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Früher gemeinsam in Osnabrück Ex-VfLer Lindemann und Nickenig in Thailand vereint

Von Christian Hesse

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Bangkok. Zwei ehemalige Spieler des VfL Osnabrück vertreten in Thailand die deutsche Fußballkultur. Während Björn Lindemann dies noch auf dem grünen Rasen versucht, ist mit Tobias Nickenig ein weiterer ehemaliger Lila-Weißer offiziell als Sportdirektor eingestiegen.

Zu Besuch bei der 2:4-Niederlage des BBCU FC Bangkok

Es sind noch knapp 30 Grad in Nonthaburi im Norden von Bangkok, als der Schiedsrichter die Erstliga-Partie zwischen BBCU FC und Nakhon Ratchasima FC um kurz vor 20 Uhr abpfeift. Auf dem Feld bejubelt der Ex-VfLer Björn Lindemann den 4:2-Auswärtssieg seiner „Swat Cats“ beim Aufsteiger; an der Seitenlinie freut sich ein alter und nun wieder aktueller Weggefährte des Spielmachers über den zweiten Saisonsieg im vierten Spiel: Tobias Nickenig, als rustikaler Abwehrhüne bei den VfL-Anhängern nicht in Vergessenheit geraten, ist seit Januar diesen Jahres Sportdirektor in Ratchasima. „Ich schleuse hier nach und nach meine Jungs ein. Bevor Nicke unter einer Brücke schlafen muss, hole ich ihn lieber nach Thailand“, erzählt Lindemann mit einem breiten Grinsen.

Lindemann: Ich bin wie ein guter Wein …

Doch auch der 32-jährige Mittelfeldspieler, der in 65 Spielen für den VfL, 16 Tore erzielte und 20 auflegte, macht sich langsam Gedanken um seine weitere Zukunft. „Ich bin wie ein guter Wein: Je älter, desto besser. Ich fühle mich fit und wenn es ohne Verletzungen gut geht, kann ich hier noch drei bis vier Jahre kicken. Das kann man in Thailand ganz gut machen“, erklärte der gebürtige Nienburger.

In der Tat sind die 90 Minuten, in der sich der Gastgeber nach einem 0:2-Rückstand wieder zurück ins Spiel kämpfte und zwischenzeitlich den Ausgleich erzielte, nicht von ganz hohem Tempo geprägt. „Das kann man heute vielleicht vergleichen wie kicken mit Freunden – ein bisschen Spaß, ein bisschen bolzen“, verrät Lindemann. Das sei in Thailand alles etwas anders.

Nickenig: Thailändischer Fußball teilweise wenig professionell

Das hat auch schon Nickenig, in seiner ersten Station als sportlicher Leiter zu spüren bekommen. „Das ist hier schon alles etwas abenteuerlich und teilweise wenig professionell. Hier kommen die Spieler fünf Minuten vor dem Training mit einer Hähnchenkeule im Mund zum Training“, lacht der frühere Innenverteidiger, der aufgrund mehrerer Knieverletzungen seine Fußballschuhe im vergangene Sommer endgültig an den Nagel hängte.

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Die Entwicklung in Deutschland gängiger Methoden in der sportlichen Leitung einer Mannschaft, die Anschaffung eines Kältebeckens oder die aktuelle Kadergröße von monströsen 35 Spielern auf 23 zu senken, sei halt nicht so einfach. „Man muss den Thais jeden einzelnen Schritt erklären, sonst klappt das nicht. Das ist oft sehr anstrengend. Zudem benutzen Lokalpolitiker die Vereine oft als Werbemittel zu eigenen Zwecken und schleusen Spieler ein, die wenig können“, berichtet der 31-Jährige über seine ersten Erfahrungen.

