Wolters mit Schüttorf siegreich Spelles Trainer weiß, wie man den VfL Osnabrück schlägt

Von Mirko Nordmann


Spelle. Wenn der Fußball-Drittligist VfL Osnabrück am Mittwoch (19 Uhr) zum Achtelfinale des Krombacher-Niedersachsenpokals beim Oberligisten SC Spelle-Venhaus antritt, sind die Rollen klar verteilt. Ein Sieg der Speller wäre eine große Sensation. Ihr Trainer Siggi Wolters weiß allerdings, wie man dem Favoriten erfolgreich ein Bein stellt.

Man schrieb den 14. August 2001, als der drittklassige VfL Osnabrück in der ersten Runde des NFV-Pokals mit Trainer Jürgen Gelsdorf beim damaligen Oberligisten FC Schüttorf antrat. Trainiert wurden die Grafschafter von Siggi Wolters. Im Schüttorfer Kader finden sich einige Namen, die im Emsland immer noch präsent sind: der Altenlingener Coach Jan Zevenhuizen, der Ex-Speller Matthias Börger, der ehemalige SCSV-Coach Michael Schmidt, Schapens Trainer Michael „Pille“ Felix“ oder Sebastian Röttger, ehemaliger Sportlicher Leiter des JLZ Emsland.

Aus im Elfmeterschießen

„Wir hatten eine gute Riege zusammen“, erinnert sich Wolters, der in dem Pokalspiel auf einen anderen Speller traf. Wolfgang Schütte trug in der Partie beim VfL Osnabrück die Kapitänsbinde. Beide wohnten damals wie heute etwa 500 Meter voneinander entfernt, dazwischen liegt das Sportgelände des SCSV. „Ich habe schon als B-Jugendlicher bei Siggi im Kraftraum trainiert“, verrät Schütte, „er hat mir Trainingspläne geschrieben, damit ich meine Schnelligkeit verbessere.“

An der fehlenden Spritzigkeit hat es jedenfalls nicht gelegen, dass die Osnabrücker damals in Schüttorf als Verlierer vom Platz gegangen sind. Zwar ging der VfL, bei dem Trainer Gelsdorf einige Stammkräfte schonte, nach 30 Minuten durch ein Tor von Michael Petri in Führung, doch nur sechs Minuten später glich Suad Sadovic zum 1:1 aus. Dabei blieb es bis zum Ende. Auch im Elfmeterschießen lag Osnabrück zunächst vorne. Ersatzkeeper Christopher Jürgens parierte gegen Michael Schmidt. Doch dann schoss erst der Osnabrücker Krzysztof Kowalik über das Tor, dann traf ausgerechnet Wolfgang Schütte nur die Latte. Als Günter Snyders zum 5:4 traf, war die Sensation perfekt.

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Konkrete Erinnerungen an die Partie haben weder Wolters noch Schütte – auch nicht ob es vor oder nach dem Spiel irgendwelche Sticheleien gegeben habe. „Ich glaube, wir hatten ein paar gute Torchancen, aber Osnabrück war eigentlich besser“, kramt Sebastian Röttger im Gedächtnis. Der ältere Bruder des Speller Mittelfeldspielers Christoph Röttger hatte seinen Elfmeter zum 4:4 verwandelt, ehe Schütte zum Pechvogel wurde. Seinen Fehlschuss von damals hat Schütte vergessen. „So konnten wir uns auf die Meisterschaft konzentrieren“, schmunzelt der Speller, der 272 Pflichtspiele für die Osnabrücker bestritt und gleich zweimal mit dem VfL in die 2. Bundesliga auf- und wieder abstieg.

Schüttorf holt NFV-Pokal

Wie sich eine Pokalsensation anfühlt, durfte Schütte aber nur elf Tage nach der Schmach von Schüttorf erleben. Als Zweitliga-Absteiger war der VfL noch im DFB-Pokal spielberechtigt und feierte in der 1. Runde einen 2:1-Sieg über den damaligen Erstligisten Hansa Rostock. Von den VfLern, die in Schüttorf verloren hatten, stand übrigens kein Spieler gegen die Ostseestädter in der Startelf – auch Wolfgang Schütte wurde erst in der 79. Minute für Daniel Thioune eingewechselt.

Ein Jahr später schnupperten Wolters und die Schüttorfer DFB-Pokal-Luft. Dennnach dem Triumph über den VfL Osnabrück ging ihr Siegeszug im Niedersachsenpokal weiter, und am Ende wanderte gar der „Pott“ in die Grafschaft.