Jüngster Bundesliga-Coach des HSV Ex-Trainer des VfL Osnabrück: Klaus Ochs verstorben

Meine Nachrichten

Um das Thema VfL Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Von 1973 bis 1975 trainierte Klaus Ochs die Profis des VfL Osnabrück. Jetzt ist der ehemalige Bundesligacoach im Alter von 75 Jahren in seiner Heimatstadt Wattenscheid nach langer, schwerer Krankheit in einem Pflegeheim verstorben.

Im Frühjahr 1973 präsentierte der VfL Osnabrück Klaus Ochs als Nachfolger von Erwin („Ata“) Türk. Damit kam ein namhafter Vertreter der jungen Trainer-Generation an die Bremer Brücke. Ochs hatte sich Mitte der sechziger Jahre in der Jugendarbeit bei Borussia Dortmund einen Namen gemacht und war vom Hamburger SV angeworben worden, zunächst als Coach der Amateurmannschaft. 1970 hatte er das Bundesligateam des HSV übernommen und war mit dem im Umbruch befindlichen Klub durchaus erfolgreich gewesen.

Ochs brachte drei Talente vom HSV mit zum VfL

Beim VfL baute Ochs eine neue Mannschaft auf, drei der acht Zugänge brachte der Talentförderer vom HSV mit: Edgar Nobs, Günter Selke und Lubomir Blaschek; aus dem Trio setzte sich nur Günter Selke durch. Der VfL verpasste erstmals seit 1969 als Dritter hinter Eintracht Braunschweig und dem FC St. Pauli die Aufstiegsrunde zur Bundesliga, qualifizierte sich aber unangefochten für die neue 2. Liga Nord, die die alten Regionalligen ablöste.

So erinnert der Hamburger SV an Klaus Ochs

In der Premierensaison spielte der VfL eine gute Rolle, doch Schlagzeilen machten die Lila-Weißen vor allem mit dem Konflikt zwischen der Mannschaft und ihrem Trainer. In einer Spielerrevolte sprach sich das Team gegen eine weitere Zusammenarbeit mit dem Trainer aus, die Vorwürfe wurden öffentlich nie konkretisiert. Weil der Verein zunächst zu Ochs stand, eskalierte der Streit. Als der Verein erklärte, man könne sich eine Entlassung aus finanziellen Gründen nicht leisten, beschloss die Mannschaft, für das Gehalt von Ochs aufzukommen, falls sich der Verein von ihm trenne.

Die Affäre Ochs machte bundesweit Schlagzeilen

In einer dreiteiligen Serie berichtete der „Kicker“ in großer Aufmachung über die Affäre, die Boulevard-Presse griff das Thema auf. Im April 1975 trennte sich der VfL, dessen Präsidium am Fall Ochs zerbrochen war, von dem Trainer, der später vor dem Arbeitsgericht auf Zahlung seines Gehalts klagen musste und gewann.

Erinnerung an ein denkwürdiges Spiel unter Klaus Ochs.

Als Interimstrainer sprang Helmut Kalthoff ein, den Ochs als Assistenz- und Jugendcoach nach Osnabrück geholt hatte. Unter der Regie der beiden wurde die Nachwuchsförderung intensiviert und modernisiert. Schon beim HSV hatte sich Ochs auf diesem Gebiet profiliert, als er zusammen mit dem früh verstorbenen Talentspäher Gerd Heid junge Talente nach Hamburg holte, die dort zu Bundesliga-Assen wurden, allen voran Manfred Kaltz, Rudi Kargus und Caspar Memering. Kalthoff, der in seiner zweiten Amtszeit die Nachwuchsförderung des VfL auf ein bundesweit anerkanntes Niveau brachte, hat mehrfach den Anteil von Ochs an dieser Ausrichtung betont: „Das haben wir von Ochs gelernt“.

Manfred Kaltz über die Förderung durch Klaus Ochs

Nach seinem Ausscheiden in Osnabrück zog sich Ochs aus dem Profifußball komplett zurück; Weggefährten aus dieser Zeit sprachen von Enttäuschung und Verbitterung. Der damals 35-Jährige nahm sein Pädagogikstudium wieder auf und wurde Lehrer; zuletzt war er mit den Fächern Sport und Religion an der Albert-Schweitzer-Realschule in Dortmund tätig, eher er 2002 in den Ruhestand ging.

Tod im Pflegeheim nach langer Krankheit

Sportlich engagierte sich Klaus Ochs in seinem Wattenscheider Heimatverein SV Höntrop, der das Engagement des Fußballlehrers immer wieder würdigte und sich nach dessen Tod in einem Nachruf vor ihm verneigte. Danach lebte Ochs zuletzt in einem Pflegestift in Wattenscheid, wo er nach langer, schwerer Krankheit am 13. Juni 2015 verstarb.

Vater Ochs trainierte Eintracht Osnabrück

Über seine Zeit als Bundesligatrainer im Allgemeinen und seine zwei Osnabrücker Jahre im Besonderen hat sich Klaus Ochs nie wieder öffentlich geäußert; mehrere Anfragen zu einem Gespräch lehnte er freundlich, aber bestimmt ab. Auch der Kontakt mit dem ehemaligen VfL-Oberligaspieler Helmut Spielmeyer, in dessen Haus Ochs eine Mietwohnung hatte, und zu Kalthoff war längst abgerissen.

Ochs war der Sohn von Walter Ochs, einem ehemaligen Gauligaspieler, der 1949 im ersten Nachkriegslehrgang unter Sepp Herberger die Fußballlehrerlizenz erwarb und als westfälischer Verbandssportlehrer in Kaiserau zu einem der profiliertesten deutschen Trainer aufstieg. Auch Ochs senior trainierte in Osnabrück: 1951/52 betreute er in der Oberliga Nord, der damals höchsten deutschen Spielklasse, die gerade aufgestiegene Mannschaft von Eintracht Osnabrück.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN