Geschäftsführer Wehlend im Interview „Wir bitten die VfL-Crowdfunder um Darlehens-Verlängerung“

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Osnabrück. Der VfL Osnabrück steckt mitten im Kampf um die Lizenz für die Saison 2015/16. Doch für Geschäftsführer Jürgen Wehlend und sein Team geht es in diesen Wochen um mehr: Man will das Sanierungskonzept realisieren, das über die kurzfristige Finanzierung einer Saison hinaus die Grundlage für eine Perspektive bietet. Dazu äußert sich der 49-Jährige Manager ebenso wie zu den offenen Fragen des Lizenzierungsverfahrens.

Herr Wehlend, das Comeback der Sparkasse als Trikotsponsor wurde von manchem Anhänger eher beiläufig registriert – man hatte wohl mit einem neuen Namen gerechnet. Was bedeutet der vergangene Donnerstag für den VfL?

Sehr viel, deshalb habe ich bei der Bekanntgabe auch von einem bedeutenden Tag gesprochen. Da ist zunächst der rein monetäre Aspekt, denn die Sparkasse weitet ihr Engagement spürbar aus. Bestehende Verträge für Werbung und Nachwunschförderung laufen unverändert weiter. Hinzu kommt, dass wir einerseits deutlich früher als mancher Konkurrent einen neuen Trikotpartner präsentieren können. Und andererseits ist das ein wichtiges Signal an andere Sponsoren.

Die Sparkasse ist allerdings auch ein Gläubiger, der ein ureigenes Interesse an Fortbestand des VfL haben muss.

Umso mehr ist die Entscheidung ein Signal in zwei Richtungen: Rückblickend, weil man anerkennt, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, wie der Vorstandsvorsitzende Johannes Hartig es nannte. Und zukunftsgerichtet, wenn einer der größten Gläubiger von der positiven Fortführung des Kurses überzeugt ist.

Fehlt als nächste Säule zur Absicherung der Lizenz der neue Vertrags über das Namensrecht am Stadion. Heißt die Bremer Brücke auch ab dem 1. Juli osnatel-Arena – trotz der aktuellen Probleme von Konzernmutter EWE?

2004 hat osnatel nach dem Abstieg aus der 2. Liga die Lizenz in der Regionalliga gesichert. 2013 und 2014 haben wir diese über zehn Jahre anhaltende und erfolgreiche Partnerschaft verlängert. Ich glaube, dass wir uns auf EWE verlassen können.

Eine Hürde auf dem Weg zur Lizenz ist die Liquiditätsreserve. Im Vorjahr wurde die Hälfte der damals geforderten 960000 Euro durch die aufsehenerregende Crowdfunding-Aktion aufgebracht. Kommen Sie diesmal ohne ein solches Darlehn aus?

Zunächst waren es sogar 1,2 Millionen Euro. Im Zulassungsbeschwerdeausschuss konnten wir diese Summe dann auf 960000 Euro senken. Diesen Schritt haben wir in diesem Jahr noch vor uns. Aber egal, ob uns eine Absenkung im Zuge der Verhandlung auch in diesem Jahr gelingt: Der DFB erachtet eine Liquiditätsreserve wie in diesem Jahr von 900000 Euro solange für notwendig, wie die gesamtwirtschaftliche Situation des VfL als kritisch einzustufen ist. Und das wird mindestens solange der Fall sein, wie wir unsere Eigenkapitalbasis nicht nachhaltig verbessern können. Solange werden wir auf die Unterstützung unserer bestehenden Darlehens- und Garantiegeber angewiesen sein. Im Klartext: Wir bitten unter anderem die VfL-Crowd, ihr Lizenzdarlehen bis 1. Dezember 2016 zu verlängern.

Ist denn gesichert, dass die Liquiditätsreserve in dieser Saison nicht beansprucht werden muss – immerhin wird der Zuschauerschnitt nicht erreicht.

Das ist richtig, denn aufgrund des fehlenden sportlichen Erfolges liegen wir bei einem Schnitt von rund 8500. Ungeachtet dessen: Die Liquiditätsreserve von 960000 Euro liegt beim DFB und das soll auch so bleiben.

Mit welchen Reaktionen rechnen Sie bei Crowdfundern und den Bürgen?

Bei den Garantiegebern handelt es sich um Unternehmen und Privatpersonen, mit denen wir im Kontakt stehen. Derzeit sagen alle, dass sie uns weiter unterstützen, wenn es eng werden sollte. Die Verlängerung der 450000 Euro Bankgarantien dieser Gruppe wäre die halbe Miete. Was die Crowdfunder betrifft: Etliche haben sich seit dem Lizenzbescheid bei uns gemeldet. Der Tenor war durchweg positiv. Einige teilten uns sogar mit, sie würden dem VfL das Geld auch schenken wollen. Aber das ist nicht unser Anspruch. Zwar bitten wir um eine Verlängerung der Darlehen, würden aber auch pünktlich am 1. Dezember all denen das geliehene Geld plus drei Prozent Zinsen zurückzahlen. Das ist eine Frage des Vertrauens und wir halten unser Wort.

