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Osnabrück führte 1:0 gegen Leipzig Spielabbruch nach Feuerzeugwurf – VfL-Präsident entsetzt

Von Sportredaktion

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Osnabrück. Skandalöses Ende eines zuvor begeisternden Pokalabends an der Bremer Brücke: Weil Martin Petersen nach 70. Minuten von einem Feuerzeug aus der Ostkurve am Kopf getroffen wurde, hat der Schiedsrichter die Partie abgebrochen – beim Stand von 1:0 für den VfL Osnabrück, der gegen RB Leipzig zuvor auf der Siegstraße gewesen war. Die Lage ist bisher laut Polizei ruhig geblieben.

Von Benjamin Kraus, Susanne Fetter, Malte Schlaack und Sven Kienscherf

Hier gibt‘s den Liveticker zum Nachlesen >>

Ein einzelner Chaot hat den Traum einer ganzen Stadt und einer ganzen Region, dem überlegenen Gast aus Leipzig zu bezwingen, durch seine durch nichts zu rechtfertigende Tat zerstört. Er hatte durch ein Loch im zuvor eingerissenen Fangzaun aus der Ostkurve mit einem Feuerzeug auf den Schiedsrichter geworfen und diesen getroffen. Dieser brach daraufhin das Spiel ab.

Für den VfL Osnabrück ist dies ganz bitter – ganz Deutschland verfolgte bei der Liveübertragung im Fernsehen und am Abend in der ARD Sportschau die Geschehnisse in Osnabrück. Die Ereignisse werfen auf den Verein und leider auch auf seine friedlichen Fans ein ganz schlechtes Licht, obwohl diesen nichts für die Tat eines einzelnen Chaoten können. Auf den beim DFB bereits unter Bewährung stehenden VfL kommt damit wohl eine empfindliche Strafe zu. Ob es bei einer Geldstrafe bleiben wird, ist fraglich. Möglich scheint auch eine Platzsperre. Ob es eine Wiederholung der Partie geben wird, ist auch mehr als fraglich. ( Weiterlesen: DFB-Kontrollausschuss ermittelt nach Spielabbruch in Osnabrück >> )

Ansprache des Präsidenten

„Ich möchte mich bei unserer wahnsinnig kämpfenden Mannschaft bedanken, obwohl dies die bitterste Stunde in meiner Zeit als VfL-Präsident ist“, sagte nach dem Spielabbruch ein sichtlich angefasster Präsident Hermann Queckenstedt, als er im Mittelkreis stand und den Spielabbruch verkünden musste - etwa 20 Minuten, nachdem alle Spieler und die Schiedsrichter nach dem Feuerzeugwurf den Innenraum des Stadions verlassen hatten. Diese Zeit hatten die Gäste aus Leipzig genutzt, um in den Mannschaftsbus zu steigen und das Stadion zu verlassen. So sollte wohl Ausschreitungen vorgebeugt werden.

Beklemmende Stille im Stadion

„Ich hätte mir gewünscht, dass wir über 90 Minuten das Bild eines Traditionsvereines abgeben – aber solch eine Aktion schadet diesem Stadion, dem Fußball in Deutschland und dem VfL“, fand Queckenstedt deutliche Worte, bevor er alle Anhänger bat, friedlich nach Hause zu gehen. Nach zustimmendem Applaus für die Worte des Präsidenten breitete sich im Stadion eine beklemmende Stille aus, die mehr als alles andere die Fassungslosigkeit über diese sinnlose Aktion ausdrückte.

Manager Lothar Gans sagte zu Journalisten: „Das ist natürlich ein Debakel für uns.“ Und weiter: „Das ist einer von 13.000 im Stadion, aber das ist nicht zu entschuldigen. Es tut mir sehr leid.“ Die Leipziger stellten fest: „Wir müssen die turbulenten Ereignisse auch erst einmal verarbeiten, sind einigermaßen sprachlos.“ ( Weiterlesen: Auch die Polizei Osnabrück ermittelt >> )

So verlief das Spiel bis zum Abbruch

Vor der Partie war die spezielle Brücken-Stimmung jedem im Stadion unter die Haut gegangen: „You’ll never walk alone“ lief noch lauter als sonst, die Fans sangen noch inbrünstiger, die Choreografie der Fans zu alten Pokalerfolgen gegen die Bayern, Hamburg und Dortmund („Weiterkommen ist der Lohn – Erfolg steht hinter Tradition“) zum Einlauf der Teams war noch beeindruckender. Dann die vermeintliche kalte Dusche: Der VfL verlor die Platzwahl und spielte zunächst in Richtung der eigenen Fans.

