Legendärer Torjäger wird 60 Paul Linz: Trainer beim VfL Osnabrück war mein Traum

Von Harald Pistorius


Osnabrück. Er ist einer der ganz großen Torjäger des VfL Osnabrück: Paul Linz stürmte von 1984 bis 1988 für die Lila-Weißen, erzielte 69 Punktspieltore und war der Kopf der Mannschaft, die 1985 in die 2. Bundesliga aufstieg und zwei Jahre später in die Spitzengruppe vorstieß. An diesem Montag feiert „Paule“ in seiner Heimatstadt Trier seinen 60. Geburtstag. Trainer ist er immer noch, aber im Mittelpunkt steht für ihn – Fußball-Golf.

Viele ehemalige Fußballprofis spielen Golf, Sie setzen auf Fußball-Golf. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Moment: Ich spiele auch richtiges Golf. Die Idee, Golf und Fußball zu verbinden, hatte ich, als ich mal wieder einige Spieler bei den üblichen Juxwettbewerben vor dem Training sah: Wer trifft die Eckfahne? Wer spielt den Ball so, das er möglichst nah am Mittelpunkt liegen bleibt? Als ich dann im Netz suchte, habe ich gemerkt, dass andere auch schon auf die Idee gekommen waren – in Skandinavien gibt es Fußballgolf schon seit über 15 Jahren.

Wie kamen Sie dann zur eigenen Anlage?

Eher zufällig kam ich in Kontakt mit den Betreibern des Freizeitparks Triolago in Riol, in der Nähe von Trier. Als die merkten, mit wem sie es zu tun hatten, haben sie das Projekt sofort gestartet. Wir haben ein großzügiges Gelände mit 28000 Quadratmetern. 18 Bahnen, wie beim Golf. Jede hat ein spezielles Hindernis, mal muss der Ball durch die Löcher einer Torwand gespielt werden, mal über Hürden geschlenzt, dann durch Reifen geschossen werden. Und weil wir ja hier an der Mosel in einer Weinregion sind, haben wir auch ein Weinfass als Hindernis dabei. Am Ende muss eingelocht werden – natürlich immer nur mit dem Fuß.

Wie läuft das Geschäft?

Mein Partner Dieter Lüders und ich können nicht klagen. Wir haben für jede Bahn einen Sponsor, die Resonanz ist gut. Vor allem natürlich in den Ferien, da haben wir von elf Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Unsere Saison beginn mit den Osterferien und endet mit den Herbstferien. Hier werden Kindergeburtstage gefeiert, es kommen viele Mannschaften, von der Jugend bis zu den Alten Herren. Das Einzugsbgebiet ist groß, die Anlage ist schnell populär geworden.

...was auch am Chef liegt. Der Linze-Paule ist in Trier eine Legende.

Kann schon sein, aber davon kann man nicht leben. Ich bin oft selbst auf der Anlage, mache Einführungsrunden und kümmere mich mit Begeisterung im die Pflege des Rasens. In Deutschland gibt es mittlerweile zwanzig solcher Anlagen, unsere soll einer der Besten sein – da habe ich genau denselben Ehrgeiz wie früher als Spieler oder Trainer.

Ihre alte Truppe vom VfL war auch schon da, hat in Trier die traditionelle Wiedersehensfeier veranstaltet, die alle fünf Jahre stattfindet. Wer hat denn im Fußball-Golf gewonnen – Ralf Heskamp oder Neale Marmon?

Keine Ahnung. Ich musste zwischendurch aufhören, weil ich mich auf der Anlage um was kümmern musste. Sonst wäre ich sicher vorn gewesen – wer sonst? Aber wichtig war unser Treffen. Ich glaube nicht, dass es in Deutschland eine ehemalige Profimannschaft gibt, die sich alle fünf Jahre trifft – jetzt schon zum fünften Mal. 17 Spieler von damals sind gekommen.

Trainer sind Sie auch noch – aber nur noch in der Oberliga, beim FSV Salmrohr. Können Sie sich als einer, der fast 40 Jahre Vollprofi als Spieler und Trainer war, mit den Gegebenheiten im Feierabendfußball anfreunden?

Leicht ist das nicht, zugegeben. Man muss sich umstellen, etwas lockerer sein und trotzdem Leistung verlangen. Wir trainieren vier Mal in der Woche abends, und man muss immer damit rechnen, dass der eine oder andere kurzfristig nicht kann. Ich hätte das auch nicht gemacht, wenn es nicht der FSV Salmrohr gewesen wäre. Hier habe ich meine aktive Laufbahn beendet, hier habe ich als Trainer angefangen. Und wie damals hat mich mein alter Freund Peter Rauen zum Einstieg bewegt.

Und dann haben Sie auf Anhieb den Rheinland-Pokal gewonnen und damit die Qualifikation für den DFB-Pokal geschafft.

Das hat dem Verein natürlich wirtschaftlich geholfen. Aber sportlich war es schlecht, denn das Spiel gegen den VfL Bochum hat alle abgelenkt und wir sind mit neun Niederlagen in die Saison gestartet – das ist mir noch nie passiert, als Trainer und als Spieler nicht. Aber dann haben wir uns gefangen und von den letzten zehn Spielen nur eins verloren. Wir werden den Klassenerhalt schaffen. Mittelfristig peilen wir die Regionalliga an.

Sie werden jetzt 60. Trauen Sie sich den Sprung zurück in den Profifußball noch zu? Immerhin liegt das letzte Engagement vier Jahre zurück, damals bei Borussia Neunkirchen.

Man muss realistisch sein und einfach mal auf die Liste der Trainer schauen, die zur Zeit keinen Verein haben. Dann sieht man, wie schwer es wird. Vor allem drängen immer mehr junge, gut ausgebildete Trainer nach, der Konkurrenzdruck ist viel größer geworden. Wir hatten alle unsere Zeit, ich bin nicht traurig, denn ich habe super Zeiten gehabt.

Was halten Sie von der Generation der Konzept-Trainer?

Wir waren ja auch mal junge Trainer und haben was Neues ausprobiert und das, was die Alten machten, in Frage gestellt. Aber keiner wird den Fußball neu erfinden. Wir haben schon damals in Osnabrück Pressing gespielt, und das Umschaltspiel hieß bei uns Kontern. Und eine falsche Neun habe ich beim VfL auch schon gespielt – es wusste nur keiner, dass das mal so heißen würde. Richtig ist, dass heute viel intensiver, mit hohem Aufwand und ganz anderem Personal auch im medizinisch-technischen Bereich gearbeitet.

Ihre größten Erfolge als Trainer feierten Sie beim SV Meppen und bei Eintracht Trier. Warum hat es eigentlich nie mit einem Engagement beim VfL geklappt? Im Gespräch waren Sie ja einige Male.

Ganz nah dran war ich 2003, als der VfL mit Jürgen Gelsdorf aufgestiegen war. Da wollten mich Lothar Gans und Ralf Heskamp holen. Ich hatte in meinem Vertrag bei Eintracht Trier zwar eine Ausstiegsklausel, aber ich konnte Trier nicht verlassen – wir hatten ein Jahr nach dem sensationellen Aufstieg gerade den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga geschafft. Es war immer mein Traum, in Osnabrück als Trainer zu arbeiten. Aber was nicht ist... Jupp Heynckes ist mit 68 zum FC Bayern zurückgekommen und hat sogar das Triple gewonnen... (lacht das typische Linze-Paul-Lachen).


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