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21.08.2015, 18:09 Uhr FEUERZEUG-WERFER ERMITTELT

Kommentar: Chance für den Neuanfang

Ein Kommentar von Benjamin Kraus



VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend hatte den Schaden für den Ausschluss aus dem DFB-Pokal auf etwa 500000 Euro beziffert - einschließlich der Prämie von 268000 Euro, die dem VfL Osnabrück für das Erreichen der nächsten Runde zugestanden hätten. Nun ist der Täter ermittelt. Ein Kommentar.

Der Täter ist gefasst. Nun über dessen Hintergründe oder gar Motive am Stammtisch ausufernd zu spekulieren, ist wenig angebracht. Sein noch recht junges Alter und die emotional aufgeladene Stimmung um ihn herum im Stadion sprechen dafür, dass dem Feuerzeug-Werfer die nun über ihn hereinbrechenden Konsequenzen seiner Tat in jenem Moment nicht wirklich bewusst waren. Zumal er nicht der Einzige war, der Gegenstände in den Innenraum schmiss. Er war nur der Einzige, der den Schiedsrichter traf – oder das Pech hatte, den Schiedsrichter zu treffen. Das kann man so formulieren angesichts der Belastung, die er nun in jungen Jahren finanziell wie moralisch auf sich nehmen muss.

Denn der finanzielle Schaden ist enorm, der Großteil davon bleibt beim VfL hängen: Der Verein kann zwar über den Rechtsweg versuchen, sich vom Täter einen Teil der zu erwartenden Strafgelder wieder zu holen, wird aber kaum die Prämien für die in jener 71. Minute noch nicht gesicherte Qualifikation für die 2. Runde geltend machen können. Trotzdem bedeutet die Ermittlung des Täters eine Chance für den VfL – über das positive Zeichen an den DFB hinaus.

Es ist die Chance, einen Schlussstrich unter die Ereignisse zu ziehen und nach vorne zu schauen. Mit der richtigen Lehre im Gepäck, die nun hoffentlich auch der letzte verinnerlicht hat, der es gut mit dem Verein meint. Sie lautet nicht anders als seit dem ersten Tag: Gewalt ist im und rund um den Fußball konsequent zu ächten. Von jedem. Auch in der Kurve. Auch und gerade bei Traditionsvereinen.

Denn dass der Vorfall der Marketingmaschine eines Projektvereins die perfekte Vorlage lieferte, um sich selbst bundesweit als familien- und fanfreundlichere Fußball-Alternative in Szene zu setzen , ist nur schwer zu ertragen.


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