Rote Karte gegen Pisot VfL Osnabrück: Mit Moral 1:1 gegen Stuttgarter Kickers

Von Benjamin Kraus


Osnabrück. Im ersten Heimspiel der Saison der 3. Fußball-Liga hat der VfL Osnabrück beim 1:1 gegen die Stuttgarter Kickers den zweiten Punkt im zweiten Spiel geholt. Dabei blieben die Lila-Weißen nach schwungvoller Anfangsphase den Gästen über weite Strecken spielerisch unterlegen, erkämpften sich aber nach einer Roten Karte gegen David Pisot in der Schlussphase in Unterzahl noch den Ausgleich.

Der VfL Osnabrück attackierte zu Beginn nicht ungestüm, sondern durchaus berechnend und konsequent das Aufbauspiel der Kickers und zeigte sich in Ballbesitz zunächst kreativ und spielfreudig. So kam Osnabrück in der Anfangsphase zu einigen Einschusschancen: Sturmspitze Halil Savran, bei seinen ersten beiden Aktionen noch mit Problemen bei der Ballannahme, setzte sich nach einem öffnenden Pass aus der eigenen Abwehrreihe gut durch und schloss aus der Bedrängnis aus 20 Metern ab – der junge Kickers-Keeper Carl Klaus konnte den Flachschuss zur Seite abwehren. Mit der zweiten Welle traf Massimo Ornatelli aus spitzem Winkel nur das Außennetz (5.).

Der 21-Meter-Aufsetzer von Marcos Alvarez blieb dagegen ohne große Gefahr (10.) – Alexander Dercho hatte sich zuvor über links mit Mut, Glück und Geschick durchgesetzt. Hier gibt es den Liveticker der Partie zum Nachlesen

In der Folge befreiten sich die Kickers allerdings mit spielerischen Mitteln aus dem Klammergriff der Osnabrücker – es entwickelte sich eine ansehnliche Partie, auch wenn die meisten der Aktionen fernab der Strafräume stattfanden. Je länger aber die erste Halbzeit dauerte, desto weniger hatte der VfL – gegen allerdings auch technisch starke und sehr ballsichere Stuttgarter – Zugriff auf die Zweikämpfe. In Ballbesitz sah man von den Lila-Weißen phasenweise zwar viele dirigierende Arme, aber auch viele hektische Aktionen sowie nicht genug durch Bewegung ausgelöste Angebote, das Leder auch wirklich haben zu wollen.

0:1 logische Folge

So war das 0:1 kurz vor der Pause eine Folge der Überlegenheit der Gäste – die Aktion an sich war allerdings durchaus zu verteidigen: Nach einem Einwurf gelangte der Ball zu einfach in den Strafraum zum Stuttgarter Erich Berko. Der behauptete mit dem Rücken zum Tor stark das Leder, schüttelte Gegenspieler Tobias Willers ab und vollendete aus der Drehung scharf ins kurze Eck (45.). Es war die erste gute Chance der Kickers – bis dahin war es den Lila-Weißen gut gelungen, die Gäste vom eigenen Strafraum fernzuhalten. (Weiterlesen: „Nach dem Platzverweis waren die Fans unser 11. Mann“)

Rot gegen Pisot

Den zweiten Durchgang eröffnete der VfL mit einem langen Ball auf die linke Seite, in dessen Folge Addy-Waku Menga eine Freistoßgelegenheit aus 20 Metern herausholte. Ornatelli schlenzte den Ball aufs kurze Eck, Kickers-Keeper Klaus aber konnte abwehren, genau wie den Nachschuss aus dem Getümmel von Savran (47.). Kurz darauf setze sich Menga auf links durch, setzte seinen folgenden 18-Meter-Schlenzer aber zu hoch an.

Rote Karte gegen David Pisot

Mit der Roten Karte gegen David Pisot folgte der Stimmungskiller sowie die meistdiskutierte Szene der Partie: Der schon verwarnte Chahed und Dercho hatten auf der linken Abwehrseite den starken Benko passieren lassen, bevor der Osnabrücker Rechtsverteidiger den Stuttgarter klar und sicher auch bewusst legte – aber mit einer Grätsche von der Seite, einigermaßen in Richtung Ball und nicht als letzter Mann, insofern eine harte Entscheidung von Schiedsrichter Benjamin Cortus. Dieser hatte nicht mehr viele Freunde im Stadion, als er kurz darauf einen Kopfballtreffer von Tobias Willers zurückpfiff, nachdem ein Stuttgarter bei einer VfL-Ecke im eigenen Strafraum zu Boden gegangen war.

Trotz Unterzahl gestaltete der VfL, der nach dem Platzverweis Ornatelli und Dercho in einer klassischen Viererkette agierte, die Partie ausgeglichen – Stuttgart hatte wie schon im ersten Saisonspiel gegen Fortuna Köln Probleme in Überzahl.

Ausgleich in Unterzahl

VfL-Trainer Maik Walpurgis reagierte nach 70 Minuten und brachte Simon Tüting und Marcel Kandziora für Christian Groß und Marcos Alvarez. Die Riesenchance kurz darauf hatte aber der zeitgleich eingewechselte Manuel Fischer, der völlig frei im eins-gegen-eins an VfL-Keeper Marvin Schwäbe scheiterte. Das hätte die Entscheidung für Stuttgart sein müssen.

Menga leitete den Ausgleich ein

Die Strafe folgte prompt: Ein schöner langer Ball von Tüting auf Menga, der im Zusammenspiel mit Ornatelli eine Ecke herausholte, leitete den Ausgleich des VfL ein. Der fiel aus dem Gewühl heraus nach einem abgeblocktem Kopfball, als sich Kandziora, obwohl festgehalten, durchsetzte und einschoss (78.). In einer intensiven Schlussphase, die zunächst ohne weitere Torchancen blieb, flog noch Stuttgarts Bentley Baxter Bahn nach wiederholtem Foulspiel zu Recht mit der Ampelkarte vom Platz. Eine kleine Chance auf den Sieg hatte der VfL noch – aber Stuttgarts Keeper Claus parierte sowohl den Flachschuss von Tüting als auch im Getümmel gegen den nachsetzenden Savran.

Fazit: Nachlassende Kickers, einzeltechnisch und spielerisch zuvor über weite Strecken überlegen, ermöglichten dem VfL in der Schlussphase den Ausgleich, den sich dieser aber auch mit großer Moral und Kampfgeist verdiente.


VfL: Schwäbe - Pisot, Willers, Grassi - Ornatelli, Chahed, Groß (70. Tüting), Dercho (75. Hohnstedt) – Alvarez (70. Kandziora), Menga - Savran.

Auf der Bank: Düker (Tor), Syhre, Odenthal, Richter.

Stuttgart: Klaus - Leutenecker, Gaiser, Starostzik, Baumgärtel - Bahn, Marchese, Braun – Mendler (81. Pachonik), G. Müller (70. Fischer), Berko (64. Badiane).

Schiedsrichter: Benjamin Cortus (Röthenbach bei Nürnberg), insgesamt gute Leistung - aber über die Rote Karte kann sicherlich diskutiert werden

Zuschauer: 8633

Gelb: Chahed / Braun, Starostzik, Baumgärtel, Bahn

Rote Karte: Pisot (51, VfL, rohes Spiel)

Gelb-Rot: Bahn (90./wiederholtes Foul).

Tore: 0:1 Berko (45.), 1;1 Kandziora (78.)

Nächstes Spiel: Mittwochabend im Niedersachsenpokal beim SC Spelle Venhaus