Medienecho zum VfL Osnabrück „Die Relationen nicht aus den Augen verlieren“

Entschuldigte sich im Namen des VfL beim Schiedsrichter und Gegner: Präsident Hermann Queckenstedt (links). Foto: Helmut KemmeEntschuldigte sich im Namen des VfL beim Schiedsrichter und Gegner: Präsident Hermann Queckenstedt (links). Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Die Medien sind sich einig: Fußball-Drittligist VfL Osnabrück muss mit einer Niederlage am Grünen Tisch und einem großen Schaden in Sachen Finanzen und Image rechnen. Nicht leicht verdaulich sind dabei allerdings zwei Kommentare auf den Webseiten des NDR und WDR. Ein Presseecho.

NDR.de spricht in einem Kommentar davon, dass der DFB, die Vereine und die organisierten Fangruppen die Verfehlungen der Zuschauer klein reden. Der – aus NDR-Sicht – Ausgangspunkt der Tumulte, „der Platzsturm eines Osnabrücker Ersatzspielers, um einen Leipziger nach einer vergebenen Torchance zu verhöhnen“, sei eine neue Qualität der Unfairness. „Und dann tritt auch noch der Osnabrücker Präsident mit seiner absurden Einzeltätertheorie ans Mikrofon, entschuldigt sich zwar beim verletzten Schiedsrichter, nicht aber beim sportlichen Gegner, der von Anhängern seines Vereins permanent verbal beleidigt worden war. Übrigens auch noch nicht am Tag danach“, heißt es. Was so nicht stimmt.

Jede Sportart habe eben jene Fans, die sie verdient , heißt es derweil im Kommentar auf wdr.de. Die Taktik der Vereine, Feuerwerkwerfer und Co. als verwirrte Nichtfans abzukanzeln, laufe ins Leere. Die Äußerung von RB-Trainer Ralf Leipzig, dass das ganze Spiel über Feuerzeuge, Trinkbecher und anderes in Richtung Leipziger Spieler geflogen seien, wird indes einfach übernommen. Und schnell mal vom WDR hochgerechnet: „Es war also mindestens ein ganzer Block von Fans, die das Spiel bewusst kippen wollten – was sie ja auch geschafft haben.“ Der Kommentar gipfelt in der Aussage, dass beide Klubs, also auch RB Leipzig – aus dem DFB-Pokal rausfliegen sollten. „Mitgefangen, mitgehangen“, heißt es dort.

NOZ-Kommentar: Aufräumen mit falschen Legenden

Weitere Pressestimmen:

„Für den VfL Osnabrück stellt die Tat eines Chaoten nicht nur einen Imageverlust dar, auch der materielle Schaden könnte enorm sein. 1:0 führte der Traditionsverein, als die Partie in der 71. Minute abgebrochen wurde. Das DFB-Sportgericht wird das Spiel für RB Leipzig als mit 2:0 gewonnen werten müssen, wenn es seiner bisherigen Rechtsprechung treu bleibt.“ (Der Kicker)

„In der Oper kommen Fans selten auf die Idee, die Bühne zu stürmen. Im Fußball scheinen sie sich aber mehr und mehr als Teil der Aufführung zu betrachten. Indem sie über die von ihren Teams gewünschte, ja geforderte Stimmungsmache hinaus die nötige Distanz überwinden. Selbstdarsteller, die es nicht geschafft haben, sich für die Elite des Fußballs zu qualifizieren, aber glauben, unbedingt einmal den Olymp betreten zu müssen. Und, noch schlimmer, die Bierbecher-, Golfball-, Trommelstock- und Feuerzeugwerfer. Sie greifen Hauptdarsteller an, sie greifen ein ins Spiel, und sie vergreifen sich dabei an dem, was ihnen angeblich so heilig ist.“

(Frankfurter Allgemeine)

Videoumfrage: Spielabbruch beim VfL berechtigt?

Ralf Rangnick ist schnell von Begriff. Nur eine Nacht ließ RB Leipzigs Trainer und Sportdirektor vergehen, dann bot er dem VfL Osnabrück eine Wiederholung des am Dienstagabend abgebrochenen Pokalspiels an (…) Rangnick wittert die Chance: Endlich kann er Fußball-Deutschland beweisen, dass RB Leipzig doch kein Konstrukt des Teufels ist, sondern für längst vergessen geglaubte Werte steht. Der Trainer verzichtet auf den sicheren Sieg zugunsten einer für alle gerechten Lösung.“

(Focus Online)

Reaktionen der VfL-Fans: „Wort Ostkurve aus Hymne streichen“

„Die Osnabrücker werden mit größter Wahrscheinlichkeit das Spiel am Grünen Tisch verlieren und eine harte Strafe bekommen. Das ist für den finanziell angeschlagenen Club doppelt bitter. Dabei hatte es bis zum Feuerzeugwurf gut ausgesehen.“

(Süddeutsche Zeitung)

„Bei allem Entsetzen über enthemmte Fans sollte man aber die Relationen nicht aus dem Auge verlieren. Die überwältigende Mehrheit lebt die Leidenschaft für ihre Mannschaft in friedlichem Sportsgeist aus.“ (Die Welt)