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Neue Wege in der Vermarktung Sanierungskonzept: VfL wartet auf den letzten Mosaikstein

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Kurz vor dem Ziel: VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Rechts Präsident Hermann Queckenstedt. Foto: Helmut KemmeKurz vor dem Ziel: VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Rechts Präsident Hermann Queckenstedt. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Sportlich steht der VfL Osnabrück so gut da wie lange nicht, doch es gibt einige Baustellen rund um das Geschäft mit dem Profifußball. Wie kommt der VfL hier mit der Arbeit voran? Welche Entscheidungen stehen in den nächsten Woche bevor? Wir geben eine Übersicht über den Stand der Dinge.

Thema Sanierungskonzept: Seit knapp zwei Jahren arbeitet der VfL an einem Konzept, das den seit 2013 in eine Kapitalgesellschaft ausgegliederterten wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb des Profi- und Nachwuchsfußballs aus der Kurzatmigkeit befreien soll, mit der bislang nur Saison für Saison geplant werden kann. Der geplante Gläubigerverzicht der mit rund zehn Millionen Euro verschuldeten Stadiongesellschaft des Vereins ist der eine Schlüssel, die dadurch erst mögliche Einführung einer an die Spielklasse und die Einnahmen angepassten variablen Stadionpacht der andere.

Zurückgeblättert: Osnabrücker Stadtrat stimmt Forderungsverzicht zu

Inzwischen haben alle Gläubiger dem Forderungsverzicht zugestimmt, auch die Rahmenbedingungen zur Sanierung der Stadiongesellschaft sind abgesegnet. Allerdings unter einem Vorbehalt, den nur die Finanzbehörden auflösen können: Nur, wenn die Sanierungsgewinne steuerfrei bleiben, ist das gesamte Sanierungskonzept der Stadiongesellschaft als auch der Spielbetriebsgesellschaft (KGaA) des Vereins frei zur Umsetzung.

Wehlend: Gründlichkeit vor Schnelligkeit

„Unser Ziel war es, bis zum 31.12.2015 einen wirksamen Forderungsverzicht der Gläubiger bilanzieren zu können“, sagt Geschäftsführer Jürgen Wehlend, zusammen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Olaf Becker federführend bei der Arbeit am Sanierungskonzept, „aber auch bei der Entscheidung der Finanzbehörden des Landes Niedersachsen über die Steuerfreiheit der Sanierung unserer Stadiongesellschaft, handelt es sich um einen komplexen Prozess, bei dem letztlich Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht.“

Warten auf die Entscheidung der Steuerbehörden

Nach intensiven Verhandlungen, in denen der VfL auch nach dem 31. Dezember 2015 weitere Nachweise für die Prüfung der Sanierungseignung und Sanierungsfähigkeit des gesamten VfL erbringen musste, erwartet man nun die abschließende Entscheidung der Steuerbehörden.

„Die seit Herbst letzten Jahres laufende steuerliche Überprüfung im Rahmen einer sogenannten verbindlichen Auskunft war sehr intensiv. Aber das ist auch richtig so, denn die Sanierung eines Profifußballklubs ist und bleibt ein sensibles Thema, auch wenn für uns die vollständige Entschuldung des gemeinnützigen Traditionsvereins mit seinen Amateur- und Breitensportangeboten der Kern dieser Sanierung ist, denn die Stadiongesellschaft gehört zu 95% dem Verein und nicht der KGaA.“

Zustimmung „überwiegend wahrscheinlich“

Zwar hält man beim VfL die bei der laufenden Lizenzierung zur 3. Liga – die Ausschlussfrist für die Einreichung der Antragsunterlagen endet am 1. März um 15.30 Uhr – erforderliche Zustimmung der Steuerbehörden für „überwiegend wahrscheinlich“, möchte der Entscheidung aber nicht vorgreifen. Beteiligt sind das Finanzministeriums in Hannover, die Oberfinanzdirektion in Oldenburg und das Finanzamt Osnabrück-Stadt. „Ich bin überzeugt, dass alle Beteiligten mit Hochdruck, aber auch Sorgfalt und dem von uns in den vielen Gesprächen der letzten Wochen wahrgenommenen Verantwortungsbewusstsein arbeiten.“ schätzt Wehlend den aktuellen Stand ein.

