Interview mit dem Ex-VfL-Profi Tobias Nickenig: Mein Herz hängt an Osnabrück

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Osnabrück/Aue. Von 2009 bis 2011 köpfte, kämpfte und grätschte er im Abwehrzentrum des VfL Osnabrück. Tobias Nickenig war ein Publikumsliebling, außerhalb des Platzes ein sanfter Riese, auf dem Rasen ein unerschrockener Hüne. Inzwischen spielt er für Erzgebirge Aue, ist aber nach einem Bandscheibenvorfall noch nicht einsatzfähig. Das Pokalspiel des Zweitligisten am Freitag in Osnabrück lässt er sich aber nicht entgehen. Zwei Tage vorher sprachen wir mit dem Ex-Kölner über alte und neue Zeiten.

Einen verletzten Spieler darf man eigentlich nicht fragen: Wie geht´s Ihnen?

Gut, richtig gut. Denn ich habe gerade das erste Mal seit meiner Verletzung mit der Mannschaft trainiert. Nach eineinhalb Wochen, in denen ich für mich allein trainiert habe, ist das der nächste Schritt.

Wie ist es zu der Verletzung gekommen?

Bei einem Testspiel zu Beginn unserer Vorbereitung habe ich einen Schlag in den Rücken bekommen und bin dann auch noch unglücklich auf den Rücken geknallt. Als es dann bis in die Zehen gekribbelt hat, wusste ich, dass es was Ernstes ist, ein Bandscheibenvorfall. Es musste allerdings nicht operiert werden.

Es war Ihnen ziemlich bald klar, dass Sie das Pokalspiel in Osnabrück verpassen.

…und was hatte ich mich über die Auslosung gefreut! Umso mehr bin ich natürlich enttäuscht, dass ich nicht dabei sein kann. Vor allem, nachdem ich beim Relegationsspiel gegen Dynamo Dresden mal wieder dieser fantastische Stimmung an der Bremer Brücke erlebt habe.

Pokalspiele unter Flutlicht – da war doch was…

Mein Gott, was für eine Saison… Da gibt´s ein YouTube-Video, das habe ich mir schon x-mal angesehen. Diese Gänsehautstimmung, diese Anfeuerung – die Zuschauer haben uns zu den Siegen getragen.Unvergesslich…

Es begann mit einem Sieg gegen den Zweitligisten Hansa Rostock. Jetzt beginnt es für den VfL wieder mit einem Spiel gegen einen ostdeutschen Klub aus der 2. Bundesliga…

Ja, Kevin Schlitte und Oliver Schröder, die jetzt hier in Aue sind, haben das auf Rostocker Seite miterlebt – 2:1, Last-Minute-Tor von Schmitti.

Und dann die Siege gegen den Hamburger SV und Borussia Dortmund, später der Aufstieg. Es gab viel zu feiern, und auch da haben Sie nichts ausgelassen.

Ja, das schon. Klar haben wir uns mal einen schönen Abend gegönnt. Aber wir waren immer da, wenn es drauf ankam.

Nur einmal nicht…

Okay, Sie meinen die Geschichte mit dem verpassten Training. Das war damals nicht so schlimm, wie es dargestellt wurde. Aber zu dem Zeitpunkt war es natürlich ein Fehler, das hat viel Unruhe reingebracht. Das habe ich längst bereut, und auch die beiden anderen. Ich glaube, mit Linde wären wir damals nicht abgestiegen. Er hätte mit seiner Klasse noch das eine oder andere entscheidende Tor aus dem Nichts heraus gemacht.

Vor einem Jahr haben Sie mit dem VfL über eine Rückehr verhandelt. Warum hat es nicht geklappt?

Stimmt, Trainer Pele Wollitz wollte mich verpflichten. Aber dann kam das Angebot aus Aue, da hat mich dann die Perspektive 2. Bundesliga gereizt.

Und auch die erneute Zusammenarbeit mit Trainer Karsten Baumann?

Ja, natürlich, denn ich brauche wie so viele Spieler einen Trainer, der mir vertraut. Er hatte den Kontakt zu mir gesucht, als ich mich aus meinem Vertrag in der Türkei befreit hatte. Da waren die Gehaltszahlungen ausgeblieben und ich musste die Hilfe der FIFA beanspruchen, um mein Recht und die Freigabe zu kommen.

Köln, Vaduz, Osnabrück, Orduspor, Aue – Sie kommen viel rum. Wie fühlen Sie sich in Aue?

Ganz klar, es ist ein Standort, wie ich ihn mag. Die Fans sind super, viele fahren zu Auswärtsspielen mit. Ein bisschen kann man Aue mit dem VfL vergleichen: Es sind Städte, in denen sich viel um den Klub dreht und die Leute mitleiden und sich mitfreuen.

Karsten Baumann wurde in Aue gegen Saisonende entlassen – für Außenstehende überraschend, denn die Mannschaft hatte vier Spiele nicht verloren und gute Aussichten auf den Klassenerhalt. Mehr war ja wohl nicht drin.

Stimmt, das war unser Ziel. Der Trainer stand ja schon vorher ein paar Mal auf der Kippe, aber da haben wir als Mannschaft immer die richtige Reaktion gezeigt. Und auch da waren wir in einer guten Phase, hatten zum Beispiel gegen Lautern und Braunschweig unentschieden gespielt.

Seitdem ist mit Falko Götz ein anderer Typ im Amt.

Bei Karsten Baumann habe ich, wenn ich fit war, immer gespielt. Auch mit Falko Götz komme ich gut klar, er spricht viel mit uns, zeigt uns Möglichkeiten auf.

Haben Sie noch Kontakt zum VfL oder zu ehemaligen Mitspielern?

Linde, Angelo, Manu, Henrich Bencik – da sind etliche, mit denen man sich regelmäßig austauscht. Wir hatten ja einen echt guten Zusammenhalt. Und ansonsten? Wenn ich in Osnabrück bin, freue ich mich über jeden Fan und jeden Ordner, der sich freut, mich zu sehen. So gut es mir in Aue gefällt, so ist der VfL und Osnabrück immer noch in unseren Herzen. Meine Frau hätte sich riesig gefreut, wenn es mit der Rückkehr geklappt hätte – immerhin ist unser Sohn Finn, der gerade zwei geworden ist, in Osnabrück geboren. Wir hängen am Verein und an der Stadt.

Vielleicht gibt´s ja mal ein Comeback?

So was kann man nicht planen, im Profifußball nicht. Aber noch mal Osnabrück, das ist schon so eine Art Traum. Warum soll es nicht doch noch mal klappen?


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