Hopp-Dollars und EM-Service So viel VfL Osnabrück steckt im Fußball-Museum

Von Harald Pistorius


hp Dortmund. Wer „Deutsches Fußball-Museum“ hört, denkt an Nationalelf-Triumphe, Bundesliga-Sternstunden und die großen Stars. Und nicht an den VfL Osnabrück. Dabei ist das durchaus ein lohnender Gedanke.

Wer den luftigen Bau schräg gegenüber des Dortmunder Hauptbahnhofs betreten und die Kassen passiert hat, muss gleich auf der Rolltreppe gut aufpassen, um das erste lila-weiße Element nicht achtlos an sich vorbeiziehen zu lassen. Auf einer Länge von 30 Metern auf beiden Wandseiten machen gigantische Wimmelbilder das Entree ins Fußballmuseum zu einem Erlebnis. Dort tummeln sich Fans aller aktuellen und früheren Bundesligisten sowie der wichtigen DDR-Clubs; fahnenschwingend, in Trikots ihrer Vereine, prominente und unbekannte, junge und alte.

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Auf der linken Seite, nach etwa zwei Dritteln der Rolltreppe taucht er auf: der VfL-Fan. Lila-weiße Basecap, lila-weißer Schal, die Fahne zusammengerollt in der Hand. Er sieht zufrieden aus – weil sein Team gewonnen hat? Oder weil er es unrechtmäßig auf das Bild geschafft hat? Denn der Auftrag an die Künstlerin war eindeutig: Nur Fans der Clubs, die jemals in der Bundesliga gespielt haben. So, wie der SC Preußen Münster, dessen Wimmelbild-Vertreter neben dem VfLer platziert sind.

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„Ein Fanbild mit Münster und ohne den VfL – das geht doch nicht“, sagt die Künstlerin augenzwinkernd. Diana Köhne stammt aus Hagen a.T.W., inzwischen lebt die vielseitige Künstlerin in Hamm. Ihre Wurzeln, zu denen auch Besuche an der Bremer Brücke und eine Grundsympathie für den VfL gehören, hat sie nicht vergessen. Auch, wenn sie inzwischen dem BVB zugeneigt ist.

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In der Ausstellung, die packend, modern, multimedial, mit Witz und Charme die Entwicklung des deutschen Fußballs inszeniert, taucht der VfL einige Male auf. Im Bereich „Professionalisierung und Kommerzialisierung“ sind die Hopp-Dollars mit der Aufschrift „Eure Armut kotzt uns an“ ausgestellt, die Osnabrücker Fans im September 2007 beim Gastspiel in Hoffenheim verteilten – aus Protest gegen den gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegenen Club des Milliardärs Dietmar Hopp.

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Im Bundesliga-Karussell der Fan-Artikel finden sich der lila-weiße Gartenzwerg und der Schal „Osnabrücker Mädel“. Ex-Profi Ansgar Brinkmann erfährt als einer der großen Wandervögel mit den Pins aller seiner 16 Vereine eine Würdigung. Und auf der Anwesenheitsliste der Gründungsversammlung der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) vom 15. Juni 1987 stehen – neben Benno Möhlmann, Ewald Lienen, Charly Körbel und Guido Buchwald – die Unterschriften dreier Gründungsmitglieder aus Osnabrück: Michael Kalkbrenner, Neale Marmon und Dirk Gellrich.

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Mehrere Exponate und ein emotionaler Film erinnern an ein Spiel, das als Meilenstein des deutschen Frauenfußballs gilt: Am 2. Juli 1989 waren 22000 Zuschauer in der überfüllten Bremer Brücke dabei, als die Nationalmannschaft im EM-Finale Norwegen mit 4:1 besiegte. Teil der Legende rund um dieses Spiel wurde das Kaffeeservice, das der DFB damals als Prämie für Silvia Neid und ihre Mitspielerinnen ausgab. Ein Ensemble davon, von der heutigen Nationalelf-Managerin Doris Fitschen bereitgestellt, steht in der Vitrine, die sich dem großen Frauenfußball-Tag von Osnabrück widmet.


Das Deutsche Fußballmuseum befindet sich direkt am Dortmunder Hauptbahnhof. Geöffnet dienstags bis freitags (9 bis 18 Uhr) sowie samstags und sonntags (10 bis 18 Uhr). Infos über Preise (17 Euro, 14 Euro ermäßigt und Gruppen, Familienticket 55 Euro), Sonderaktionen, Veranstaltungen: www.fussballmuseum.de. Während der EM öffnet im Museum die EM-Arena mit TV-Leinwand, Sonderausstellung und Veranstaltungen.