Wenn Sie dann noch die erneute Stundung der Stadionpacht durch die Stadt hinbekommen, wäre die Lizenz vermutlich gesichert. Aber es bleibt ein Prozess, der nur darauf ausgerichtet ist, die Zahlungsfähigkeit für eine weitere Saison zu sichern. Aus der grundsätzlichen Misere mit einem kostspieligen und sanierungsbedürftem Stadion sowie zehn Millionen Euro Verbindlichkeiten ändert sich nichts. Wo ist der Weg aus der Schuldenfalle?

Wir müssen unsere Erfolgsplanung 2015/16 gegenüber dem DFB umsetzen, also auch die erforderlichen Werbeverträge nachweisen. Dazu gehört in der Tat auch, unsere Verbindlichkeiten wie gestundete Darlehen und die aufgelaufene Stadionpacht in der KGaA zu verlängern. Und zwar solange, bis das von uns vorgeschlagene Sanierungskonzept greift bzw. von den Gläubigern genehmigt wurde. Das wollten wir schon in dieser Saison umgesetzt haben, aber der Prozess ist komplex und es gibt noch einige Hürden zu nehmen.

Noch mal: Wie könnte der Weg zur Sanierung aussehen?

Die Ausgliederung war ein wichtiger und richtiger Schritt. Allerdings führte die strukturelle Separierung 2013 nicht zu der beabsichtigten wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Verein, Profifußball und Stadion. In dieser Situation sind wir gefangen, die Altlasten des Stadions hängen wie ein Mühlstein am VfL und verhindern, dass wir wirklich lebensfähig sind. Ich meine damit, dass wir derzeit zwar überlebensfähig sind, uns aber nicht weiterentwickeln können.

Wäre das Sales-and-lease-back-Modell, das 2012 bei der Rettungsaktion durch die Stadt lange im Gespräch war und dann zugunsten des Modells mit der Stadiongesellschaft unter Beteiligung der Stadt abgelöst wurde, nicht der bessere Weg gewesen?

Ich glaube ja, aber das ist Schnee von gestern. Klar ist, dass wir als Eigentümer des Stadions im Vergleich zu den meisten Vereinen in der 3. Liga und 2. Bundesliga einen Standort- und Wettbewerbsnachteil haben. Und dabei rede ich gar nicht von den vielerorts getätigten Investitionen der Länder und Kommunen in den Neu- oder Umbau von in der Regel städtischen Stadien. Mit dem seinerzeit geplanten Verkauf des Stadions an die Stadt und der Anmietung durch den VfL wäre dieser Nachteil auflösbar gewesen. Heute müssten wir nach der bestehenden Konstruktion eine Pacht leisten, welche gerade mal die Finanzschulden des Stadions decken würde, nicht aber die zwingend erforderlichen Investitionen in die Verkehrssicherheit und wenigstens ein Mindestmaß an Komfort für unsere Zuschauer.

Die Pacht, die von der KG an die Stadiongesellschaft gezahlt werden muss, beträgt 450000 Euro...

...und liegt damit etwa dreimal so hoch wie im Ligavergleich. In dieser Saison haben 225000 Euro Pacht geleistet, wie mit der Stadt vereinbart. Außerdem Sondertilgungen in Höhe von 130000 Euro auf die gestundete Stadionpacht, um die Zahlungsfähigkeit der Stadiongesellschaft aus den vorgenannten Gründen zu gewährleisten. Auf Dauer ist das nicht zu machen, weshalb wir seit Mai 2014 eine liga- und zuschauerabhängige Stadionpacht anstreben. Im Klartext: Eine nutzungsabhängige variabilisierte Stadionpacht liegt bei etwa 7,5 bis zehn Prozent der Ticketerlöse. Für den VfL würde dies Kosten von etwa 7500 Euro pro Spiel oder 150000 Euro pro Saison bedeuten.

Mit welchem Ziel gehen Sie in die Gespräche mit der Stadt und der Kommunalpolitik?

Wir streben eine nachhaltige Lösung für alle Beteiligten an. Der von uns 2014 erarbeitete und den Gläubigern vorliegende Sanierungsplan für die Stadiongesellschaft bietet ihnen endlich Planungssicherheit und dem VfL einen Weg aus der Schuldenkrise. Hier in die Details zu gehen, verbietet sich mit Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen mit den Gläubigern sowie die Beratungen in den Fraktionen und im Finanzausschuss, die in der nächsten Woche tagen.


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