Ein Groundhopper berichtet Bruchwegstadion: Für Bundesliga zu klein, für 3. Liga zu groß

Von Christoph Berger

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Wenn die Gäste-Teams nicht viele Fans mitbringen, bietet sich den Mannschaften beim Einlaufen ins Bruchwegstadion ein Blick auf noch leerere Ränge. Foto: Christoph BergerWenn die Gäste-Teams nicht viele Fans mitbringen, bietet sich den Mannschaften beim Einlaufen ins Bruchwegstadion ein Blick auf noch leerere Ränge. Foto: Christoph Berger

Nachdem sich das Mainzer „Stadion am Bruchweg“ zu Beginn des neuen Jahrtausends zur stimmungsvollen Party-Zone entwickelte, in deren Hochphase die „Bruchweg-Boys“ um André Schürrle, Lewis Holtby und Adam Szalai den FSV Mainz 05 in die Europa-League-Qualifikation schossen, ist es mittlerweile wieder ruhiger geworden in der alten Heimat der 05er.

So ähnlich wie heute könnte es bereits in den 1980er- und den frühen 90er-Jahren gewesen sein, als die Mainzer ihre Heimspiele vor vergleichsweise überschaubarer Kulisse austrugen – während Auswärtsanhänger das Stadion noch als „Bruchbude“ titulierten. Geschehen weit vor Beginn der neuen Mainzer Zeitrechnung, die nicht erst an Fastnacht 2001 begann, als Jürgen Klopp zum neuen Trainer ernannt wurde. Man würde unterschlagen, dass die 05er bereits 1997 – noch mit dem Spieler Klopp – knapp am Bundesligaaufstieg scheiterten. Man unterlag am letzten Spieltag dem VfL Wolfsburg im direkten Duell im Stadion am Elsterweg. Lange ist es her, schon die Stadionnamen klingen wie aus einer anderen Zeit.

Narrhalla-Marsch prägt die Atmosphäre am Bruchweg

Mit dem sportlichen Aufbruch der Mainzer in ein neues Jahrtausend und dem damit verbundenen Umbruch des Vereins von der grauen Maus zum überregional beliebten Karnevalsverein, begann auch der Wandel des Stadions von der Bruchbude zum geliebten Provisorium. Der Zuschauerzuspruch und die Stimmung im Mainzer Stadion nahmen deutlich zu. Wollten Mitte der 1990er im Schnitt nur etwa 4000 Zuschauer die Heimspiele im Bruchwegstadion verfolgen, waren es in der Aufstiegssaison 2003/04 bereits 14800 Besucher. Es folgte eine Euphorie, die das Stadion trotz Erweiterungsbauten jährlich an seine Kapazitätsgrenze von etwa 20000 Besuchern brachte. Dirigiert vom ewigen Stadionsprecher Klaus Hafner und mit dem der Meenzer Fassenacht entnommenen „Narrhalla-Marsch“ als Tor-Jingle erwuchs eine für das Bruchwegstadion charakteristische Atmosphäre, die man noch einige Jahre zuvor nicht für möglich gehalten hätte und bei der die Grenzen zum Fußball-Event zeitweise fließend waren. Viele neue Besucher kamen sicherlich nicht nur aus rein sportlichem Interesse ins Stadion. Eine Entwicklung, die 2011 im Umzug in die neue Mainzer Arena mündete. Ob die Mainzer mit dem Umzug auch den letzten Schritt hin zu jenem Event moderner Prägung gegangen sind, das möge jeder für sich beantworten.

Manchmal kommt die erste Mannschaft an den Bruchweg zurück

Seit die erste Mannschaft des selbsternannten Karnevalsvereins in der neuen Arena vor der Stadt spielt, empfängt den heutigen Besucher des Bruchwegstadions wieder eine relative Ruhe. Sie wird nur gelegentlich durchbrochen, etwa wenn die Profis der 05er zu Vorbereitungsspielen an den Bruchweg zurückkehren, wie vor ein paar Tagen, als man dem Europa-League-Sieger FC Sevilla vor 3500 Zuschauern mit 0:1 unterlag oder am kommenden Sonntag, wenn der FC Rot-Weiß Erfurt von den Profis zum Härtetest empfangen wird.

Für die 3. Liga überdimensioniert

Zu den Spielen der zweiten Mannschaft kamen in der letzten Saison im Schnitt nur 1188 Zuschauer in das 13508 Plätze fassende und für die 3. Liga überdimensionierte Bruchwegstadion. Es ist wie bei den meisten Heimspielen von Reserve-Teams in der 3. Liga – so etwas wie Fußballatmosphäre kommt hier nur auf, wenn eine größere Anzahl Gästefans anreist und auf der fast 6000 Zuschauer fassenden Gegengerade für Stimmung sorgt. Ist das nicht der Fall, ist das lauteste im Stadion die Kommunikation der Aktiven untereinander, was ja mitunter auch ganz aufschlussreich sein kann. Die Mehrzahl der Mainzer Besucher trifft sich unter dem Dach der 3500 Zuschauer fassenden Haupttribüne, während sich im alten Fanblock auf der Südtribüne nur noch vereinzelt Fans der 05er verlaufen. Die Nordtribüne ist gar gänzlich gesperrt.

Rückbaupläne sind noch nicht umgesetzt

Bereits seit dem Sommer 2015 gibt es Rückbaupläne für das Stadion, nach denen die Hintertortribünen dem Bau einer neuen Geschäftsstelle und weiterer Trainingsplätze weichen sollen. Geschehen ist seit dem vergangenen Herbst, als sich der VfL dank einem herausragenden Marvin Schwäbe vor 1000 Zuschauern ein 0:0 gegen die kleinen Mainzer erkämpfte, allerdings nichts.


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