System variabel, eine Baustelle VfL Osnabrück verliert 1:2 im Test gegen FC Porto

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Schon stark im Jagen von Ball und Gegner: Die VfL-Profis (von links) Halil Savran, Christian Groß und Jules Reimerink verfolgen den Mexikaner Héctor Herrera (FC Porto). Foto: Helmut KemmeSchon stark im Jagen von Ball und Gegner: Die VfL-Profis (von links) Halil Savran, Christian Groß und Jules Reimerink verfolgen den Mexikaner Héctor Herrera (FC Porto). Foto: Helmut Kemme

Erkenschwick. Sein Testspiel-Highlight hat Fußball-Drittligist VfL Osnabrück gegen den FC Porto mit 1:2 verloren. Die positive Erkenntnis: Der neue VfL könnte taktisch variabler sein als im letzten Jahr. Negativ allerdings: Hinten rechts in der Abwehrkette gibt es eine riesige Baustelle.

Das liegt aber als letztes am 20-jährigen Marcel Ruschmeier, der beim Jubiläumsspiel zum 100. Geburtstag der Spielvereinigung Erkenschwick im Stimberg-Stadion dort überraschend begonnen hatte – und gleich an der Entstehung des 1:0 nach sieben Minuten beteiligt war: Als rechter Außenverteidiger war er die Linie entlang durchgestartet, hatte von Bastian Schulz aus der Mitte den Ball erhalten – und seine Hereingabe dann nicht blind, sondern überlegt hinter die Abwehr gesetzt. Perfekt für den mit seiner Kapitänsbinde eingelaufenen Marc Heider, der den Ball zum 1:0 versenkte.

Hier der Liveticker der Partie zum Nachlesen

Nun war absehbar, dass das engagierte Eigengewächs aus der Oberliga-Elf in der Folge Probleme bekommen würde mit dem eleganten, flinken, trickreichen Linksaußen des FC Porto: Yacine Brahimi (Marktwert laut transfermarkt.de: 22 Millionen Euro). Nach dem Verzicht von Trainer Joe Enochs auf den Einsatz von Testspielern wie zuletzt Konstantin Engel oder Jonas Nickel war es aber durchaus erstaunlich, dass Ruschmeier den Vorzug erhalten hat vor Lars Bleker.

Der Rechtsverteidiger-Backup der letzten Saison zeigte nach seiner Einwechslung in den letzten 25 Minuten einen fahrigen Auftritt, was offenbart, dass der VfL nach dem Kreuzbandriss von Kim Falkenberg ein Problem auf dieser Position hat: Dass Bleker mit einem Foul an Joao Carlos einen Elfmeter verursacht hat, war nicht seine einzige unglückliche Aktion gegen Porto. Im Gegensatz zu ihm dürfte Torhüter Frank Lehmann zu den Gewinnern der Partie zählen: Weil er den Strafstoß von Quintero stark aus dem Eck fischte und auch sonst viele starke Reflexe in einem Spiel zeigte, in dem er viel auf seinen Kasten bekam. (Weiterlesen: Lehmann über Casillas: Schade, dass er nicht spielte)

Porto mit internationaler Klasse

Porto, Champions League- Sieger von 2004 unter Trainer José Mourinho, hatte die vergangene Saison in Portugal hinter Benfica und Sporting Lissabon als Dritter abgeschlossen. Der 27-malige Meister Portugals hat sein Trainingslager in der Sportschule Kaiserau (Kamen) aufgeschlagen und startet Mitte August in die Liga und die Champions-League-Playoffs – also zwei Wochen später als der VfL, der am 31. Juli in Münster beginnt. Generell merkte man aber beiden Teams schwere Beine infolge hoher Trainings-Intensität in den vergangenen Tagen an.

Mit dem brasilianischen Verteidiger Felipe, dem Griechen Maxi Pereira auf rechts, dem 19-jährigen Supertalent Ruben Neves im Mittelfeld, dem mexikanischen Mittelfeldmann Héctor Herrera, dem Algerier Brahimi und Stürmer Vincent Aboubakar (Kamerun) stand in Erkenschwick trotz des Fehlens des Europameisters Danilo Pereira internationale Klasse auf dem Platz. Torwart-Legende Iker Casillas war zwar vor Ort, überließ seinen Platz im Tor aber je für eine Halbzeit José Sà und Andrés Fernandes. (Weiterlesen: Stimmen zum Spiel)

VfL mit vielen Optionen

Weil der VfL den frühen Pfostenschuss von Aboubakar, der einen Fehlpass von David Pisot ausgenutzt hatte, mit dem 1:0 konterte, dauerte es durchaus ein wenig, bis der FC Porto die Initiative übernehmen konnte. Ab der 20. Minute agierten die Portugiesen bis zum Schluss klar feldüberlegen – vor allem vor der Pause konnte der VfL aber die Partie mit eigenen Offensiv-Aktionen stets offen halten. Auffällig agierten nicht nur Ahmet Arslan als kreative hängende Spitze und die flinken Außen Jules Reimerink und Bashkim Renneke – auch im Zentrum bildete der erfahrene Bastian Schulz mit seinem guten Auge ein gutes Gegenstück zum agilen Christian Groß. Und in der zweiten Hälfte deuteten der flinke Kwasi Okyere Wriedt und Bandenstürmer Robert Kristo an, dass auch sie in der Lage sein können, dem VfL eine größere Variabilität im Offensivspiel zu verleihen.

Weil der VfL dazu im Kollektiv stark gegen den Ball arbeitete, blieb die Anzahl der Großchancen für Porto im Rahmen. Das 1:1 fiel nach einem Eckball, als Innenverteidiger Marcano höher sprang als alle VfLer. Das 2:1 folgte einem Ballverlust von Groß, den ein Pass von Tobias Willers in Bedrängnis gebracht hatte, was Stürmer André Silva humorlos ausnutzte. „Wir werden gegen den Ball wohl beim 4-4-2-System bleiben, haben aber gesehen, dass wir offensiv auch ein 4-2-3-1 spielen können“, zog Trainer Joe Enochs ein zufriedenes Fazit.

Hier der Liveticker der Partie zum Nachlesen


VfL: Lehmann – Ruschmeier (62. Bleker), Pisot, Willers, Dercho (62. Hohnstedt) – Schulz (77. Tüting), Groß (77. Krasniqi) – Heider (62. Sangaré), Arslan (46. Wriedt), Reimerink (46. Renneke) – Savran (62. Kristo).

FC Porto: José Sà (46. Andrés Fernandes)– Maxi Pereira (46. Varela), Felipe (70. Chidzone), Marcano (70. Reyes), Layun (46. Alex Telles)– Ruben Neves (70. Quintero) – André Silva (46. Corona), Héctor Herrera (46. André André), Josué (46. Joao Carlos), Brahimi (70.Otavio) – Aboubakar (70. Hernani).

Tore: 1:0 Heider (7.), 1:1 Marcano (34.), 1:2 André Silva (66.).

Schiedsrichter: Benjamin Bläser.

Zuschauer: 1000 beim Jubiläumsspiel der Spielvereinigung Erkenschwick.

Gelbe Karte: Heider (VfL, 60., taktisches Foul).

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