Paskert reist mit dem VfL Fan des VfL Osnabrück zum vierten Mal mit im Trainingslager

Von Benjamin Kraus

In der Mitte des Teams: Jörg Paskert (vorne, im Rollstuhl) mit dem 21-jährigen Daniel Poeppelmann (rechts daneben) und den VfL-Kickern in Belek. Foto: imago/EibnerIn der Mitte des Teams: Jörg Paskert (vorne, im Rollstuhl) mit dem 21-jährigen Daniel Poeppelmann (rechts daneben) und den VfL-Kickern in Belek. Foto: imago/Eibner

Osnabrück/Belek. „Er ist immer da“, sagt Manager Lothar Gans. Und wer Motto und Selbstverständnis des VfL und der Osnabrücker Fans auch nur ein bisschen kennt, weiß: Es gibt kein größeres Kompliment für Jörg Paskert als diesen simplen Satz. Der langjährige Anhänger des aktuellen Drittligisten hat die Fußballer nach Belek ins Trainingslager begleitet – eine weitere Reise in einem ereignisreichen Leben als Lila-Weißer.

„Ich feiere meine Türkei-Premiere – zuvor war ich schon dreimal in Marbella dabei“, erzählt der 49-Jährige, der Ende der 1980er seine Liebe zu Lila-Weiß entdeckt hat. „1985 sind ein paar Leute aus meiner Clique aus meinem Geburtsort zum ersten Mal an die Bremer Brücke gefahren – und haben begeistert vom 3:3 und der guten Stimmung erzählt“, erinnert sich das Mitglied der ersten Stunde im Fanclub Coesfeld und gibt grinsend zu: „Ich habe das als Schüler zuerst für eine Modeerscheinung gehalten.“ Dann aber folgte auch er dem Ruf der Brücke, die ihn sofort einnahm – bis heute. Eine Leidenschaft, die ihm auch der Unfall nicht nehmen konnte, der sein Leben verändert hat.

Ein Unfall verändert das Leben

Im Jahr 2000 war es, als Paskert bei einem Sturz so unglücklich mit dem Rücken auf Treppenstufen fiel, dass er sich eine Querschnittslähmung zuzog und seither im Rollstuhl sitzt. Paskert kann ohne Groll darüber sprechen, erwartet keine Spezialbehandlung. „Als behinderter Fußball-Reisender bekommt man noch einmal einen ganz eigenen Blick auf die Dinge“, sagt er – und meint nicht nur seine Erlebnisse in fremden Stadien und Städten.

Die reichen von eher beklemmenden wie in Dresden oder Rostock („Dort verstecke ich lieber meine VfL-Schals, dazu darf ich im Stadion nicht in den Rollstuhlblock, weil man nicht für meine Sicherheit garantieren kann“) bis zu unglaublich schönen wie die Herzlichkeit der Menschen, die er im bayerischen Burghausen erlebte: „In der Kneipe am Bahnhof haben die Menschen in ihrem komischen Dialekt immer schon gefragt, wann wir wiederkommen. Irgendwann glaubte ich, die ganze Stadt zu kennen“, sagt er und erinnert sich an die legendäre Aufstiegsfeier im Jahr 2010, weit von Osnabrück entfernt. (Zurückgeblättert: 830 VfL-Fans reisen nach Burghausen )

Wer Paskert zuhört, wenn er erzählt, wie er mit Freundin Bettina einst in mehreren Taxi-Irrfahrten verzweifelt versucht hat, die Heimspiel-Stätte von Arminia Hannover zu finden, oder wie er in dieser Spielzeit dem VfL aufs Land nach Großaspach nachreiste – erst per Zug, dann mit der Bummelbahn und schließlich mit dem Taxi – weiß: Der Weg ist das Ziel für den 49-Jährigen. Und die Bekanntschaften, die er unterwegs schließt mit seiner offenen, ehrlichen Art, die ihn in der lila-weißen Szene bekannt macht.

Viele schöne Fan-Erinnerungen

Wie auch bei den Fans von Union Berlin: „Die haben mich dort immer Osnase genannt“, erinnert er sich lachend an diverse Ausflüge an die Alte Försterei rund um die Jahrtausendwende – beginnend schon vor der Zeit, als er selber beruflich nach Berlin zog. Paskert arbeitet bei der Post, lebt nun in Hamm und ist inzwischen Betriebsratsvorsitzender im Bereich Kundenservice in Münster. „Unser Hausmeister ist Preußen-Anhänger. Die Debatten mit ihm sind immer recht lebhaft“, sagt Paskert lachend.

Nah dran am VfL-Team

Aktuell sieht der 49-Jährige, der alle Einheiten des Teams in Belek beobachtet hat, den VfL auf einem guten Weg. „Die Mannschaft gibt Gas, hat hier in der Türkei aber auch Spaß: Sie lachen viel zusammen und ziehen sich gegenseitig auf“, sagt er. Und den jungen Fußballern hat er selbst etwas mitgeben: Als das VfL-Team ihn und seinen Begleiter Daniel Pöppelmann – Neffe eines Coesfelder Fanclub-Mitglieds – auf das gemeinsame Mannschaftsfoto bat, brachte er zur Sprache, dass er Manager Lothar Gans ja schon beim größten Erfolg als Trainer im Stadion beobachtet hat. Die ungläubige Rückfrage von einem jungen Profi in Richtung des 62-jährigen VfL-Managers brachte Gans und Paskert zum Schmunzeln. ( Der Tag des VfL Osnabrück in Belek )

„Lothar? Du warst mal Trainer?“ lautete jene Frage. In der Tat. Beim legendären Aufstiegsspiel gegen Union Berlin im Jahr 2000, das der VfL mit 8:7 im Elfmeterschießen gewann. Paskert war im Stadion live dabei. Und er wird auch in der Rückrunde wieder stets live dabei sein...