Doch die Lila-Weißen nutzten den scheinbaren Nachteil als Vorlage für einen grandiosen Sturmlauf in der ersten Spielminute: Der lange Ball nach dem Anstoß von Tobias Willers aus dem Mittelkreis an die Strafraumkante, wo eingelaufene Osnabrücker überraschend auftauchten und für Überzahl sorgten, war vor zwei Jahren auch eine Waffe aus der Rasenballsport-Schmiede – und fast hätte Alexander Dercho nach dem gewonnenen Kopfballduell von Davide Grassi Leipzig schon mit den eigenen Waffen geschlagen: RB-Keeper Fabio Coltorti wehrte den kompromisslosen Direktschuss noch mit den Fäusten zur Seite ab.

So sollte es eben 23 Sekunden dauern, bis der VfL führte: Massimo Ornatellis Einwurf landete über Umwege auf der Brust von Halil Savan, der plötzlich gegen Willi Orban Platz hatte und aus der Drehung entschlossen abzog: Mit voller Wucht aus acht Metern ins Glück.

Loch im Zaun besiegelt Schicksal

Das 1:0 ließ die Ostkurve so stark ausrasten, dass die bei der Choreografie am und auf dem Zaun stehenden Fans die Befestigungs-Leiste des Sicherheitsnetzes hinter dem Tor abrissen, die sich aus der Verankerung löste und teilweise in den Block stürzte. Zum Glück zunächst ohne Folgen für Leib und Leben der Fans – keiner verletzte sich, die Partie konnte nach fünf Minuten wieder angepfiffen werden. Vermeintliches Glück – doch das Loch im Zaun sollte nachher das Schicksal dieser Partie besiegeln.

Das Tor hatte das Signal für einen rassigen Pokalfight gesetzt mit Chancen auf beiden Seiten: der nachsetzende Marcel Kandziora war gegen den klärenden Coltorti, der ihn anschoss (6.), genauso nahe am 2:0 wie Addy Menga, der aus dem Getümmel heraus ansatzlos einen Schlenzer aufs rechte Eck zog, den der RB-Keeper überragend aus dem Eck fischte (42). Auf der anderen Seite stand der starke Emil Forsberg bei zwei gefährlichen Abschlüssen dicht vor dem Ausgleich für die spielerisch überlegenen Leipziger.

Der VfL aber nahm den Gästen durch großen läuferischen Einsatz, geringe Abstände im Tannenbaum-Abwehrsystem vor der Fünferkette und aggressive Zweikampfführung geschickt die Lust am Spiel – allerdings ohne selbst zu überdrehen. Die Leipziger dagegen ließen sich im Hexenkessel beeindrucken und reagierten oft angefasst: Viele Unterbrechungen, Rudelbildungen und Schubsereien waren die Folge, bei denen Schiedsrichter Martin Petersen angesichts einiger übertriebener Falleinlagen auf beiden Seiten aber nie die Übersicht verlor und keine übertriebenen persönlichen Strafen aussprach. Weil die Fans auf den Rängen laut, aber fair mitgingen, machte die Partie auf den Rängen richtig Spaß.

Das änderte sich nach 70 Minuten schlagartig – Schuld war ein unbelehrbarer Chaot aus der Ostkurve, der ein rotes Feuerzeug durch die Lücke im Fangzaun warf und Schiedsrichter Petersen am Kopf traf. Eine durch nichts zu rechtfertigende Aktion, die nach 70 Minuten für den Spielabbruch sorgte. Es war ein einzelner Chaot, der dem VfL Osnabrück mit seiner Unbeherrschtheit einen Bärendienst erwiesen hatte. Denn zuvor hatte der VfL die Gäste durch großen Kampf vom eigenen Tor weggehalten, die Mehrzahl der Zweikämpfe im Mittelfeld gewonnen und war mehr als nur auf dem Weg zur Sensation. Das spürten alle im Stadion – ehe der Feuerzeugwurf dem spektakulären Spiel ein ganz schwarzes Ende bescherte.

Ähnlicher Vorfall im Jahr 2006

Vor neun Jahren war nach einem ähnlichen Vorfall das Zweitrundenspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC abgebrochen worden. Beim Stand von 2:0 für den Berliner Bundesligisten war einer der beiden Schiedsrichter-Assistenten in der 81. Minute von einem gefüllten Hartplastikbecher am Nacken getroffen worden. Die Partie vom 25. Oktober 2006 wurde zugunsten von Hertha BSC gewertet.

Nach Angaben der Polizei ist die Lage in der Stadt ruhig. Krawalle habe es bisher nicht gegeben. Die Abreise der Leipziger Fans wurde von Beamten begleitet, so ein Sprecher der Polizei.

Die Ereignisse zum Nachlesen auf www.noz.de.


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