Vor einem Meilenstein der Klubgeschichte

Sollten die Finanzbehörden die Steuerfreiheit der Sanierungsgewinne bescheinigen, wäre der Weg zur Realisierung des Sanierungskonzeptes frei. Der VfL könnte die seit langem beabsichtigte Drei-Säulen-Strategie der infrastrukturellen Entwicklung, Stärkung der Marke und des wirtschaftlichen Wachstums in Angriff nehmen. Es wäre ein Meilenstein in der Klubgeschichte.

Weiterlesen: Geschäftsführer Jürgen Wehlend über das Sanierungskonzept

Themen Stadionname/Trikotsponsor: Sowohl der Vertrag mit EWE über das Namensrecht an der Osnatel-Arena als auch der Vertrag mit der Sparkasse über das Trikotsponsoring läuft Ende der Saison aus. Auf der Suche nach neuen Partnern arbeitet der VfL seit Januar 2016 mit dem freien Vermarktungsprofi Jörg Ullmann (früher u.a. RTL, Ufa Sports und hier für die Vermarktung von Klubs wie St. Pauli, Union Berlin, 1. FC Heidenheim, Darmstadt 98 und FC Ingolstadt verantwortlich) zusammen. Laut Wehlend handelt es sich um ein befristetes Projekt zur Vorbereitung der neuen Saison, um die Expertise und das Netzwerk des Spezialisten für die Gewinnung neuer, auch überregionaler Partner zu nutzen.

Thema Vermarktung: Wehlend bedauert das Ausscheiden seiner Teamleiterin Maren Knappmeier, die nach einem Jahr beim 1. FC Nürnberg und knapp drei Jahren beim VfL dem Vernehmen nach den Profifußball verlässt. „Es war eine sehr intensive und erfolgreiche Zeit mit Höhen und durchaus auch Tiefen. Nach der Übernahme der Vermarktungsrechte durch den VfL hat Maren Knappmeier die Eigenvermarktung konsequent vorangetrieben. Das war kein leichter Job. Im Gegenteil, denn es gab anfangs auch viel Gegenwind.“

Weiterlesen: Aufsichtsrats-Chef Olaf Becker über das Sanierungskonzept

Unabhängig von diesem Schritt ist der VfL dabei, die Zusammenarbeit mit einer Agentur als Alternative zur bisher praktizierten Eigenvermarktung zu prüfen. „Das ist ein ausdrücklicher Auftrag des Aufsichtsrates aus dem Jahr 2014 an die Geschäftsführung, dem wir im Rahmen der nach einer Entschuldung möglichen Wachstumsstrategie nachkommen“, betont Wehlend, der alle Möglichkeiten von der überregionalen Teilvermarktung durch eine Agentur bis hin zur kompletten Übergabe an ein externes Unternehmen „ohne Tabus“ prüft. Grundsätzlich gehe es darum, die Wachstumspotenziale jenseits der derzeit erzielten Sponsoring-Einnahmen von knapp vier Millionen Euro pro Saison zu steigern.

Weiterlesen: Vermarktungschefin Maren Knappmeier über das Sponsoring beim VfL

Thema Sportdirektor: Lothar Gans, inzwischen einer der dienstältesten Manager im deutschen Profifußball, wird am Saisonende aufhören, soll aber – möglicherweise in anderer Funktion – dem Verein erhalten bleiben. Wehlend und Cheftrainer Joe Enochs wissen, wie wertvoll die Erfahrung und die persönlichen Kontakte des Routiniers für den VfL sind.

Vorerst ohne neuen Sportdirektor?

Auf der Suche nach einem Nachfolger hat es zwar vielfältige Gespräche mit diversen Kandidaten gegeben, doch der Geschäftsführer bestätigt indirekt, dass die Besetzung der Position derzeit nicht die erste Priorität hat: „Joe Enochs ist über seine Funktion als Cheftrainer hinaus der Mann, der schon seit 2013 als elementarer Teil eines Teams für das sportliche Gesamtkonzept des VfL steht. Das ist nur möglich, weil es im sportlichen Bereich unseres Klubs eine hohe Fachkompetenz, ein starkes Netzwerk im deutschen Profi- und Nachwuchsfußball sowie ein unabdingbares Vertrauen gibt. Lothar ist für uns ein ganz wichtiger Teil dieses Teams.“ Durchaus möglich, dass der VfL in dieser Konstellation zumindest in der 3. Liga erst mal weiter arbeitet und auf die kostenintensive und durchaus nicht unkritische Einstellung eines Sportdirektors zunächst verzichtet.


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