler und Zuschauer hatten aneinander und miteinander Freude. Und doch stimmte etwas nicht beim 3:2-Sieg des VfL Osnabrück gegen den 1. FC Magdeburg.

Innerhalb von neun Tagen verlor der VfL Osnabrück 2500 Zuschauer. Am 7. August waren 11573 Besucher beim Gastspiel des MSV Duisburg in der Osnatel-Arena, am 14. August sahen 8722 Zuschauer die Partie gegen den 1. FC Magdeburg.

Bereinigt man die Zahlen um die Gästefans, ist die Vergleichbarkeit gegeben: Etwa 1800 MSV-Anhängern standen 1400 Magdeburgern gegenüber. Das bedeutet, dass gegen den MSV 9800 Fußballfreunde aus der Region im Stadion waren, gegen den FCM nur 7300.

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Selten erlaubt die Konstellation eine derart gute Vergleichbarkeit: In beiden Fällen waren attraktive Gegner zu Gast, in beiden Fällen hatte der VfL mit guten Auswärtsleistungen geworben – vor dem Duisburger Spiel gab es das 1:0 in Münster, vor dem Magdeburg-Match ein 2:2 in Mainz.

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Mag sein, dass die Partie gegen den Absteiger MSV ein bisschen attraktiver war, immerhin war es auch die Heimpremiere der Saison. Aber das erklärt nicht die Differenz von 2500 Zuschauern innerhalb einer Woche – zumal das 1:1 gegen den MSV gute Fußball-Unterhaltung bot und eher zum Wiederkommen als zum Wegbleiben animierte.

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Das Thema beschäftigt auch die Verantwortlichen des VfL. Trainer Joe Enochs wunderte sich am Rande der Pressekonferenz über die niedrige Zahl, am Sonntag diskutierte er darüber im Trainerteam. Manager Lothar Gans machte sich ebenfalls Gedanken und zog einen Vergleich mit dem Gegner: „Magdeburg hatte 15000 beim ersten Heimspiel und verlor 0:3. Trotzdem kamen beim nächsten Mal wieder 15000.“

Die Suche nach den Ursachen führt zwangsläufig zum Spieltermin: Sonntag schlägt Samstag. Obwohl der Sonntag beim VfL in der 3. Liga kein häufiger, kein „gelernter“ Termin ist, passt er dem Osnabrücker Zuschauer offenbar besser in seine Wochenendplanung. Oder anders formuliert: Der frühe Samstagnachmittag ist vermutlich der besucherunfreundlichste Termin, zumindest hierzulande.

Vor allem, weil er es vielen Menschen, die samstags arbeiten, schwer bis unmöglich macht, ins Stadion zu kommen. Auch in den üblichen Ablauf eines Familien-Wochenendes mit Großeinkauf und gemeinsamen Mahlzeiten fügt sich der Termin nicht gut ein. Wer aus dem Umland anreist, muss Zeit für Parkplatzsuche und Kartenkauf einplanen und zwischen 12 und 12.30 Uhr aufbrechen, um pünktlich da zu sein.

Wenn dann die TV-Berichterstattung der VfL-Spiele live, kostenlos und ausführlich serviert wird, fällt es manchem potenziellen Stadiongänger leicht, zu Hause zu bleiben. „Ich höre das immer öfter, gerade von jüngeren Leuten mit Familie“, sagt Gans, „die setzten sich gemeinsam hin und gucken das Spiel im Live-Stream.“

Inzwischen wird die Mehrzahl der Osnabrücker Samstagspiele via Stream im Internet live gezeigt. Angesichts der Verfügbarkeit und Qualität dieser Angebote, die für die 3. Programmen der öffentlich-rechtlichen Sender quasi Abfallprodukte ihrer Berichte für die ARD-Sportschau sind, stehen diese Übertragungen fast gleichrangig neben denen im herkömmlichen Fernsehen. Das Spiel gegen Duisburg fand ohne TV-Kameras statt, die Magdeburg-Partie wurde im Stream des MDR und später in der Sportschau gezeigt.

Weil der VfL, die Bremer Brücke und das Publikum für attraktive Drittliga-Fußballkost stehen, werden die Heimspiele bevorzugt samstags angesetzt. Deshalb bekommen die Osnabrücker selten ihren Wunschtermin am Freitagabend, der auch die Zuschauer zusätzlich reizt, und auch kaum Sonntagspiele. Das Duell mit dem MSV war eine Ausnahme auf Wunsch der Sicherheitsbehörden, die keine Überschneidung mit dem Open-Air-Konzert im Schlossgarten wollten.

„Es wird interessant, den Vergleich mit dem nächsten Heimspiel fortzusetzen. Ich bin gespannt, wie viel gegen Wehen kommen“, sagt Gans. Am 9. September (19 Uhr) kommt es gegen den SV Wehen Wiesbaden zum ersten Spiel der Saison an einem Freitag und unter Flutlicht.


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