Hobby-Kicker trotzen Höllen-Hitze VfL: Fußball für Flüchtlinge beim Handwerker-Cup


Osnabrück. Angelegt war das Event als Wohlfühlzone für Besucher und Aktive, mit der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Bentheim und dem VfL Osnabrück standen große Namen der Region als Ausrichter, dazu der Profi- und Promi-Faktor: Da stand der Wettergott wohl so stark unter Druck, dass er es einfach zu gut gemeint hat zur Premiere der Doppelveranstaltung Handwerker-Cup plus Fanfest des Fußball-Drittligisten.

„Die Temperaturen haben uns einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht: Bei nicht ganz so großer Hitze wären sicher noch mehr Leute gekommen“, sagte der sichtlich abgekämpfte Hermann Queckenstedt – zu Recht angesichts der bis zu 36 Grad an diesem Samstag. Was den VfL-Präsidenten nicht daran gehindert hatte, mit Technik und Übersicht zu glänzen am Fußball und im neuen VfL-Trikot: als Senior-Spielertrainer einer der 33 teilnehmenden Privatmannschaften beim Handwerker-Cup. „Wir haben den Altersschnitt klar gesenkt“, so Queckenstedt angesichts seiner 10- bis 12-jährigen Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Der fachfremde Einsatz der „VfL-Schwimmer“ stand dafür, was an diesem Tag entscheidend war auf der Illoshöhe: Weniger der Sieg, eher die Begegnung und der Austausch der Fußballfreunde der Region zugunsten der Flüchtlingshilfe Osnabrück, die alle Erlöse der Veranstaltung erhält. Schade, dass einige angemeldete Teams den sportlichen und karitativen Ansatz nicht gerade unterstützten mit ganz kurzfristigen Absagen oder gar unentschuldigtem Fernbleiben.

Komplett sympathisch dagegen der Auftritt des FC Mundial: Bei der Flüchtlingself machte der eine oder andere mit feiner Ballbehandlung und technischen Kabinettstückchen auf sich aufmerksam. Wobei vor allem das Leuchten in den Augen aller Aktiven wie Auswechselspieler zeigte, wie viel ihnen dieser Tag bedeutete. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr einem der Fußball helfen kann, wenn man kaum Deutsch kann und keinen kennt“, sagte VfL-Profi Addy Waku Menga am Rande des Turniers – einen Satz, den Achmed, geboren in Mogadischu in Somalia, sicher sofort unterschrieben hätte.

„Fußball ist ein Highlight in meinem Alltag hier“, sagte der 29-Jährige, der aus seiner kriegsgeplagten Heimat floh und seit acht Monaten in Osnabrück ist, aber immer noch nicht weiß, ob er dauerhaft bleiben darf oder nicht. In gebrochenem Englisch sagt er Sätze, die wohl nicht ansatzweise nahebringen können, in welch schwieriger Situation er und seine Teamkollegen stecken: „Ich möchte mir hier ein neues Leben aufbauen. Es ist ein schweres Leben, weit weg von der Familie und in ständiger Unsicherheit.“

Dagegen ist die noch relativ unbestimmte Zukunftsplanung eines deutschen Ex-Fußball-Profis wohl eher eine Luxus-Situation. Wobei die Wehmut nachvollziehbar ist, die bei Tobias Nickenig aufkommt, als er über sein „leider kaputtes Knie“ spricht, das seiner Karriere im Sommer 2014 ein Ende setzte. „Ich mache jetzt ein Sportfachwirt-Studium, arbeite ab und zu in einer Spielerberater-Firma und organisiere Fußballcamps“, sagte der 30- Jährige, der bis 2011 beim VfL kickte und sich mit einsatzgetriebener Spielweise und positiver Energie viele Freunde in Osnabrück machte.

In der offensiv besetzten Promi-Elf mit Ansgar Brinkmann, Ulf Kirsten und Tommy Reichenberger reichte es für ihn – gezwungenermaßen ohne Grätschen – für das Viertelfinale beim Handwerker-Cup . Im hart umkämpften Finale holte „Walze 09“ gegen „Gusinac Bau“ den Sieg im Neunmeterschießen – und gewann eine Trainerstunde mit Joe Enochs, Coach der VfL-A-Junioren.

Die Führung durch die Räume des Jugendleistungszentrums hatte zuvor den wenigen Besuchern, die nicht am Fußballturnier teilgenommen hatten, interessante Einblicke in die Nachwuchsarbeit des VfL ermöglicht. Ansonsten blieben viele aufgebaute Attraktionen wie der Menschenkicker verwaist: die Wasserfontäne der Feuerwehr stand bei sengender Hitze höher im Kurs.

So blieben auch die VfL-Profis bei der Team-Präsentation und der Begegnung mit den Fans unter dem Tribünendach – oder im Festzelt, wo die Tischtennis-Duelle Aufmerksamkeit erregten. Stark dabei Rolf Meyer: Der VfL-Torwarttrainer parierte als Defensivkünstler an der Platte die meisten Angriffe von Offensivspieler Menga.


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