Lindemann will weitere Deutsche verpflichten

Die Entwicklung gehe jedoch in die richtige Richtung. „Wir haben jetzt eigene Jugendteams gegründet, um die Nachhaltigkeit im Verein zu fördern. Das gab es vorher gar nicht“, erklärt „Nicke“. „Die Entwicklung hat sich teilweise schon verbessert. Ich versuche, für die Zukunft mehr Connections aufzubauen, wie Nicke, noch ein paar Deutsche rüberzuholen. Wer weiß, vielleicht hat man dann eine gute Truppe zusammen und kann hier eine Art Business-Fußball starten. Da laufen wir drauf zu und mal schauen, wie sich das entwickelt“, verrät Lindemann seine Zukunftspläne.

Lindemann: Vielleicht ja doch noch mal beim VfL…

Eine Rückkehr nach Deutschland oder gar zum VfL scheint dabei erst mal ausgeschlossen zu sein. „Ich habe hier einen guten Namen und so lange ich noch gefragt bin, kann ich hier mit Fußball am besten Geld verdienen. Aber wer weiß: Vielleicht komme ich in einer anderen Art und Weise noch mal zurück zum VfL“, sagt Lindemann, der mittlerweile in seiner fünften Saison in Thailand spielt. Dass er, wie auch einige andere Spieler aus der VfL-Saison 2009/10 in den VfL-Internetforen in den Wechselphasen immer wieder als Neuzugang gewünscht wird, macht ihn stolz. „Natürlich freue ich mich darüber. Auf der einen Seite hört man noch oft das Negative, umso mehr freut mich die positive Resonanz. Ich denke, dass ich beim VfL nicht alles falsch gemacht habe.“

Gänsehaut bei Erinnerungen an Zeit bei Lila-Weißen

Die super Zeit bei den Lila-Weißen mit dem Einzug ins Pokal-Viertelfinale und dem Aufstieg in die 2. Liga, werden beide nie vergessen. „Die ganze Stadt war elektrisiert. Noch jetzt bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an so manche Spiele zurückdenke“, sagt Lindemann strahlend. Die vielen lustigen Aktionen bei der Aufstiegsfeier und der Mannschaftsfahrt auf Mallorca seien dabei ebenfalls nicht in Vergessenheit geraten.

„Aktueller VfL-Kader hat starken Teamgeist

Neben dem VfL spielt aktuell in der 3. Liga mit dem 1. FC Magdeburg ein weiterer Ex-Verein Lindemanns um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Wen er nun mehr die Daumen drückt, verrät der 32-Jährige nicht konkret. „Ich glaube, dass der FCM in den letzten Wochen zu viele Punkte liegen gelassen hat. Über die gute Entwicklung beim VfL unter Joe Enochs bin ich schon überrascht. Ich drücke ihnen auch die Daumen. Doch muss ich ehrlich sagen: So stark sehe ich den VfL-Kader eigentlich nicht. Das Team hat aber einen starken Teamgeist und fightet sehr gut“, erklärt Lindemann, der sich, meist tief in der thailändischen Nacht, so viele Spiele aus Deutschland wie möglich im Fernsehen oder Internet anschaut. „Man weiß nie, wo man später mal landet und für was es gut sein kann“, sagt Lindemann, ehe er mit dem Mannschaftsbus die vierstündige Heimreise von Bangkok nach Ratchasima antritt. „Wir haben eine Playstation 2 im Bus, machen noch eine Pause, das ist schon okay.“ Für Nickenig geht es mit dem Auto noch weiter ins Zentrum von Bangkok. Die zweite Halbzeit von Army United gegen Bangkok United lockt ihn ins gut 20 Kilometer entfernte Stadion. „Ein paar befreundete Leute von Army besuchen und einen Spieler beobachten, den wir vielleicht ausleihen wollen“, erklärt Nickenig seinen Auftrag. Sollten beide doch irgendwann zum VfL in einer gemeinsamen Mission zurückkehren, hätten die allermeisten VfL-Fans bestimmt nichts dagegen.

Alles über die Lila-Weißen findet sich hier.


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