Bitte um Spielverlegung Derby gegen Münster: Pistorius schickt Brief an Niersbach

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Der Gästeblock beim Abendspiel 2013: Chaoten zünden Schals des VfL Osnabrück an. Foto: Helmut KemmeDer Gästeblock beim Abendspiel 2013: Chaoten zünden Schals des VfL Osnabrück an. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Die Debatte um den sicherheitstechnisch höchst umstrittenen Austragungstermin des Derbys der 3. Fußball-Liga zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster an einem Mittwochabend nimmt weiter Fahrt auf. Nun wurde bekannt, dass auch der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius auf eine Verlegung der Partie drängt – und dafür einen Brief an DFB-Präsident Wolfgang Niersbach geschickt hat.

„Die Rivalitäten zwischen den Anhängern der beiden Vereine und die daraus resultierenden Vorkommnisse im Rahmen der zurückliegenden Aufeinandertreffen – insbesondere in Osnabrück – veranlassen mich zu der dringenden Bitte an Sie, dieses Derby an einem anderen Termin stattfinden zu lassen“, lautet die Kernforderung von Pistorius in jenem Brief, den er zu Wochenbeginn an Niersbach geschickt hatte. Kurz darauf war aus dem Umfeld des VfL bekannt geworden, dass es erstmals eine Option sein könnte, Anhänger der Gäste aus Münster komplett vom Besuch der Partie in Osnabrück auszuschließen, wenn es bei dem derzeit angesetzten Termin am 23. September (Mittwochabend, 18 Uhr) bleibt.

Erstmals Hochrisikospiel

Die Partie ist als sogenanntes Hochrisikospiel eingestuft: Das ist die Eskalationsstufe der „roten Kategorie“ bei der Ampel-Einstufung der Partien durch die sicherheitstechnisch verantwortlichen Akteure, sie wurde für dieses Spiel erstmals in Osnabrück überhaupt ausgerufen.

Umso unverständlicher erscheint, dass genau dieses Spiel an einem Wochentag stattfinden soll: Denn auch die Ansetzung bereits um 18 Uhr führt dazu, dass die für die Sicherheit zuständigen Beamten nach der Partie auf Osnabrücks Straßen nicht nur mit potenziell vom Spielausgang frustrierten und gewaltbereiten Chaoten, sondern auch noch mit der einbrechenden Dunkelheit kämpfen müssen. „Aus Sicht der Polizei Osnabrück ist eine Terminierung mit einem Spielende vor Beginn der Dämmerungsphase eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz der Polizei“, schreibt Pistorius, „mit dem Ziel der Verhinderung von Störungen und Auseinandersetzungen zwischen den rivalisierenden Gruppierungen aus Osnabrück und Münster.“

Referenzbeispiel Derby 2013

Als Referenz-Beispiel dient das Derby vom 2. Oktober 2013 in Osnabrück, das – zwei Jahre nach dem Sprengkörper-Anschlag beim Derby 2011 mit 33 Verletzten – ebenfalls in den Abendstunden (Anstoß 18:30 Uhr) stattfand. Besonders beim Abzug der Preußen-Anhänger aus dem Stadion in Richtung Hauptbahnhof war es damals zu Ausschreitungen gekommen – in der einbrechenden Dunkelheit, welche im Nachhinein die Identifizierung der Täter erschwerte und zum Großteil verhinderte. Chaoten hatten mehrmals versucht, die Absperrungen der Polizei zu durchbrechen, um Osnabrücker Passanten anzugreifen, es flogen Flaschen, Dosen und Fahnenstangen, zumindest eine Passantin trug Verletzungen davon. Zuvor hatten Chaoten aus Münster versucht, den Gästeblock zu stürmen.

Pistorius führt in seinem Brief zudem an, dass nach Angaben der Polizei Osnabrück beim letzten Derby an der Bremer Brücke im August 2014 insgesamt 455 gewaltneigende und gewaltsuchende Personen im Stadion gewesen seien. Es habe 41 verletzte Personen, 29 Strafanzeigen und 56 Ordnungswidrigkeiten gegeben. „Die (...) sicherheitsrelevanten Hinweise der Polizei Osnabrück fanden nun bei der konkreten Spielansetzung leider keine Berücksichtigung“, moniert daher Pistorius im Brief an DFB-Präsident Niersbach. Die Dritte Liga ist die höchste Spielklasse, die der Verband in Eigenregie organisiert, da die beiden Bundesligen unter dem Dach der DFL beheimatet sind.

Kaum Alternativtermine

„Lassen Sie uns gemeinsam dafür Sorge tragen, dass friedliche Fußballanhänger beider Vereine sicher und gesund ein tolles Fußballfest genießen können“, schreibt Pistorius. Der für Sicherheit und Sport in Niedersachen zuständige Innenminister schlägt in seinem Brief daher vor, „auch in Kenntnis der FIFA/UEFA Abstellungsperiode vom 5. bis 13. Oktober“, dass sich Niersbach für die Verlegung des Derbys auf das Wochenende 10./11. Oktober einsetzen solle. Dann könne Samstag oder am Sonntag um 14 Uhr angepfiffen werden. In jenem Zeitraum finden allerdings wie erwähnt Länderspiele der A-Mannschaften sowie der Junioren-Nationalteams statt.

Für den VfL könnte das allerdings bedeuten, dass die Neuzugänge Anthony Syhre und Torhüter Marvin Schwäbe nicht zur Verfügung stehen. Weil die beiden in deutschen Auswahlteams spielen, hätte der VfL – im Gegensatz zum Fall Daniel Heuer Fernandes, der in den vergangenen Spielzeiten oft für Portugal abgestellt würde – sogar das Recht, eine Ligaspiel-Ansetzung in einem solchen Zeitraum im Falle einer Abstellung für ein deutsches Team zu verhindern. Weil nicht nur dies die Suche nach einem Alternativtermin nicht gerade erleichtert, ist davon auszugehen, dass in der Derby-Termin-Debatte noch längst nicht das letzte Wort gesprochen ist.


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