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Nur die Klub-Besitzer Schwarze und Piepenbrock amtierten länger als Rasch Ein Präsident für die Fußball-Seele

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Osnabrück. Nur zwei Präsidenten in der Geschichte des VfL Osnabrück amtierten ähnlich lange wie Dirk Rasch. Der Unterschied zwischen dem am Freitag nach knapp 15 Jahren zurückgetretenen Rasch und den Langzeit-Präsidenten Friedel Schwarze (1951 bis 1969) und Hartwig Piepenbrock (1977 bis 1996): Den beiden Unternehmern gehörte der VfL dank ihrer wirtschaftlichen Macht als Mäzen oder Sponsor. Rasch brachte zwar viel mit, als er 1997 antrat. Aber kein Geld.

Dabei brauchte der Verein das damals dringender als jemals zuvor und danach. Zwischen März und Juni 1997 lag der VfL auf der Intensivstation, ein Jahr nach dem Ausstieg von Piepenbrock stand der Verein unmittelbar vor dem Konkurs. Über zwei Monate zogen sich die Verhandlungen über einen Bankenkredit hin. Während sich Finanzexperten, Klubfunktionäre und Politiker im Rathaus die Köpfe heißredeten, bettelten Fans auf dem Platz davor mitleidige Maiwochen-Gänger an.

Das Präsidium um den ehemaligen Stadtdirektor Heinz Heumann, das mit der Übernahme des VfL ein Jahr zuvor in letzter Minute die Bestellung eines Notvorstands durch das Amtsgericht verhindert hatte, war froh, als Sportdirektor Gerd-Volker Schock vier Männer präsentierte, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen.

„Die Hauptmotivation ist das Publikum“, sagte Rasch damals, als man ihn nach dem Grund für seine Bereitschaft fragte, „wenn zu einem Spiel gegen die Amateure des HSV 3000 Menschen kommen, dann ist das eine Verpflichtung, etwas zu tun, um diesen Verein zu erhalten.“ Am 21. Mai 1997 wurde Rasch gewählt, von 132 Mitgliedern, denen er versprach: „Wir bringen Fleiß, Engagement und Kreativität mit – aber wir brauchen die Unterstützung aller: Sponsoren, Fans, Zuschauer und Mitglieder.“

Es war der Tag, als der VfL begann, die Folgen der Alleinherrschaft von Piepenbrock abzuschütteln. Die war zwar in den Achtzigerjahren alternativlos gewesen, weil ohne das Geld aus dem Unternehmen des VfL-Präsidenten der Profifußball nicht zu finanzieren gewesen wäre. Aber dafür verlor der Verein die Bindung zu seinen Fans, den Rückhalt in der Region und die Sympathie bei den kleinen Vereinen.

Zusammen mit dem heute noch für den VfL tätigen Dieter Prütz sowie Henner Schulze und Mario Becker hauchte Rasch dem Verein neues Leben ein. Es war sein Glück, dass der sportliche Erfolg kam und die Aufwärtsentwicklung des VfL in eine Zeit fiel, in der der bis heute anhaltende Fußball-Boom richtig Fahrt aufnahm.

Manchmal versprach Rasch mehr, als er auf Anhieb halten konnte. Oft sah er die Dinge zu optimistisch, gelegentlich verstrickte sich der bekennende Fußball-Romantiker in Widersprüche zum real existierenden Ball-Business. Doch er blieb immer um Ausgleich bemüht, er grenzte nicht aus, sondern versuchte den schwierigen Spagat zu schaffen: Mensch zu bleiben im Fußball-Geschäft, von dem Insider immer sagen, wie schmutzig es doch sei.

„Wir haben es leider nicht geschafft, den VfL dauerhaft in der 2. Bundesliga zu etablieren, das ist schade“, sagte Rasch bei seinem Rücktritt, „aber wir haben es geschafft, den VfL in der Region und in der Gesellschaft zu verankern. Auch das ist etwas wert.“

Zuletzt litt seine innere Balance, sicher auch eine Folge des strapaziösen Auf und Abs mit dem Stehaufmännchen VfL, wahrscheinlich auch wegen seiner privaten Sorgen, die jetzt seine ganze Kraft und Zeit beanspruchen. Die Fehler seiner Amtszeit sind nicht vergessen, doch unter dem Strich bleibt mehr als eine simple Aufzählung von Erfolg und Misserfolg. Nämlich eine Erkenntnis, die man wohl nicht besser in Worte fassen kann als jener Langzeit-Fan, der als „Sielo“ ins Forum „Treffpunkt“ schrieb: „Was dem Verein nicht nur, aber zu einem nicht unerheblichen Teil dank dieses Präsidenten bleibt, ist das, was sich etliche andere Klubs mit ihrem ganzen Geld niemals werden kaufen können: Seele. Meine … Eure… Und dafür gebührt ihm mein Respekt.“

Es gab viel Zustimmung.


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